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Kommentar Wirtschaftliche Folgen einer Epidemie bekämpft man nicht mit Konjunkturhilfen

Gebiete, die besonders vom Coronavirus betroffen sind, müssen jede erdenkliche Hilfe erhalten. Dafür darf man nicht allein auf den Markt vertrauen.
03.03.2020 - 18:30 Uhr 2 Kommentare
Ein Konjunkturprogramm reicht zur Krisenbewältigung nicht aus. Quelle: dpa
Coronavirus

Ein Konjunkturprogramm reicht zur Krisenbewältigung nicht aus.

(Foto: dpa)

Die Coronavirus-Epidemie stellt die Wirtschaftspolitiker vor Herausforderungen, für die sie kaum Erfahrungswerte haben. Die Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahrzehnte waren in aller Regel zunächst entweder Nachfragekrisen oder – häufiger – Finanzkrisen. Bei den Auswirkungen der Virus-Epidemie auf die Wirtschaft droht dagegen in erster Linie ein Angebotsschock, das Nachfrageproblem ist eher nachgelagert.

Angebotsschock bedeutet, dass die Unternehmen an der Produktion gehindert sind – sei es, weil Arbeitnehmer oder der ganze Betrieb unter Quarantäne stehen oder weil Zulieferungen durch Produktionsstilllegungen andernorts ausbleiben. Daraus kann dann schnell sowohl eine Finanzkrise als auch eine Nachfragekrise werden.

Um das zu verhindern, sind Maßnahmen zur Bewältigung des Angebotsschocks gefragt, nicht keynesianische Standardprogramme zur Nachfragebelebung.

Dass Finanzminister Olaf Scholz betont, man könne wenn nötig jederzeit ein Konjunkturprogramm auflegen, ist hilfreich. Aber zur Krisenbewältigung reicht es bei Weitem nicht aus. Der Nachfrageausfall, dadurch, dass in China im Februar kaum Autos und andere deutsche Exportartikel gekauft wurden, ist ein vorübergehendes Problem. Es ist auf wenige Branchen und Unternehmen konzentriert und deshalb kein Fall für ein allgemeines Programm zur Nachfragestimulierung.

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    Problematischer ist die Angebotsseite. Zwar scheint der Höhepunkt der Produktions- und Nachfrageausfälle in China überschritten. Die Fabriken dort nehmen ihre Arbeit wieder auf, das öffentliche Leben normalisiert sich.

    Ausbleibende Lieferungen von Vorprodukten aus China können wegen des langen Seewegs aber noch zu einem Problem werden. Hinzu kommt, dass es auch Norditalien schwer getroffen hat, von wo viele deutsche Produzenten Vorprodukte beziehen.

    Wenn die Unternehmen nicht produzieren können, verdienen sie kein Geld. Das Gleiche gilt für Gaststätten, Einzelhändler, Reiseveranstalter, Hotels und Fluggesellschaften, wenn die Menschen aus Ansteckungsfurcht zu Hause bleiben. Wer mit viel Fremdkapital arbeitet, was die meisten tun, kann dadurch schnell in finanzielle Schwierigkeiten kommen.

    Möglicherweise streichen Banken vorauseilend die Kreditlinien, mit denen die Unternehmen normalerweise auslaufende Kredite durch neue ersetzen, nur weil sie fürchten, das Unternehmen könnte pleitegehen und die Kredite nicht zurückzahlen.

    Die Notenbank kann zwar den großen Unternehmen, die sich über Anleihen finanzieren, helfen, indem sie deren Anleihen kauft. Der großen Mehrheit der Firmen, die sich mit Bankkrediten finanzieren, hilft das aber nicht. Auch eine Leitzinssenkung würde ihnen kaum nutzen.

    Vordringlich ist deshalb, dass die Regierung ein Programm vorbereitet, mit dem sie dafür sorgt, dass an sich solide Unternehmen, deren Umsätze durch die Epidemie einbrechen, deswegen nicht pleitegehen.

    Virusbekämpfung statt Konjunkturprogramm

    Die italienische Regierung hat in diesem Sinne bereits angekündigt, dass Unternehmen, deren Umsatz um mindestens 25 Prozent abgesackt ist, Steuergutschriften bekommen sollen. Schnell und unbürokratisch ausgezahlte staatliche Überbrückungskredite für solche Fälle, etwa über die Förderbank KfW, sollten das ergänzen.

    Ein Scheck von der Regierung für alle Bürger wie in Hongkong oder allgemeine Steuererleichterungen wie bei uns verschiedentlich gefordert sind dagegen viel zu wenig zielgenau, um den besonders betroffenen Unternehmen und ihren Mitarbeitern zu helfen.

