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Kommentar Zukäufe in den USA können für deutsche Firmen gefährlich werden

Auf dem US-Markt sind die ausgebuffteren Finanzinvestoren unterwegs. Die Chance, risikoarme Schnäppchen zu machen ist für deutsche Firmen gering.
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Der Deal mit Monsanto ist für Bayer problematischer als erwartet. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Bayer

Der Deal mit Monsanto ist für Bayer problematischer als erwartet.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

Dreißig Milliarden Euro Wertverlust seit Vollzug des Deals Anfang Juni. Das ist die Bilanz, die der Kapitalmarkt bislang für die größte Akquisition des Bayer-Konzerns zieht. Statt neuer Zukunftschancen hat die Übernahme des amerikanischen Saatgutriesen Monsanto Bayer aus Sicht der Investoren vor allem Rechtsrisiken und womöglich geschäftliche Schwierigkeiten beschert. Der Streit über das Unkrautmittel Glyphosat und die Niederlage im ersten von womöglich Tausenden von Schadensersatzverfahren lasten wie ein Felsbrocken auf der Bayer-Aktie.

Noch ist dabei völlig offen, ob sich Monsanto wirklich zu einem solchen Desaster für Bayer entwickelt, wie es der Markt aktuell unterstellt. Die juristischen Auseinandersetzungen um das umstrittene Herbizid haben im Grunde genommen gerade erst begonnen, ebenso wie die Integration des US-Konzerns in die Bayer-Strukturen.

Klar erscheint aber so viel: Der Deal ist für Bayer problematischer als erwartet. Er zwang zu größeren kartellbedingten Desinvestments als geplant und offenbart nun Prozessrisiken, die Bayer vorher nicht auf der Rechnung hatte. Selbst im günstigsten Fall wird die Glyphosat-Klagewelle Bayer vermutlich mit Hunderten von Millionen an Verteidigungskosten belasten.

Der Wirbel um Monsanto beleuchtet damit indessen nicht nur die spezifischen Fußangeln im Agrogeschäft. Er bestätigt auch ein Phänomen, vor dem Manager eigentlich längst gewarnt sein sollten: die Gefahr, sich mit Übernahmen in den USA eine blutige Nase zu holen.

Selbst Bayer verfügt auf diesem Feld über hinlängliche Erfahrungen. Monsanto ist für den Leverkusener Konzern bereits die dritte Problemakquisition in den USA in nur fünf Jahren.

Als finanziell kleinstes Malheur in der Reihe erweist sich dabei noch die 2013 für etwa 850 Millionen Euro erworbene US-Firma Conceptus, deren Verhütungsprodukt wegen Nebenwirkungen in die Schlagzeilen geriet und Bayer mehr als 17.000 Schadensersatzklagen einbrachte. Mangels Absatzchancen wurde es inzwischen komplett vom Markt genommen.

Als Fehlinvestition entpuppt sich bislang auch das 2014 für elf Milliarden Euro erworbene Selbstmedikationsgeschäft des US-Konzerns Merck & Co. Es fiel bisher vor allem durch Schwächen im Markenportfolio auf und hat statt der erwarteten 600 Millionen Euro an Synergien offenbar eher rote Zahlen geliefert.

Bayer ist mit dem Monsanto-Fehlgriff nicht allein

Bayer ist mit diesen Erfahrungen keineswegs ein Einzelfall. Erinnert sei etwa an die riesigen Probleme, die sich Anfang des letzten Jahrzehnts Daimler mit Chrysler und die Telekom mit Voicestream einhandelten. Die BASF brauchte einst mehr als zwei Jahrzehnte, um ihre US-Akquisitionen aus den 80er-Jahren auf vernünftige Renditen zu trimmen.

Siemens musste nach dem Kauf von Dade-Behring zunächst Milliarden auf den Diagnostika-Hersteller abschreiben.

Auch der Kauf von Dresser Rand erwies sich bisher als enttäuschend für den Münchener Konzern, ebenso wie die Übernahme von Lincare für Linde. Selbst der Fresenius-Konzern, der bisher mit US-Akquisitionen erfolgreich agierte, ist jüngst nur knapp an einem größeren Flop vorbeigeschrammt, als er in letzter Minute noch die Übernahme des US-Generikaherstellers Akorn revidieren konnte.

Zudem sind überteuerte Fehlgriffe in den USA auch keine alleinige Spezialität deutscher Manager. Der Schweizer Novartis-Konzern etwa ist gerade dabei, seine vor zehn Jahren erworbene, aber letztlich enttäuschende Augenheilkunde-Tochter Alcon wieder abzuspalten.

Der israelische Pharmakonzern Teva manövrierte sich jüngst mit dem Kauf der Actavis-Generikasparte in eine ernste Krise, ebenso wie zuvor der japanische Toshiba-Konzern mit der Übernahme des US-Kraftwerkbauers Westinghouse.

Das alles zeigt: Akquisitionen in den USA sind verlockend, aber eben auch extrem gefährlich – völlig unabhängig von der Branche, in der man sich bewegt. Und die Gefahren resultieren dabei nicht nur aus den Unterschieden in Kultur und Rechtssystem. Sie wurzeln letztlich auch darin, dass die Bewertungen in den USA meist höher ausgereizt sind.

Relativ zu ihren Gewinnen werden US-Firmen häufig 20 bis 30 Prozent höher bewertet als ihre europäischen Pendants. Die Messlatte für wertschaffende US-Akquisitionen liegt damit von vorneherein höher. Hinzu kommt die Herausforderung, dass nicht nur die Konkurrenz der industriellen Käufer besonders intensiv ist.

Tendenziell sind auf dem US-Markt auch die ausgebuffteren Finanzinvestoren unterwegs, von Warren Buffett bis hin zu Aktivisten à la Daniel Loeb oder Paul Singer. Umso geringer ist die Chance, unterbewertete und risikoarme Assets zu erwerben.

Das alles bestätigt sich jetzt offenbar auch im Fall Monsanto. Wie die Rechnung am Ende wirklich ausfällt, werden zwar erst die nächsten Jahre zeigen. Aber schon jetzt sendet das Beispiel ein weiteres deutliches Warnsignal an alle potenziellen Firmenkäufer in den USA: Man kann dort gar nicht genau genug hinschauen.

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