Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Wirecard, Grenke, Nikola: Glaubwürdigkeit muss man sich verdienen

Auch wenn Attacken von Shortsellern auf Firmen wie Nikola und Grenke fragwürdig sind: Die beste Reaktion darauf ist maximale Transparenz.
24.09.2020 - 15:55 Uhr Kommentieren
Shootingstar Nikola ist nach Vorwürfen eines Shortsellers an der Börse dramatisch abgestürzt. Gründer Trevor Milton hat seinen Posten als CEO geräumt. Quelle: Reuters
Der Gründer von Nikola, Trevor Milton

Shootingstar Nikola ist nach Vorwürfen eines Shortsellers an der Börse dramatisch abgestürzt. Gründer Trevor Milton hat seinen Posten als CEO geräumt.

(Foto: Reuters)

Vor einem Monat hatten die beiden Firmen Nikola und Grenke Leasing noch kaum etwas gemein. Das eine Unternehmen hat seinen Sitz in den USA, das andere im deutschen Baden-Baden. Nikola will mit Wasserstofftrucks den Lkw-Markt aufmischen, Grenke Leasing ist ein Finanzdienstleister, der auf die Vermietung von IT-Ausrüstung und Büroausstattung spezialisiert ist. Das US-Unternehmen wurde erst vor sechs Jahren gegründet, Grenke Leasing schon 1978.

Inzwischen stehen beide Unternehmen aber ungewollt im Rampenlicht. Sowohl Nikola als auch Grenke Leasing sind mit Betrugsvorwürfen konfrontiert. Und in beiden Fällen waren es Shortseller, die die Vorwürfe erhoben haben, Investoren also, die auf den Verfall des Aktienkurses spekulieren. Sowohl bei Nikola als auch bei Grenke Leasing sind die Aktien in schwere Turbulenzen geraten.

In beiden Fällen muss die Unschuldsvermutung gelten – dieser Eckpfeiler unseres Rechtssystem muss auch in Wirtschaftsfragen unverrückbar sein. Trotzdem haben Unternehmen eine hohe Bringschuld in Sachen Glaubwürdigkeit. Das gilt umso mehr, wenn sie an der Börse notiert sind. Und noch mehr gilt dies für Newcomer wie Nikola, die bislang noch keine belastbaren Geschäftszahlen vorlegen können.

Auf den ersten Blick muss man sich wundern, wie heftig die Märkte auf Vorwürfe von Shortsellern reagieren. In beiden Fällen war es jeweils nur eine Analyse eines Shortsellers, die heftigste Reaktionen an den Aktienmärkten verursachte.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Bei Grenke Leasing hat das Analysehaus des britischen Spekulanten und Leerverkäufers Fraser Perring dem deutschen Finanzdienstleister in einem Bericht Bilanzbetrug, Geldwäsche und Täuschung vorgeworfen. Bei Nikola war es der Leerverkäufer Hindenburg, der die Turbulenzen auslöste.

    Shortseller haben kein hehres Interesse an Aufklärung

    In einer Analyse warf er dem Unternehmen, das Lkws mit Batterie- und Brennstoffzellenantrieb herstellen will, und dessen Gründer Trevor Milton vor, Investoren getäuscht und gar keine eigene Technologie entwickelt zu haben.

    Grundsätzlich sind solche Berichte mit Vorsicht zu genießen – und die drastische Reaktion der Märkte ist infrage zu stellen. Shortseller haben kein hehres Interesse an Aufklärung, sondern an handfesten Gewinnen. Sie verdienen an einem Kursabsturz, den sie mit solch einer Analyse auslösen.

    Aber nicht zuletzt der Fall Wirecard, an dessen Anfang auch Vorwürfe von Shortsellern standen und in dem jetzt wegen gewaltiger Bilanzbetrügereien ermittelt wird, hat die Anleger nervös gemacht und die Glaubwürdigkeit von Leerverkäufern gestärkt.

    Umso mehr müssen Unternehmen Gewinne, Umsätze und Aufträge transparent kommunizieren, aber auch über die Werthaltigkeit von Technologien und Prognosen aufklären. Das gilt umso mehr für Unternehmen, deren Geschäftsmodell bislang nur ein Versprechen auf einen lukrativen Markt ist. Letztlich leben sie an der Börse von Vorschusslorbeeren. Im Fall Nikola sind diese gewaltig. Rund 30 Milliarden Dollar war das Unternehmen zwischenzeitlich wert.

    Tesla muss auch regelmäßig liefern

    Der Bau von Lkws, die mit Batterien oder per Wasserstoff angetrieben werden, erscheint mit Blick auf den globalen Kampf um das Klima überzeugend und zukunftsträchtig. Ein Unternehmen wie Nikola muss in der Öffentlichkeit aber auch stets nachweisen, dass es in der Lage ist, die Zukunftserwartungen zu erfüllen und Herausforderungen bei Technologie und Produktion zu meistern. Diesen Nachweis hat Nikola bislang nicht ausreichend erbracht – und sich damit anfällig für solch eine Attacke gemacht.

    Wie wichtig es ist, Glaubwürdigkeit stets zu verdienen, weiß der Börsenstar schlechthin: Elon Musk mit Tesla. Kein Unternehmen wurde über Jahre von den Aktionären mit so vielen Vorschusslorbeeren bedacht, ohne dass auch nur ansatzweise dazu passende Absatz-, Umsatz- oder gar Gewinnzahlen vorgelegen hätten. Aber Musk hat regelmäßig bewiesen, dass sein Geschäftsmodell mehr als eine Vision ist. Er hat nach und nach Modelle auf den Markt gebracht, bahnbrechende Technologien präsentiert und inzwischen auch substanzielle Produktionskapazitäten aufgebaut.

    Hätte Musk nicht regelmäßig geliefert, wäre auch die Tesla-Aktie dramatisch abgestürzt. Noch heute halten Anleger die forschen Ankündigungen und die tatsächlich erreichten Fortschritte kritisch gegeneinander, wie in dieser Woche beim „Battery Day“, von dem sie sich mehr versprochen hatten. Prompt verlor die Aktie deutlich an Wert.

    Die Macht von Shortsellern hat ein kritisches Ausmaß erreicht, aber letztlich ist es an den Unternehmen, Zweifel und Vorwürfe im Keim zu ersticken. Grenke Leasing und Nikola reagieren jetzt mit Wechseln im Management, Sonderprüfungen, und sie versprechen Aufklärung. Doch um solche Turbulenzen zu vermeiden, muss Transparenz vorher bereits absolute Priorität haben. Mit dem Vertrauensvorschuss an der Börse gilt es verantwortungsvoll umzugehen.

    Mehr: Ein GM-Veteran soll bei Nikola die Zweifel ausräumen

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Wirecard, Grenke, Nikola: Glaubwürdigkeit muss man sich verdienen
    0 Kommentare zu "Kommentar: Wirecard, Grenke, Nikola: Glaubwürdigkeit muss man sich verdienen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%