Kommentar zu Uber-Unfall Trotz selbstfahrender Autos – der größte Unsicherheitsfaktor im Verkehr bleibt der Mensch

Ein selbstfahrendes Auto von Uber hat eine Fußgängerin getötet. Das ist tragisch, aber kein Anlass zur Panik. Denn der Computer am Steuer wird immer zuverlässiger.
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Roboterauto erfasst Fußgängerin – Wie sicher ist autonomes Fahren?

Wenn ein Mensch ums Leben kommt, ist das immer tragisch. Deswegen ist der Schock nach dem tödlichen Unfall durch ein selbstfahrendes Auto der US-Mobilitätsplattform Uber in Tempe, Arizona, umso verständlicher.

Genauso nachvollziehbar ist, dass Uber umgehend die Testfahrten gestoppt hat. Zum einen aus Pietät, zum anderen, um nach möglichen Unfallursachen zu suchen.

Unverständlich scheinen nach dem Unfall allerdings die um sich greifende Panikmache und die Rufe nach weiterer Regulierung selbstfahrender Autos. Denn die Statistik zeigt klar, dass selbstfahrende Autos schon heute außergewöhnlich sicher sind. Von allen Unfällen, an denen autonome Autos auf ihren Testfahrten bislang beteiligt waren, wurden die meisten durch Menschen verursacht.

Auch beim aktuellen Unfall geht die Polizei davon aus, dass das Unfallopfer so schnell auf die Straße sprang, dass niemand hätte reagieren können – egal, ob ein Mensch oder eine Maschine am Steuer gesessen hätte.

Der Mensch ist im Straßenverkehr der größte Unsicherheitsfaktor. Das ist die Wahrheit, die kaum einer auszusprechen wagt. 3.177 Verkehrstote gab es 2017 allein in Deutschland. Dass die Zahl der Toten und Schwerverletzten seit Jahren sinkt, ist vor allem neuen aktiven und passiven Sicherheitssystemen an Bord zu verdanken – darunter automatische Bremssysteme, Spurwechsel-Assistenten und Totwinkel-Warner.

Der letzte Schritt, auch das Lenkrad mittelfristig in die Hand von Systemen zu legen, die eine weitaus höhere Reaktionsgeschwindigkeit haben als der Mensch, ist kein blinder Technologieglaube, sondern eine risikostatistische Notwendigkeit. Eine Studie von McKinsey hat errechnet, dass 90 Prozent aller tödlichen Unfälle durch das selbstfahrende Auto verhindert werden könnten.

Zuletzt erklärte Tesla-Chef Elon Musk auf dem Digitalfestival South by Southwest (SXSW), dass selbstfahrende Autos seiner Ansicht nach schon bis Ende 2019 „mindestens 100 bis 200 Prozent sicherer“ seien als menschliche Fahrer.

An anderer Stelle werden die automatischen Systeme von den Menschen längst akzeptiert: Wir steigen wie selbstverständlich in Flugzeuge, die heute schon weitgehend per Autopilot fliegen und deswegen – nicht trotzdem – zu den sichersten Verkehrsmitteln gehören.

Dennoch ist die Idee absoluter Sicherheit natürlich eine Illusion, selbst wenn ausschließlich selbstfahrende Autos auf den Straßen unterwegs sein sollten. Das liegt aber nicht allein an fehlerhaften Systemen. Denn wo sich Menschen im öffentlichen Raum bewegen, bleibt immer ein letzter kleiner Prozentsatz Irrationalität.

Nach dem tragischen Unfall in Arizona wird es darum entscheidend sein, wie die Gesellschaft mit dem Vorfall umgeht. Das Risiko, das von selbstfahrenden Autos ausgeht, darf nicht unterschätzt werden. Es wird sehr, sehr wahrscheinlich weitere tödliche Unfälle mit selbstfahrenden Autos geben.

Das Risiko sollte aber auch nicht überschätzt werden. Schon jetzt werden Rufe nach Regulierung laut, die am Ende kontraproduktiv sein dürften.

