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Kommentar Wir können aus der Coronakrise lernen – auch die Balance zwischen digitaler und realer Welt

Die Pandemie bringt nicht nur unsägliches Leid, sondern auch die Chance, Neues auszuprobieren. Wir sollten die Krise nutzen und voneinander lernen.
01.05.2020 - 10:16 Uhr 1 Kommentar
Viele Menschen in Deutschland sind durch die Corona-App freiwillig zu Datenspendern geworden. Quelle: Reuters
Menschen mit Schutzmaske und Smartphone

Viele Menschen in Deutschland sind durch die Corona-App freiwillig zu Datenspendern geworden.

(Foto: Reuters)

Wir wissen inzwischen mehr über Mikroben, als wir jemals wissen wollten. Das gilt vor allem für ihre gesundheitlichen Risiken. Gelernt haben wir mittlerweile aber auch, dass Pandemien wie die Pest oder das Gelbfieber oft die Weichen der Weltgeschichte neu gestellt haben.

Dass die Coronakrise neben all dem Leid, dass sie über viele Menschen bringt, unser Leben sogar besser machen könnte, mag dagegen überraschen. Und doch werden wir durch das Virus in einem Crashkurs zu Innovationen und Veränderungen unseres Lebens gezwungen, die vor drei Monaten noch undenkbar waren.

Corona als Innovationsmotor? Die Idee ist nicht so weit hergeholt, wie es auf den ersten Blick erscheint. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Not einer Naturkatastrophe erfinderisch macht und neuen Technologien zum Durchbruch verhilft.

Das vom deutschen Erfinder Karl Friedrich Drais entwickelte Laufrad kam erst ins Rollen, nachdem 1815 im fernen Indonesien der Vulkan Tambora explodiert war und seine Asche die Welt für ein Jahr verdunkelte. Die Kollateralschäden waren Missernten und verhungernde Pferde, was wiederum den Bedarf für alternative Fortbewegungsmittel weckte: Die Stunde für den Vorläufer des Fahrrads war gekommen.

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    Mehr als 200 Jahre später lernen auch wir neu „laufen“. Wer hätte vor Ausbruch der Pandemie gedacht, dass Abstandsregeln, Maskenpflicht und Händewaschen innerhalb weniger Wochen für die halbe Menschheit zur Alltagsroutine werden. Aber es sind nicht nur die profanen Dinge des Lebens, die wir dazulernen.

    Digitalisierung nimmt zu

    Das Virus hat der Telemedizin einen enormen Aufschwung beschert. Lehrer und Schüler entdecken im „Google-Classroom“ das E-Learning. Seit Ende März haben fast alle deutschen Hochschulen ihre Studienangebote ins Internet verlagert. Die Anzahl der Studierenden, die nach Online-Studiengängen suchen, hat sich verdreifacht.

    Das Homeoffice in der Quarantäne macht uns nicht nur zu Zoom-Profis, sondern verändert unser Einkaufsverhalten und mit ihm unsere Bezahlgewohnheiten. Cash ist nicht mehr King, sondern wird durch Paypal und kontaktloses Bezahlen abgelöst.

    Die Revolution findet aber nicht nur im Kleinen statt. Dass eine Mehrheit der technologieängstlichen Deutschen mithilfe einer Corona-App freiwillig zu Datenspendern wird, um sich selbst und ihre Mitmenschen zu schützen, wäre vor Ausbruch der Pandemie undenkbar gewesen. Offenbar brauchte es einen anthropologischen Schock, um neben dem Fluch neuer Technologien auch deren Segen zu erkennen.

    Das gilt übrigens auch für das Wirtschaftsleben. Immobilienmakler setzen verstärkt soziale Medien und Virtual Reality (VR) ein, um ihre Objekte zu vermarkten. Der Absatz von 3D-Kameras ist spürbar gestiegen.

