Kommentar zu Trump und Bannon Der Patriarch schlägt zurück

Donald Trump bricht endgültig mit seinem früheren Spindoktor Steve Bannon. Das ist riskant – vor allem für ihn selbst. Denn jedes Mal, wenn er einen Vertrauten abserviert, wird er ein Stückchen unglaubwürdiger. Ein Kommentar.
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„Er hat den Verstand verloren“ – Harte Worte eines wütenden US-Präsidenten

Der frühere US-Präsident Lyndon B. Johnson soll einmal kurz davor gewesen sein, den damaligen FBI-Chef J. Edgar Hoover zu feuern. Er überlegte es sich dann doch anders, denn: „Es ist besser, er sitzt im Zelt und pinkelt raus, als dass er von draußen ins Zelt reinpinkelt“, so Johnson.

Das politische Pinkelprinzip lässt sich auch auf Donald Trump und Steve Bannon anwenden. Seitdem Trumps einstiger Top-Stratege seinen Job verlor, richtete er mehr Schaden für den Präsidenten an als innerhalb der Wände des Weißen Hauses.

Regelmäßig lästert Bannon über seine Zeit im Trump-Universum. Bannon hat sich von einem Verbündeten, der Trump mit einer radikalen Agenda ins Amt verhalf, zu einem chronischen Risiko entwickelt. Eines, das für eine Weile tolerierbar schien – weil Bannon gleichzeitig weiter „gegen Trumps Widersacher in den Krieg ziehen“ wollte, sich nie komplett von ihm löste.

Das hat Trump nun für ihn erledigt. Nach einer weiteren Kritiksalve – gerichtet gegen Trump-Sohn Donald jr., Schwiegersohn Jared Kushner und deren mutmaßliche Verwicklung in die Russland-Affäre – erklärte er Bannon offiziell zum Feind. Bannon habe „nichts mit meiner Präsidentschaft oder mir zu tun“, ließ Trump mitteilen, dieser habe „nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand“.

Wenn es um seine Familie geht, ist Trump noch reizbarer als sonst. Der Patriarch hat zurückgeschlagen.

Für den Moment wird die Reaktion wirksam sein und die Aufmerksamkeit weglenken vom laut Bannon „verräterischen“ Treffen zwischen Donald jr. und Russen im Trump Tower, oder „all dem Kushner-Scheißdreck“ mit Krediten von der Deutschen Bank. In letzterem sieht Bannon den Schlüssel zum möglichen Sturz Trumps.

Angriff ist die beste Verteidigung, dieses Klassikers bedient sich der Präsident gerade. Doch die Strategie ist kaum nachhaltig und schafft neue Risiken. Jedes Mal, wenn Trump wieder einen einstigen Vertrauten abserviert, wird er ein Stückchen unglaubwürdiger. Michael Flynn, Paul Manafort, Sean Spicer, Anthony Scarramucci – die Liste der von Trump erst hochgelobten und dann entsorgten Männer ist lang. Trump gewährte Bannon mal einen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat. Jetzt soll der Mann plötzlich ein Wirrkopf sein. Was sagt das über die Urteilskraft des Präsidenten aus?

Und: Kann es sich Trump leisten, Bannons Leute zu verprellen? Nach wie vor steht der für eine hartnäckige, rechte Bewegung, die mal populistisch und oft extrem agiert. Sie überschneidet sich mit der Trump-Anhängerschaft, deshalb hat sich der Präsident nie konsequent von Alt-Right, Nationalisten und Verschwörungstheoretikern distanziert. Trumps Abkehr von Bannon könnte nach hinten losgehen, wenn sich ausgerechnet im Midterm-Jahr ein Teil der Bannon-Jünger vom Präsidenten abwendet.

So oder so wäre es stärker, souveräner gewesen, Bannon einfach zetern zu lassen. Nüchtern gesagt: Trump ist der Oberbefehlshaber der USA – und Bannon, so groß sein Einfluss auf einen bestimmten Teil des Landes auch sein mag, ein reicher Typ, der eine Webseite leitet. Eine elegante Lösung hätte sein können, demonstrativ über Bannons Vorwürfen zu stehen. Doch das hätte Trump so gar nicht ähnlich gesehen.

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2 Kommentare zu "Kommentar zu Trump und Bannon: Der Patriarch schlägt zurück"

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  • Trump und Bannon sind doch die gleiche braune Soße. Beide bestens finanziert aus Moskau. Ich freue mich schon auf Mueller Bericht. Hoffentlich bombardiert Trump am Veröffentlichungstag nicht Nord-Korea oder Iran.

    (... oder uns??!)

  • Bannon hat sich als Kämpfer gegen die politische Korrektheit, die in den USA schlimmer wütet als hierzulande und den Klimaschwindel sicherlich Verdienste erworben. Andere Teile seiner Ideologie wie die Vorstellungen zum Welthandel sind eher abwegig.

    Insofern tut der Präsident gut daran sich abzusetzen.

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