Denn das selbstfahrende Auto wird mit jedem Kilometer, das es im Straßenverkehr zurücklegt, sicherer. Hersteller aus Ländern, in denen die Systeme frei getestet werden dürfen, haben darum heute schon einen großen Vorsprung bei der Entwicklung selbstfahrender Systeme.

Das belegt die Statistik der kalifornischen Straßenverkehrsbehörden: Die menschlichen Testfahrer, die bei jedem selbstfahrenden Auto von Google mit an Bord sind, mussten demnach nur alle 9000 Kilometer eingreifen. Ein selbstfahrendes Auto des Internetkonzerns könnte damit theoretisch unfallfrei von New York nach San Francisco fahren.

Bei den zaghaften Deutschen sieht die Bilanz deutlich schlechter aus. Die Testfahrer von Mercedes zum Beispiel mussten im Schnitt schon nach wenigen Kilometer ins Steuer greifen.

Der qualitative Unterschied ist nicht nur mit Sensoren begründet. Denn hier setzen fast alle Hersteller auf ähnliche Systeme, beispielsweise auf die Sensoren des israelischen Unternehmens Mobileye. Kameras und Lidar-Sensoren werden ohnehin immer zuverlässiger.

Der wesentliche Qualitätsunterschied ist die Menge an Daten, die den Systemen zur Verfügung stehen. Dadurch lernen Autos, ihre Umgebung richtig zu interpretieren. Sie lernen, was ein Pfeiler und was ein Fußgänger ist. Sie lernen, wann sie zaghaft bremsen müssen und wann eine Notbremsung angebracht ist.

Werden Tests mit selbstfahrenden Autos aus Angst vor weiteren Unfällen eingestellt oder zu stark reguliert, werden die Systeme unsicherer, nicht sicherer.

In Deutschland scheinen die Rufe nach mehr Regulierung der selbstfahrenden Autos darüber hinaus besonders scheinheilig. Die häufigste Ursache tödlicher Unfälle ist hierzulande nämlich überhöhte Geschwindigkeit. Lautstarke politische Forderungen nach einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen gibt es bislang aber nicht.

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10 Kommentare zu "Kommentar zu Uber-Unfall: Trotz selbstfahrender Autos – der größte Unsicherheitsfaktor im Verkehr bleibt der Mensch"

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  • @ Herr oder Frau Michael

    Der ebenso dumme wie dreiste Schuldzuspruch in Ihren Aussagen (übernommen von E. Musk) zeigt, wie sehr Sie ideologisch getrieben sind.
    Was halten Sie denn davon: Jeder, der nicht für die sofortige Abschaffung sämtlicher Autos in Deutschland eintritt, macht sich schuldig am Tod von 3.200 Menschen pro Jahr.

  • Man sollte nicht technikhörig sein und überlegen was sinnvoll für unser Zusammenleben ist.
    Ich wünsche mir Sachverstand und Mut für die politischen Entscheidungsträger, die für die Zulassung autonom fahrender Autos zuständig sind.
    Wartet nicht auf philosophische Diskussionen mit dem bekannten Problem - wie entscheidet sich ein Autos, fährt es den Rentner tot oder das Kind. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Entscheidung relevant ist sicher geringer als ein 6-er im Lotto.
    Jedes Jahr, dass diese Technologie in unserem Deutschland nicht zugelassen wird bedeutet ca. 2.800 Tote Menschen, die durch den flächendeckenden Einsatz von autonom fahrenden Autos jährlich leben könnten.
    .
    Diese neue Generation von Autos garantieren keine 10-%-ige Sicherheit, aber eine Quote von mindestens 90 %. Durchdachte, professionelle und schnelle Entscheidungen sind gefragt, denn sonst macht ihr euch mitschuldig. Die Diskussionen laufen schon Jahre - entscheidet ....jetzt!!!

