Kommentar Womit Oettinger mit Blick auf Eon und RWE recht hat

EU-Kommissar Günther Oettinger macht gerne Schlagzeilen und provoziert. Das ist ihm mit dem Vorschlag einer Fusion der Energieriesen Eon und RWE mal wieder gelungen. Der Vorstoß ist aber nicht in jeder Hinsicht absurd.
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Jürgen Großmann: Für den RWE-Chef (im Bild) müssen Oettingers Vorschläge wie Hohn klingen. Quelle: dpa

Jürgen Großmann: Für den RWE-Chef (im Bild) müssen Oettingers Vorschläge wie Hohn klingen.

(Foto: dpa)

EU-Kommissar Günther Oettinger sendet gerne Signale in seinen Heimatmarkt. Jüngst verärgerte er die deutsche Politik mit seiner Forderung Europa brauche viele neue Kernkraftwerke. Jetzt hielt er Eon-Chef Johannes Teyssen und RWE-Chef Jürgen Großmann vor, sie spielten nur in der Regionalliga und ihre Konzerne sollten doch fusionieren.

Der Vorschlag ist aus kartellrechtlichen Gründen völlig abwegig und muss für Teyssen und Großmann wie purer Hohn klingen. In den vergangenen Jahren setzten die Politik und die Wettbewerbshüter alles daran, die Marktmacht der großen deutschen Energiekonzerne zu beschneiden. Das Bundeskartellamt erlaubt den Konzernen nicht mal den Einstieg bei größeren Stadtwerken. Eon hat wegen der Gängelei bewusst seine Stadtwerke-Holding Thüga verkauft. Den Atomausstieg verstehen viele Politiker bewusst auch als Maßnahme, um die Marktmacht von Eon und RWE in der Stromproduktion zu brechen.

Aber auch die EU-Kommission, für die Oettinger steht, hat diese Politik verfolgt. Sie drängte auf einen Verkauf der Netze und zwang Eon zur Abgabe von Kraftwerken.

Teyssen und Großmann können sich durch Oettingers Forderung aber auch bestätigt fühlen. Seit Jahren fordern sie, dass Deutschland auch große Konzerne braucht, um im Wettbewerb mit den Energieriesen wie Gazprom und im Wettlauf der Ressourcen zu bestehen. Die Franzosen haben schließlich bewusst daran gearbeitet mit EDF und GDF Suez zwei internationale Schwergewichte aufzubauen.

Insofern spricht Oettinger auch einen interessanten Punkt an. Eine Fusion von Eon und RWE wird Oettinger nicht bewirken. Aber die Politik, die großen Konzerne zu zerschlagen, ist auch nicht sinnvoll. Gerade Deutschland braucht mit der Energiewende die Finanzkraft der Großen.

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9 Kommentare zu "Kommentar: Womit Oettinger mit Blick auf Eon und RWE recht hat"

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  • Ich kann Ihr Fazit nicht nachvollziehen. Eine zentrale Erkenntnis aus der Krise nach der Lehman-Pleite ist, wie gefährlich in Krisenzeiten große Konzerne für die Stabilität ganzer Volkswirtschaften werden können.

    Genau deswegen gibt es seitdem die "Too big to fail"-Debatte.

    Mehr noch haben Wissenschaftler der ETH in Zürich in einer Analyse der Verflechtung multinationaler Konzerne nachweisen können, dass die weltweit 43.060 multinationalen Konzerne stark miteinander verflochten sind, was einerseits eine hohe Gefahr für die Stabilität der globalen Wirtschaft unterstreicht, andererseits Fragen hinsichtlich der Beschränkung des Wettbewerbs aufwirft. (siehe: http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1107/1107.5728v2.pdf)

    Bear Stearns, Lehman Borthers und auch Merrill Lynch gehörten zu den einflussreichsten 1.318 Konzernen dieses globalen Netzes. Als sie in Schwierigkeiten gerieten, hatte das die bekannten Konsequenzen für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft.

    Vor diesem Hintergrund kann keinesfalls mehr die Rede davon sein, die Formung von "National Champions", so wie sie im Rahmen der klassischen Industriepolitik in den letzten 20 Jahren betrieben wurde, sei sinnvoll. Im gegenteil ist es genau diese Politik, die mitverantwortlich für die Probleme ist, mit denen wir seit Ausbruch der Finanzmarktkrise konfrontiert sind. Sie ist falsch und muss geändert werden.

    Freundliche Grüße
    Stefan L. Eichner

  • Gut erkannt, Herr Fricke. Nicht von ungefähr ist die mögliche Verstaatlichung privater Unternehmen, die relevante Monopolstellungen inne haben, in der NRW-Landesverfassung verankert. Die Energie gehört nicht in Privathände, genau so wenig wie Bildung, Verteidigung und Gesundheit. Dezentrale grüne Energie in kommunalen Händen ist der einzige Weg.

