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Kommentar Will Scholz die Marktmacht der Big Four beschneiden, muss er wieder die Beamten arbeiten lassen

Im Wirecard-Skandal hat der Minister die Wirtschaftsprüfer als die Schuldigen ausgemacht. Dabei sind diese dick im Geschäft mit dem Bund.
21.09.2020 - 12:59 Uhr 1 Kommentar
Im Wirecard-Skandal gab der Minister den Wirtschaftsprüfern die Schuld. Quelle: dpa
Olaf Scholz

Im Wirecard-Skandal gab der Minister den Wirtschaftsprüfern die Schuld.

(Foto: dpa)

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat nicht nur einmal im Zuge des Wirecard-Skandals die Wirtschaftsprüfer als die Schuldigen ausgemacht. Aber die Erkenntnis, dass die Frösche niemals den Sumpf trockenlegen, beherzigt der Bundesfinanzminister nicht. Die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind dick im Geschäft mit dem Bund. Allein in den vergangenen fünf Jahren flossen 400 Millionen Euro an Deloitte, KPMG, PwC und EY, also an die „Big Four“

Scholz und seine SPD-Freundin, Bundesjustizministerin Christine Lambrecht, betonen ohne Unterlass, dass sie die Trennung von Prüfungsmandaten und Beratung ins Visier nehmen. Als Begründung führen sie deren Marktmacht an. Aber mit ihrer Auftragsvergabe stärken sie diese Vormachtstellung.

Zwei aktuelle Beispiele: Die Prüfer von EY erstellen für das Justizministerium die neue Insolvenzsicherung bei den Pauschalreisen, die angesichts der Thomas-Cook-Pleite notwendig wurde. Scholz hat gerade unter anderem KPMG legal beauftragt, die Finanzaufsicht Bafin zu reformieren. Das passt alles nicht zusammen. 

In den Ministerien verlassen sich hochbezahlte Beamte, die meistens zwei hervorragende juristische Staatsexamen haben, auf die Expertise der Beratungsunternehmen. Was machen eigentlich die Beamten?

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    Verdi fordert aktuell fast fünf Prozent mehr Gehalt für den öffentlichen Dienst. Das ist für Polizisten und Erzieherinnen sicher gerechtfertigt. Aber für die Ministerialdirektoren, die nur noch auf die Gutachten der Berater warten, ist das völlig inakzeptabel. Trägheit sollte nicht noch belohnt werden. 

    In den Klauen der Parteien

    Hinzu kommt noch, dass die Bundesministerien immer stärker in den Klauen der großen Parteien stecken. Scholz hat sich das größte Vizekanzleramt zusammengeschneidert, das es je gab. Sein Staatssekretär Wolfgang Schmidt will dem Vernehmen nach jetzt eine Nebentätigkeit als Wahlkämpfer beantragen. Offensichtlich sind die Spitzenbeamten nicht ausgelastet. Da wird dann lieber schnell ein Beratungsunternehmen beauftragt.

    Ernst zu nehmen sind die Reformvorschläge offensichtlich nicht. Wollte man die Marktmacht der Big Four tatsächlich beschneiden, müsste man bei der Auftragsvergabe Zurückhaltung üben und mal wieder die Beamten arbeiten lassen. Das Wirtschaftsministerium verfügt über zwei riesige Energieabteilungen. Aber EY soll das Design der Stromnetze erarbeiten. Verstehe das, wer will.

    Will man tatsächlich etwas zur Stärkung der mittelständischen Prüfer tun, sollte man die Big Four dazu bringen, sich zu entscheiden: entweder prüfen oder beraten. Im Moment heißt es für die Bundesregierung: beraten und verkauft. 

    Mehr: Big Four machen Kasse. Aufträge in Höhe von 400 Millionen Euro. 

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Will Scholz die Marktmacht der Big Four beschneiden, muss er wieder die Beamten arbeiten lassen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wie die Skandale zeigen funktioniert die Doppelspurigkeit im Prüfungsbereich - testierte Konzernbilanzen werden ja laufend von der Konzernbetriebsprüfung "überprüft" - auch nicht gerade gut. Es wundert einen, dass bei den Banken und jüngst bei Wirecard das bisher kein Thema ist. Wenn die Prüfungsgesellschaften zusätzlich zu den Unternehmen die Verwaltung "beraten" - in wessen Interesse sind sie dann wohl unterwegs?

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