    Zumindest eine moralische Mitschuld entstünde für die vielen Toten die noch leben könnten.
    ----Nur Mut, wir kriegen das doch wohl hin!.....

    Ich wünsche gutes Gelingen.

    Peter Michael

  • Spätestens die letzten beiden Sätze in diesem Werbebeitrag sagen dann alles über die Seriosität des Autors:

    <<Die häufigste Ursache tödlicher Unfälle ist hierzulande nämlich überhöhte Geschwindigkeit. Lautstarke politische Forderungen nach einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen gibt es bislang aber nicht.>>

    Zunächst einmal: Es gibt also kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Das wäre ja traumhaft!

    Die "überhöhte Geschwindigkeit" ist eine Standartformulierung in Polizeiprotokollen wenn eine genauere Ursachenermittlung nicht möglich oder nicht erwünscht ist.
    Etwa, wenn ein Fahrer, statt sich auf den Verkehr zu konzentrieren, anderweitig abgelenkt ist, es zum Unfall kommt und dann festgestellt wird, dass er 20 km/h schneller war als erlaubt. Dann steht im Protokoll "überhöhte Geschwindigkeit" als Unfallursache.
    Oder wenn jemand durch einen Lenkfehler aus einer Kurve fliegt, die für 80 km/h zugelassen ist, aber mit 180 km/h problemlos zu durchfahren wäre, der Unfallfahrer 120 km/h gefahren ist, dann steht wieder im Protokoll "überhöhte Geschwindigkeit" als Unfallursache.
    Die Ursachenermittlung ist damit einfach und schnell abgeschlossen.

    In Wahrheit ist es so, dass es viel zu viele Tempolimits gibt und die sinnvollen meist viel zu niedrig angesetzt sind. Das verursacht ein Zusammenschieben der Verkehrsströme und damit MEHR Unfälle.

    Aber wie schon geschrieben: Der ganze Artikel ist nur eine Werbeanzeige, man kann ihn nicht ernst nehmen.

  • @Frank Plonus: Habe ich die Substanz Ihrer Kritik übersehen? Oder kommen die Belege für ihre Argumente noch?

    @Stefan Nold: Genau deswegen (und wegen der hohen Kosten), werden die komplett selbstfahrenden Autos bislang auch nur getestet und noch nicht verkauft. Natürlich reichen 99 Prozent Sicherheit nicht. Und natürlich wird es erst mal halbautonome Systeme beim Endkunden eingesetzt, bei denen Risiken überschaubarer sind. Spricht aber alles nicht dagegen, die Entwicklung fortzusetzen.

  • Nehmen wir an, das selbstfahrende Auto ist 10x sicherer als der Mensch. Das ist eine Zahl, die erreichbar ist. Nur sind das eben 300 Verkehrstote durch Roboterfahrzeuge - nur in Deutschland. Wenn ich etwas verkaufe, muss ich die Funktion garantieren. EInen sicheren Betrieb eines selbstfahrenden Autos kann ich aber nicht garantieren. Wenn ich eine überschaubare Anzahl von Messgrößen habe, dann kann ich mit vertretbarem Programmieraufwand eine optimale Stellgröße (z.B. Lenkausschlag des Lenkrads) berechnen und die Funktion garantieren. Beim selbstfahrenden Auto sind die Möglichkeiten und Situationen unendlich komplex (tief stehende Sonne, Reflexe, Schnee, Hagel, Tiere, Menschen, eine bereits am Boden liegende reglose Person etc. etc. etc.). Bei jedem einzelne Toten, der durch ein selbstfahrendes Fahrzeug verursacht wird, steht der Staatsanwaltschaft in der Programmierabteilung und versucht herauszufinden, ob die Situation programmtechnisch hätte erkannt werden können oder müssen. Das ist ein Risiko, das unter normalen marktwirtschaftlichen Bedingungen kein Unternehmen tragen kann und das auch keine Versicherung übernehmen wird. Wir sollten uns auf Situationen konzentrieren, die beherrschbar sind, wie z.B. das Fahren im Konvoi auf der Autobahn. Das ist mit Sicherheit möglich. Wenn ich keine Lust mehr aufs Fahren hab, klinke ich mich bei einem Konvoi ein, dann geht auf dem Dach eine gelbe Lampe an, die allen anderen Fahrzeugen signalisiert, hier wird automatisch gefahren. Das wird funktionieren und bringt einen großen Nutzen. Alles andere ist zu aufwändig.