    Demokrit
    ClubderDenker

  • Oettinger strebt einen neuen Job in der freien Wirtschaft an, ohne jedoch eine Rückkehr in die Landespolitik völlig auszucshließen. "Meine Lebensplanung sieht vor, dass ich meinen Job in Brüssel ordentlich mache - also noch drei Jahre. Dann strebe ich außerhalb der Politik eine weitere Aufgabe an", soll Oettinger in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart gesagt haben. Da darf auch mal geträumt werden, wo man eine neue Aufgabe gern finden würde.

  • .
    11.12.2011, 16:03 Uhr

    Quelle: Dummschule.Deutschland


    Oder sollte man das doch wieder unter staatliche Obhut stellen ?
    Dann würden natürlich einige wieder bei RWE und EON Grund zum Jubeln habeln.

    Grund zum Jubeln ?
    bei dieser These, die einen immigrierten Hauptschüler nötig machte wäre ich aber ganz leise.
    -----------------------------------------------------------------------------------------

    .
    10.01.2012, 01:46 Uhr

    Quelle: Handelsblatt


    Oettinger regt Fusion von RWE und Eon an





    Was würdet ihr blos machen, wenn ihr mich nicht hättet?
    .

  • Wenn ein Schreiberling wie Herr Flauger den Versuch der Kartellbehörden, einen Restwettbewerb am Strommarkt zu erhalten, als "Gängelei" bezeichnet, sind alle Fragen über die noch verbliebene Restsubstanz des Handelsbättchens endgültig beantwortet.

  • Hoffen wir,dass wir als Verbraucher die Konzerne gesundschrumpfen können,bevor sie sich in noch größere Monster verwandeln und der Politik gänzlich das Heft aus der Hand nehmen und die Welt nach ihren Bedürfnissen gestalten,denn ihre Interessen sind alles andere als freundlich.

  • Selbst Schuld wenn man Oettinger ernst nimmt.Fettnäpfchen pflastern seinen Weg.Ware nicht zu tragisch wenn es nur Missgeschicke wären,aber meistens sind es Äußerungen,die tief blicken lassen,mit welch verquerer Weltsicht man in der Politik so weit kommen kann.Gut man hat hin nach brüssel entsorgt,aber ob er da wirklich keinen Schaden mehr anrichten kann,ist fraglich.

  • Her Oettinger hat recht, wenn man einen starken Energelieferanten in Deutschland sehen will. Die vergangenen Jahre haben jedoch klar gezeigt, dass man das politischerseits nicht will. Auch in der Bevölkerung scheinen starke deutsche Energieliefarnetn nicht beliebt. Das ist zwar aus nationaler Sicht nicht nachvollziehbar, aber nicht mehr aufzuhalten. Wir sollten uns auf russische, französische und norwegische Abhängigkeiten einstellen, vielleicht lässt sich ja damit auch ganz gut leben. Die Gewinne werden dann woanders gemacht.

  • Es kann wohl nicht Aufgabe des EU- Energiekomissars sein, die Gründung eines auf dem deutschen Markt marktbeherrschenden Energiekonzerns (national player) anzuregen, durch welchen der rudimentäre Wettbewerb zwischen E.ON und RWE auch noch verlorengeht. Stadtwerke hätten gegen einen solchen Superkonzern noch geringere Chancen als bisher schon.

    Man würde den nächsten systemrelevanten Versorger heranzüchten, den der Staat im Zweifel stützen müsste.

    Zitat:
    "Will Deutschland in der Weltliga mitspielen, die von Konzernen wie Exxon, Chevron oder Gazprom dominiert wird, brauchen wir einen nationalen Player von entsprechender Größe."


    Deutschland selbst kann - anders als Russland - schon deshalb in keiner Weltliga mitspielen, weil es in Deutschland keine staatlichen Energiekonzerne hat, wenn man von der teilverstaatlichten EnBW mal absieht.

    Wir brauchen eine sichere, effiziente und wettbewerblich geprägte Versorgung mit Elektrizität und Gas in Deutschland und keinen Superkonzern, der sich in internationalen Abenteuern verausgabt.

    Bisher haben die Aktivitäten von RWE und E.ON im Ausland vor allem zu milliardenschwerem Abschreibungsbedarf bei den Konzernen geführt.

    Oettingers Vorschlag klingt auch deshalb absurd, weil die internationalen Konzerne, die genannt werden , über Ressoucen an fossilen Brennstoffen (namentlich Erdöl und Erdgas) verfügen.

    Schon die Fusion von E.ON und Ruhrgas unter dem Gesichtspunkt national player führte nicht zu besseren Ergebnissen, sondern nunmehr sogar zur Zerschlagung der Ruhrgas.

    Bei einer angestrebten zunehmend dezentralen Stromerzeugung auf der Basis erneuerbarer Energien in Deutschland werden solche Konzerne wohl eine immer geringere Rolle spielen.

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