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Kommentar Zeit für einen Neustart bei Betriebsschließungspolicen

Viele Gastwirte kämpfen mit der Versicherungsbranche um Entschädigungen. Die Prozesse um die Haftung bei Betriebsschließungen legen Versäumnisse der Versicherer offen.
18.11.2020 - 08:08 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise trifft viele Gaststätten massiv. Umso erbitterter ist der Streit mit den Versicherern um die finanziellen Folgen. Quelle: dpa
Restaurants in der Krise

Die Coronakrise trifft viele Gaststätten massiv. Umso erbitterter ist der Streit mit den Versicherern um die finanziellen Folgen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist eine Klagewelle, die ihresgleichen sucht. Allein 130 Gastwirte haben den Münchener Versicherer Allianz in Deutschland inzwischen vor Gericht gezerrt. Anfang dieser Woche fand die nächste mündliche Verhandlung gegen den Dax-30-Konzern statt. Es geht dabei stets um die Frage, ob die Versicherung aufgrund einer Betriebsschließungspolice wegen Corona zu Schadensersatz für die finanziellen Einbußen verpflichtet ist.

Noch hat sich keine einheitliche Rechtsprechung durchgesetzt. Doch schon jetzt ist klar, dass das Kuddelmuddel kein Ruhmesblatt für die Branche ist. Es legt einen grundsätzlichen Mangel offen – der schnellstmöglich beseitigt werden sollte.

Denn allein die Vielzahl der jetzt angestrengten Verfahren zeigt einen Geburtsfehler der Betriebsschließungspolicen auf. Jeder Versicherer hat andere Vertragsklauseln formuliert, viele Bedingungen sind unklar formuliert, und die Kommunikation gegenüber den Gastwirten und Kleinbetrieben war lange lausig.

Erst jetzt hat der Branchenverband GDV damit begonnen, einheitliche Musterbedingungen für die Policen zu entwickeln, und die Versicherer verhandeln die Verträge neu. Dass dies jetzt geschieht, zeigt aber, dass es vorher Versäumnisse gab.

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    Klare, verständliche Bedingungen sind eine Bringschuld der Branche. Natürlich waren die Policen bisher ein Nebenprodukt, deren Prämieneinnahmen branchenweit sich auf lediglich 25 Millionen Euro addierten. So hat sich wohl niemand bei den Assekuranzen allzu viele Gedanken darüber gemacht – bis Corona kam.

    Die Schäden können die Prämieneinnahmen nun um ein Vielfaches übersteigen. Rund 73.000 Gastronomen besitzen in Deutschland eine Betriebsschließungsversicherung. Zwar ist es richtig, wenn die Branche darauf hinweist, dass bei so niedrigen Prämien niemand glauben konnte, dass er einen kompletten Pandemieschutz erhält. Aber es wäre Sache der Versicherer gewesen, jede Unklarheit zu beseitigen.

    Was also tun? So schnell wie möglich sollte die Branche einen Neustart bei den Betriebsschließungspolicen einleiten. Das hilft nicht nur, das ramponierte Image wieder etwas aufzupolieren – es könnte sich auch ökonomisch auszahlen. Denn angesichts der Coronakrise dürften viele Zehntausende Kleinbetriebe grundsätzlich großes Interesse an einer Assekuranz zeigen, die jetzt schnell eine transparente Police auf den Markt bringt.

    Enttäuschte und verbitterte Kunden sind dagegen für lange Zeit verloren. Der Umgang mit den Streitigkeiten kann also auch ein Fingerzeig sein, ob bestimmte Branchen für die Versicherer künftig noch zu erreichen sind. „Lieber Geld verlieren als Vertrauen“, lautete der unternehmerische Grundsatz von Robert Bosch. Es ist ein Motto, das gerade heute seinen Wert beweist.

    Mehr: Gezerre um Versicherungen für die Gastronomie – Hunderte von Corona-Prozessen stehen an

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