  • Megapeinlich, wie in diesem Artikel einfach den Lobbyisten nachgeplappert wird.
    "Eine Studie von McKinsey hat errechnet, dass 90 Prozent aller tödlichen Unfälle durch das selbst fahrende Auto verhindert werden könnten. " Diese Aussage ist geradezu grotesk lächerlich, und kommt geradewegs aus der Kristallkugel.

    "Zuletzt erklärte Tesla-Chef Elon Musk auf dem Digitalfestival South by Southwest (SXSW), dass selbstfahrende Autos seiner Ansicht nach schon bis Ende 2019 „mindestens 100 bis 200 Prozent sicherer“ seien als menschliche Fahrer." Ja wenn DER das erklärt, dann ist das natürlich ein AXIOM! Ich glaube sogar, es sind bis zu 5000 Prozent! Herr Bay, was sind Sie von Beruf?

  • Stimmt: Der größte Unsicherheitsfaktor im Autoverkehr ist der Mensch. Der Mensch programmiert aber auch für den Autoverkehr, ist somit auch Unsicherheitsfaktor. Wo ist da jetzt die Verbesserung? Assistenzsysteme finde ich viel sinnvoller als ein komplett selbst fahrendes Auto. Eine Änderung oder eine Neuentwicklung ist noch keine Verbesserung (für wen eigentlich?) Im übrigen schließe ich mich der Meinung von Herrn Podrazil an.

  • Ich nutze selbst Assistenzsysteme in erheblichem Umfang und die haben mein Fahren sowohl sicherer als auch drastisch entspannter und ruhiger gemacht. Bei dem Unfall finde ich schade, dass das System nicht besser reagiert hat, auch wenn die Frau absichtlich aus dem Schatten vor das Auto gesprungen ist, aber klar, die Systeme können nicht bei jedem Fußgänger auf dem Gehweg bremsen und von plötzlichem Fehlverhalten ausgehen.

  • KOMMENTAR
    Wir müssen das selbstfahrende Auto nicht fürchten

    ...................

    Die Autos müssen wir nicht befürchten NUR DIE PROGRAMIERER !

    Nach soviele Jahren Navigationssysteme werden immer noch Autofahrer ins Meer oder in Flüssen per Navi gesteuert !

    Bei Selbstfahrende Autos dann noch schlimmer !

  • Sehr geehrter Herr Bay,

    in einigen Punkten muss ich Ihnen erheblich widersprechen:
    - die sinkende Anzahl an Verkehrstoten liegt nicht an der zunehmenden Verbreitung von Assistenzsystemen sondern an erhöhter passiver Sicherheit (vom Airbag bis zu stabileren Zellen) - das durchschnittliche Flottenalter ist für einen signifikanten Effekt der Assistenzsysteme nicht hoch genug ferner an stetig sinkender Durchschnittsgeschwindigkeit.
    - in re Geschwindigkeit: durch eine strikte Begrenzung in sinnvollem Rahmen und deren Durchsetzung wäre eine weitere Reduktion problemlos möglich - politisch und seitens der Hersteller ist dies allerdings nicht gewollt
    Selbstfahrende Fahrzeuge werfen darüber hinaus ethische Fragen auf, die bis dato nicht ausreichend diskutiert oder gar gelöst sind.

    Abschliessend, einen Kommentar wie Ihren hätte ich von einem Entwicklungsingenieur aus der Automobilindustrie mit entsprechendem Hintergrundwissen erwartet; wenn sie mit diesen Kollegen sprechen, hört man allerdings vorsichtigere Töne...

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