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Kommentar Zeitungen sind die neuesten Statussymbole der Milliardäre

Immer mehr Tech-Unternehmer kaufen sich renommierte Medientitel. Dahinter steckt auch der Wunsch, Agenda-Setting zu betreiben.
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Zusammen mit seiner Frau hat der Salesforce-Gründer das „Time Magazine“ gekauft. Quelle: Bloomberg
Marc Benioff

Zusammen mit seiner Frau hat der Salesforce-Gründer das „Time Magazine“ gekauft.

(Foto: Bloomberg)

Für Milliardäre, die ihren Markterfolg mit dem Glamour der besonderen Tat verschönern wollen, gibt es einige Möglichkeiten. Besonders hohe Türme, schnelle Jachten, ausladende Paläste oder große Privatjets haben im Trophy-Kapitalismus jedoch den Nachteil, dass diese Objekte der Umwelt als allzu protzig und abgehoben erscheinen könnten.

Um wie vieles edler – und womöglich auch sozioökonomisch interessanter – ist da doch der Kauf bekannter Zeitungen und Zeitschriften! Eine solche Akquisition sichert Aufmerksamkeit und allgemeines Wohlwollen, schließlich ist Presse auch Teil von Kultur. Der reiche Käufer will erkennbar der Gesellschaft etwas zurückgeben und verhindern, dass sie ihre Ikonen des Journalismus verliert.

Solche Gründe haben den Salesforce-Gründer Marc Benioff und seine Frau Lynne jetzt bewogen, das altehrwürdige Magazin „Time“ für 190 Millionen Dollar zu erwerben. Er habe nun einmal ein „beginner’s mind“, sagt Benioff zur Begründung. Er schaue auf die Welt mit dem frischen Blick eines Anfängers und nicht mit dem eines Experten. In einer Welt voller Algorithmen und Kapitalkennziffern sichert erst eine solche Verfügungsmacht über Kultur den richtigen Status.

Der Digitalkapitalist hinter „Time“ fügt sich ein in eine stattliche Reihe ganz ähnlicher Fälle. Amazon-Gründer Jeff Bezos leistet sich seit 2013 die „Washington Post“, die sich im Internet zu einer Größe entwickelt hat. Die „Los Angeles Times“ wiederum gehört nach turbulenten Jahren dem Pharmamilliardär Patrick Soon-Shiong.

Und natürlich sind da noch Michael Bloomberg, der sich die „Business Week“ kaufte, sowie Apple-Gründerwitwe Laurene Powell Jobs, die jüngst eine Mehrheit an „The Atlantic“ erwarb. In Frankreich wiederum haben sich Industrielle schon länger eigene Medien zugelegt, zum Beispiel Bernard Arnault („Le Parisien“, „Les Echos“) oder Xavier Niel („Le Monde“).

In all diesen Fällen geht es weniger um ein „Citizen Kane“-Phänomen, bei dem der Einzelne wie im Hollywood-Kintopp über eine eigene Presse in die Speichen der Geschichte zu greifen sucht. Die Zusammenhänge sind subtiler. Nicht Machtmissbrauch ist das Thema, sondern vielmehr die luzide Fähigkeit, bestimmte Themen zu forcieren, also Agenda-Setting zu betreiben. Politische Weisheit könnte da bedeuten, sich lieber nicht mit einem Bezos oder einem Benioff anzulegen.

Zumal die Neoverleger bei Bürgern und Journalisten durch ihr Engagement in „Old Media“ imagemäßig Pluspunkte gewinnen. Den neuen Presseinvestoren ergeht es so wie der „Time“-Gründerfigur Henry Luce, der einst Journalist geworden war, „um dem Herz der Welt so nahe wie möglich zu kommen“.

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