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Kommentar Zoom muss schleunigst an seinem Ruf arbeiten

Der Dienst hat seine Nutzerzahl von zehn auf 200 Millionen gesteigert. Dabei zeigt sich, dass Zoom für den Einsatz in Unternehmen nicht geeignet ist.
08.04.2020 - 04:04 Uhr Kommentieren
Die App hat erhebliche Schwächen bei der Absicherung der Kommunikation. Quelle: dpa
Zoom

Die App hat erhebliche Schwächen bei der Absicherung der Kommunikation.

(Foto: dpa)

Einige Wochen schien es so, als profitiere kaum ein Unternehmen so sehr von der Coronakrise wie Zoom. Seit sich immer mehr Menschen in aller Welt zu Hause isolieren, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, hat der Videokonferenzanbieter die Nutzerzahl von zehn auf 200 Millionen gesteigert. Der Aktienkurs ist dank dieser Entwicklung gegen den allgemeinen Trend stark gestiegen.

Doch dieser Boom könnte für Zoom zu einem Problem werden. Mit den vielen Nutzern kommt das Unternehmen zwar beeindruckend gut klar – der Dienst läuft sehr stabil –, nicht jedoch mit der vielen Aufmerksamkeit: Seit Wochen werden regelmäßig neue Sicherheitslücken und Datenschutzpannen bekannt. Unvermittelt steht das Internetunternehmen vor einer Bewährungsprobe. Wenn es nicht schleunigst an seinem Ruf arbeitet, wandert ein Teil der Kundschaft bald wieder ab.

Das Beispiel zeigt, dass sich das Geschäft mit Verbrauchern deutlich von dem mit Unternehmenskunden unterscheidet: Die einfache Bedienung ist im Smartphone-Zeitalter zwar wichtig, um Microsoft, Google oder Cisco herausfordern zu können, sie allein reicht aber nicht aus. Eine stabile IT-Sicherheit und verlässlicher Datenschutz sind unumgänglich, um mit staatlichen Behörden und internationalen Unternehmen zusammenarbeiten zu können – sobald es Zweifel gibt, nutzen die lieber die Lösungen der großen Konzerne.

Was Zoom im Zeitraffer lernt, sollte allen Start-ups als Lektion dienen. Dass so viele Menschen derzeit über Zoom in Verbindung bleiben, hat nachvollziehbare Gründe. Der Videokonferenzdienst ist beliebt, weil sich Gespräche mit wenigen Klicks organisieren lassen, und zwar in vielen Fällen kostenlos. Das nutzen Yogastudios und Gitarrenlehrer, deren Kunden wegbleiben müssen, genauso wie Industriebetriebe und IT-Dienstleister, die ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben. Trotz der großen Nachfrage kommt es dabei kaum zu Aussetzern.

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    Geschwindigkeit, Einfachheit, Belastbarkeit: Das sind die Stärken. Der genaue Blick offenbart jedoch etliche gravierende Schwächen, die Datenschutz und IT-Sicherheit betreffen. So erhebt Zoom umfangreiche personenbezogene Daten und gibt diese teilweise an diverse Dienstleister – was am Ende wo landet, kann ein Nutzer nur schwer nachvollziehen. Zeitweise leitet der Videodienst sogar ungefragt Informationen an Facebook weiter.

    Datenverkehr durch China

    Eine Dienstleistung gegen Daten: Was im Geschäft mit Verbrauchern nach dem Vorbild von Google und Facebook der Standard sein mag und von Kritikern als Grundlage der Überwachungsökonomie gesehen wird, funktioniert bei Unternehmenskunden nicht. Für sie sind die Informationen über Kunden und Produkte ein schützenswertes Gut, schon aus rechtlichen Gründen. Deswegen zahlen sie für ihre IT, oft üppige Summen.

    Damit nicht genug: Zoom hat erhebliche Schwächen bei der Absicherung der Kommunikation. In der Vergangenheit leitete das Unternehmen Datenverkehr durch China, was für Kunden wie die britische Regierung ein großes Problem sein dürfte. Und die Behauptung, dass die Verbindungen vollständig verschlüsselt seien, ließ sich bei genauerem Hinsehen nicht aufrechterhalten.

    Diese Enthüllungen zeigen, dass Zoom wichtige Prinzipien wie „Security by Design“ ignoriert, die IT-Sicherheit eine hohe Bedeutung einräumt. Der Kryptografie-Experte Bruce Schneier kanzelt die IT-Sicherheit gar als „im besten Fall schlampig und im schlimmsten Fall bösartig“ ab. Für viele Kunden dürfte das ein Warnzeichen sein.

    Das Management hat zwar auf die Vorwürfe zügig reagiert und viele dieser Probleme mittlerweile abgestellt. Doch der Ruf hat dabei mächtig gelitten. Die amerikanische Bundespolizei FBI warnt vor der Software, einige Schulbezirke verbieten ihren Einsatz mittlerweile vollständig. Nun reagiert auch die Politik in Deutschland. Wenn sich deswegen Firmenkunden abwenden sollten, steht die grandiose Wachstumsstory infrage.

    Nicht alle Probleme mögen gravierend sein. Wenn jedoch ein Unternehmen so regelmäßig gegen Sicherheitsgrundsätze verstößt und einen zweifelhaften Umgang mit dem Datenschutz zeigt, lässt das die interne Kultur schlecht dastehen. Offenbar hat das Management nicht den Unterschied zwischen Apps für Verbraucher und Produkten für Unternehmenskunden verstanden. Und offenbar hat Wachstum eine höhere Priorität als Sicherheit und Datenschutz.

    Die große Nutzerfreundlichkeit ist für Zoom essenziell. Wenn sie aber auf Kosten der Sicherheit geht, bedeutet sie keinen Vorteil mehr. CIOs und IT-Sicherheitsforscher werden daher aufmerksam beobachten, ob der Anbieter so schnell nachbessern kann, wie er verspricht. Im Zweifel entscheiden sie sich für Lösungen von Microsoft, Google oder Cisco, die ähnlich funktionieren. Kommerzielle europäische IT-Lösungen, die vergleichbar stabil und umfangreich sind, gibt auch in diesem Fall leider nicht.

    Mehr: „Für vertrauliche Inhalte gilt höchste Vorsicht“ – Politiker warnen vor Videodienst Zoom

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