    Unternehmen, die nicht produzieren, haben auch keine Arbeit für ihre Beschäftigten und können deren Löhne nicht mehr ohne Weiteres bezahlen. Arbeitnehmer, die keine Arbeit haben und keinen Lohn bekommen, können sich weniger kaufen, was zu Nachfrageausfall führt.

    Dagegen gilt es zunächst einmal direkt vorzugehen mit den erwähnten Liquiditätshilfen für betroffene Unternehmen und mit großzügigen Regelungen für Voraussetzungen, Dauer und Höhe des Kurzarbeitergelds, wie sie auch während der letzten großen Finanzkrise beschlossen wurden.

    Vor allem geht es bei der Krisenvermeidung aber darum, dass der Staat alles Nötige tut, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die angemessene Behandlung der Infizierten sicherzustellen. All das Geld, das dafür ausgegeben wird, ist gut ausgegeben, besser als für jedes Konjunkturprogramm.

    Die besonders betroffenen Gemeinden und Kreise müssen jede erdenkliche Hilfe erhalten. Es muss – auch mit unkonventionellen Maßnahmen – sichergestellt werden, dass medizinisches Personal und Medizinprodukte dort zur Verfügung stehen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Das kann und darf man in Zeiten des Gesundheitsnotstands nicht den Markt regeln lassen.

    Mehr: Die US-Notenbank senkt überraschend den Leitzins wegen des Coronavirus.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Wirtschaftliche Folgen einer Epidemie bekämpft man nicht mit Konjunkturhilfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • - Nachtrag -

      Herr Häring, natürlich haben Sie damit recht, dass wir aktuell einen Angebotsschock haben - und daher bringen auch Zinssenkungen nichts - wie man ja gestern bei der Panik-Zinssenkung der Fed schön sehen konnte.
      Sie sind ohnehin der beste Journalist beim HB, aber schauen Sie sich als Keynesianer auch einmal die Austrians an - und vielleicht kommen Sie dann auch zu einem anderen Urteil bezüglich der Entstehung fast aller Wirtschaftskrisen.
      Die Austrians sind nüchtern und realistisch genug um festzustellen, dass es noch weit übler kommen kann, als man es in seinen Büchern beschreibt. Und tatsächlich habe ich auf eine solche Meldung nur gewartet:
      https://www.zerohedge.com/markets/who-warns-dirty-banknotes-may-be-spreading-virus-worldwide
      Wann werden Menschen am ehesten Orwell´sches "Schönes neues Geld" akzeptieren, Herr Häring? ;-)
      Bargeld als quasi letztes INHABERPAPIER ist dem Überwachungsstaat im Wege. Sie als Keynesianer glauben an den "guten Staat", der mit seinen Interventionen nur "das Beste" will, wenn der Markt versagt.
      Aber wozu, glauben Sie, wird der Staat fähig sein, wenn vielmehr er selber versagt??
      Digitales Zentralbankgeld, schön modisch auf "Wallets" geschickt, aber selbstverständlich nicht mehr anonym? ;-)
      Schreiben Sie eine Fortsetzung Ihres Buches, und ich werde der erste Leser sein...

    • "Die Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahrzehnte waren in aller Regel zunächst entweder Nachfragekrisen oder – häufiger – Finanzkrisen."


      Leider sind Sie ein Keynesianer, Herr Häring. ;-)
      Keynesianer haben sich nie darum gekümmert, was etwa dem Börsencrash von 1929 vorausgegangen(!!) war. Ohne (künstlichen) Boom kein Bust. Sie kennen natürlich den Disput zwischen Keynes und Hayek. Warum "gewann" Keynes bei den Politikern? Lassen Sie es sich von einem Hayek-Schüler nochmal sagen:
      "Die permanente Aufschuldung ist auch eine Folge der "Keynesianischen Perversion". Hierbei handelt es sich um die ökonomischen Irrlehren, die der englische Ökonom Lord Keynes ab 1935 verbreitet hat und die von den politischen Eliten begierig aufgenommen wurden. Sie konnten damit nämlich ihren - allen Gesetzen der Ökonomie zuwiderlaufenden - Aktivitäten eine (schein-) wissenschaftliche Legitimation verleihen. Kern dieser VoodooÖkonomie ist die weitverbreitete Illusion, der Staat könne (und solle) mittels Geld-, Zins- und Fiskalpolitik die Konjunktur steuern, das Wirtschaftswachstum anregen und der Arbeitslosigkeit entgegenwirken."
      http://forum.finanzen.at/forum/Staatsbankrott_und_Konkursverschleppung-t250965

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