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Kommentar Wirecard: Verweigerung als Mittel zur Aufklärung

Der Auftritt von Wirecards Ex-Chef Markus Braun vor dem Untersuchungsausschuss sagt mehr über das System Wirecard aus als die fehlenden Worte.
20.11.2020 - 13:36 Uhr Kommentieren
Markus Braun (mit dem Rücken zur Kamera) hat an seinem Verhalten, das er einst als Dax-Chef an den Tag gelegt hat, nichts geändert. Quelle: AFP
Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal

Markus Braun (mit dem Rücken zur Kamera) hat an seinem Verhalten, das er einst als Dax-Chef an den Tag gelegt hat, nichts geändert.

(Foto: AFP)

Der erste Blick galt der Optik. Schmaler war Markus Braun geworden und die Haare länger, als er am Donnerstag dem Untersuchungsausschuss des Bundestages erstmals erläutern sollte, wie es aus seiner Sicht zu einem der größten Wirtschaftsskandale gekommen ist, den es in Deutschland jemals gegeben hat.

An dem Verhalten, das er einst als Dax-Chef an den Tag gelegt hat, hatte sich nichts geändert. Mit einer offen zur Schau gestellten Verweigerungshaltung, stets zwischen Hybris, Lustlosigkeit und dem Wissen, damit juristisch im Recht zu sein, trieb er den Abgeordneten die Zornesröte ins Gesicht.

In ihren Stellungnahmen machten sie anschließend kein Hehl daraus, was sie von diesem Auftritt hielten. Braun hat ein vorgefertigtes Statement verlesen und anschließend gelegentlich mit dünnen Sätzen geantwortet. Gesagt hat er nichts, was zu neuen Erkenntnissen im Ausschuss hätte beitragen können.

Trotzdem sagt Brauns Auftritt mehr über das System Wirecard als die fehlenden Worte. Braun führte den insolventen Zahlungsdienstleister wie ein Patriarch ein Traditionshaus. Es herrschte das System Braun. Die Führung war streng hierarchisch auf ihn zugeschnitten, eine Aufsicht, Gegenrede oder ein Korrektiv so gut wie nicht vorhanden. Eine One-Man-Show, die sich aus Geld- und Geltungsgründen in die Gestalt eines Dax-Konzerns verirrt hatte.

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    Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard AG in einem Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist, sagte Braun in einer eilig aufgenommenen Videobotschaft am Tag des Wirecard-Zusammenbruchs vor fünf Monaten. Die Opferrolle nimmt er jetzt noch ein. Sowohl in seinem Auftritt im Untersuchungsausschuss als auch bei den zahlreichen Vernehmungen durch die Münchener Staatsanwaltschaft. So jedenfalls ist es aus deren Umfeld zu hören.

    Weiter in der Opferrolle

    Die Fronten für die Ermittler in der Justiz und in der Politik sind somit klar ersichtlich: Auf der einen Seite zeigen sich der ehemalige Dubai-Statthalter Oliver B. und Chefbuchhalter Stephan von Erffa kooperationsbereit. Das signalisierten sie auch am Donnerstag. Bei Markus Braun dagegen spricht derzeit nichts dafür, dass er von seiner bisherigen Strategie abrückt.

    Vor einem Jahr feierte Markus Braun seinen 50. Geburtstag, er war Dax-Chef, Milliardär und hatte in Deutschland und Österreich Kontakte nach ganz oben in die Politik. Seinen 51. Geburtstag beging er vor zwei Wochen in einer Zelle in der JVA Gablingen nördlich von Augsburg.

    Seit Monaten steht er im Verdacht, in einem der größten deutschen Wirtschaftsskandale die maßgebliche Person gewesen zu sein. Nie gab es hierzulande einen krasseren Absturz.

    Braun mache noch immer das, was er als Chef gemacht habe, sagte einer der Abgeordneten Donnerstagnacht nach der 13-stündigen Sitzung des Untersuchungsausschusses. Er sollte endlich erkennen, dass die Strategie des geschädigten Opfers bisher auf Justiz und Politik wenig glaubhaft wirkt. Die Beweise dafür, wie es zum Wirecard-Skandal kommen konnte, müssen die Ermittler nun in viel Kleinarbeit aus belastbaren Zeugenaussagen zusammentragen.

    Mehr: Premiere im Wirecard-Skandal: Kronzeuge entschuldigt sich bei Aktionären für „Desaster“

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