Kommentar Willkommen in der Realität!

Probleme kommen immer von allein - das gilt auch für Siemens. Die Schuldenkrise und der wirtschaftliche Abschwung machen zu schaffen. Das Polster ist zwar noch dick, aber viele Fehler kann sich Siemens nicht leisten.
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Axel Höpner, Handelsblatt-Korrespondent in München und seit vielen Jahren Siemens-Beobachter Quelle: Pablo Castagnola

Axel Höpner, Handelsblatt-Korrespondent in München und seit vielen Jahren Siemens-Beobachter

(Foto: Pablo Castagnola)

Nein, gute Nachrichten sind das nicht, die Siemens-Chef Peter Löscher da zur Hauptversammlung mitgebracht hat. Beim operativen Ergebnis bleiben die Münchener hinter den Erwartungen zurück, der Auftragseingang zeigt erstmals seit zwei Jahren wieder nach unten.

Die Konzentration auf Megatrends - wie Medizintechnik und Energieeffizienz - und die starke Position in den Wachstumsmärkten sollten Siemens unabhängiger machen vom Auf und Ab der Konjunkturzyklen. Doch das abgelaufene Quartal zeigt, dass sich Konzern nicht völlig entkoppeln kann von der Weltkonjunktur. Willkommen in der Realität!

Bedrohlich ist die Situation noch nicht. Siemens sitzt auf einem dicken Kapitalpolster, und das Auftragsbuch ist noch gut gefüllt. Löscher kann es sich daher leisten, die Investitionen weiter hoch zu halten. So will sich der Konzern in der Krise einen Innovationsvorsprung erarbeiten gegenüber Konkurrenten, die finanziell schlechter dastehen. Das ist der richtige Weg, und dafür sollte Siemens in den nächsten Quartalen auch schwächere Margen in Kauf nehmen.

Was sich Siemens aber nicht mehr leisten kann, sind ständige Sonderbelastungen. Vor einem Jahr hatte Löscher den Eindruck erweckt, dass die leidigen Zeiten, in denen es ständig an irgendeiner Ecke des Konzerns brannte, endlich vorbei seien.  Siemens sei nun ein "ganz normales Unternehmen der Spitzenklasse".

Doch das vergangene Geschäftsjahr erinnerte fatal an diese alten Zeiten: Die Vertragsstrafe für den schnellen Ausstieg bei Areva, die hohe Abschreibung auf die akquirierte Solel und das Scheitern in der Partikeltherapie kamen den Konzern teuer zu stehen. Zum Start ins neue Geschäftsjahr sah es nicht viel besser aus: diesmal verhagelten Verzögerungen bei einem Windpark in der Nordsee das Ergebnis in der Energie-Übertragungssparte. Auch Löscher konnte den Schlendrian noch nicht endgültig austreiben.

In guten Zeiten konnte sich Siemens solche ärgerlichen Sonderlasten vielleicht noch leisten - zumindest fielen sie weniger auf. Doch in den schwierigen Monaten, die nun kommen, braucht Siemens hohe Disziplin. Nur, wenn dies gelingt, wird Siemens wirklich als Sieger aus der Krise hervorgehen.

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