    Industriebetriebe nutzen noch öfter 3D-Drucker, um ihre Wertschöpfungsketten neu zu ordnen. Unternehmen entdecken, dass Homeoffice nicht nur eine organisatorische Last sein muss, sondern für Mitarbeiter auch einen Zugewinn an Freiheit bedeuten kann, der die Effizienz steigert und nebenbei den künftigen Bedarf an Büroflächen verringern könnte.

    Balance digitaler und realer Welt

    Vieles von dem, was wir im Moment ausprobieren, sind Provisorien und Experimente. Nicht alles ist sinnvoll und wird deshalb nach Ende der Pandemie alten Gewohnheiten oder besseren Erkenntnissen zum Opfer fallen. Insbesondere aus den negativen psychologischen und sozialen Auswirkungen von Homeoffice und Homelearning müssen wir lernen, die richtige Balance zwischen digitaler und realer Welt zu finden.

    Aber gerade das Learning by Doing ist das herausragende Merkmal einer Welt im Ausnahmezustand. Statt teure Berater einzukaufen, probieren viele Firmen und Behörden in der Not einfach neue Dinge aus. Und sie scheuen sich nicht, es wieder rückgängig zu machen, sollte mal etwas danebengehen.

    Bemerkenswert ist auch, wie die Krise Unternehmen und Regierungen zusammenrücken lässt. Große Pharmakonzerne wie Roche, Sanofi und Johnson & Johnson arbeiten bei der Suche nach Medikamenten und Impfstoffen gegen das Virus zusammen. Technologiefirmen wie IBM bieten ihre „computing power“ an, um die riesigen Datenmengen der Pharmaforscher schnellstmöglich zu verarbeiten. Die Erzrivalen Google und Apple kooperieren, um dem Virus auf die Spur zu kommen.

    Selbst Regierungen scheuen sich nicht, einen Blick ins Heft des Nachbarlandes zu werfen, um daraus zu lernen. Der liberale Lockdown in Schweden, die Immunitätspässe in Chile, die Antikörpertests in Deutschland, Großbritannien und Italien – all das wird in anderen Ländern aufmerksam registriert und im Sinne der „Best practice“-Methode geprüft.

    Notlagen sind immer auch Experimentierphasen. Wir sollten aus der Corona-Pandemie das Beste machen und auch diese Krise nicht ungenutzt verstreichen lassen.
    Mehr: Am Donnerstag beraten Kanzlerin und Ministerpräsidenten über Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Über größere Schritte kann allerdings frühestens ab Mai geredet werden.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Wir können aus der Coronakrise lernen – auch die Balance zwischen digitaler und realer Welt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Konzerne, die sie aufführen (Große Pharmakonzerne wie Roche, Sanofi und Johnson & Johnson, Technologiefirmen ...) sind DIE Gewinner der Krise. Die sehen in der Epidemie DIE Chance zu ungeheurem Verdiensten & Machtzuwachs. Dann läßt es sich wohlgemut "zusammenarbeiten" ...

      Und wenn Google und Apple mal zusamen arbeiten, so what ? - Unternehmensabsprachen hat es immer gegeben.

      Und Herr Spahn will Ihnen gerade aufzwingen, dass Sie die Rechte für ihre Software lockern und ihm die Möglichkeit geben, Nutzerdaten, die bislang ihnen vorbehalten waren, auch ihm zu geben zwecks zentraler Speicherung unserer Gesundheits- und Bewegungsdaten in seinem Ministerium oder bei einem Instituit, das ihm unterstellt ist und das er wesentlich mit finanhziert (von unseren Steuergeldern, versteht sich) ...

      Seine Frage, ob die Menschen lieber seinem Ministerium oder lieber Apple & Google trauen, ist heuchlerisch: die die beiden haben so oder so Zugriff auf unsere Daten, wenn sie (oder die Geheimdienste der USA) es wollen.

      Europa hat halt komplett verschlafen, eigene digitale Alternativen zu schaffen !!!

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