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Kommentar zum Mordfall in Frankfurt In Deutschland wächst die Unruhe: Seehofer muss der Spaltung entgegenwirken

Das Verbrechen von Frankfurt macht erneut deutlich: Ausländerkriminalität muss offen thematisiert und gleichzeitig rechte Gewalt bekämpft werden.
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Ein Ersthelfer, der am Tag zuvor vor Ort war, legt am Bahnsteig 7 im Frankfurter Hauptbahnhof Blumen nieder. Quelle: dpa
Frankfurter Hauptbahnhof

Ein Ersthelfer, der am Tag zuvor vor Ort war, legt am Bahnsteig 7 im Frankfurter Hauptbahnhof Blumen nieder.

(Foto: dpa)

Ist aus Horst Seehofer etwa doch noch ein Staatsmann geworden? Jener Minister, der im vergangenen Jahr die Große Koalition gleich zweimal in die Krise stürzte und sich als Hardliner in der Zuwanderungspolitik profilierte, tritt jetzt als besonnener Mahner auf.

Nach dem erschütternden Mord an einem achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof warnte Seehofer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin vor der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft und warb für eine „Politik der Vernunft“, die einerseits offen über Ausländerkriminalität spricht und andererseits „mit aller Härte“ gegen den Rechtsextremismus kämpft. Nur so, sagte der Minister zu Recht, lasse sich die gesellschaftliche Spaltung überwinden.

Wie groß diese Spaltung inzwischen ist, zeigt der Umgang mit dem abscheulichen Gewaltverbrechen von Frankfurt. Ein Eritreer, der seit mehr als zehn Jahren in der Schweiz lebt, hat nach den Erkenntnissen der Polizei eine Frau und ihr Kind vor einen einfahrenden Zug gestoßen.

Die Frau konnte sich retten, das Kind starb. Kaum waren die ersten Meldungen über den Nachrichtenticker gelaufen, instrumentalisieren Rechtsextremisten die Tat, um neuen Hass zu schüren. Allerdings waren auch Stimmen zu hören, die davor warnten, die Nationalität des mutmaßlichen Täters zu nennen – um die rechte Propaganda nicht zu befeuern. Das ist der falsche Weg. Eine offene Gesellschaft muss sich auch unangenehmen Debatten stellen.

Deutschland erlebt angespannte Zeiten. Einerseits ist die Bundesrepublik so sicher wie seit den frühen Neunzigerjahren nicht mehr. Das sagt die Kriminalitätsstatistik. Doch viele Menschen fühlen etwas anderes. Das Unbehagen wächst. Vor dem Mord in Frankfurt gab es einen ähnlichen Fall im nordrhein-westfälischen Voerde, bei dem eine Frau ihr Leben verlor.

In Hessen lösten mehrere rechte Terroranschläge Bestürzung aus: der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und der versuchte Mord an einem Afrikaner. Jeder Einzelfall hat das Potenzial, eine Legitimationsgrundlage für den nächsten zu schaffen – und ein politisches Beben auszulösen.

Darum ist es gut, dass Seehofer die gesellschaftliche Polarisierung nun mit aller Macht bekämpfen will. Noch besser wäre es allerdings, wenn Seehofer einsehen würde, dass auch er zur Polarisierung beigetragen hat. „Bis zur letzten Patrone“ wollte er sich einst gegen „eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme“ wehren. Das hatte er als bayerischer Ministerpräsident gesagt. Bei seiner Pressekonferenz hätte Seehofer am Mittwoch Gelegenheit gehabt, sich von seinen damaligen Worten zu distanzieren. Aber diese Chance ließ er verstreichen. Bedauerlicherweise.

Mehr: Der mutmaßliche Täter von Frankfurt war in der Schweiz zur Fahndung ausgeschrieben. Er soll seine Nachbarin mit einem Messer bedroht und eingesperrt haben.

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1 Kommentar zu "Kommentar zum Mordfall in Frankfurt: In Deutschland wächst die Unruhe: Seehofer muss der Spaltung entgegenwirken"

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  • Warnte Seehofer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin vor der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft und warb für eine „Politik der Vernunft“, die einerseits offen über Ausländerkriminalität spricht und andererseits „mit aller Härte“ gegen den Rechtsextremismus kämpft.
    Da Herr Seehofer bewusst den Linksextremismus außen vor lässt, scheint er Gewalt aus dem Linksextremen Spektrum nicht negativ zu finden, da es ja meist, nicht immer, aber hauptsächlich AfD-Politiker betrifft.
    Hier wird nur der grausame Mord an einem achtjährigen Kind instrumentalisiert,. Ees geht Herrn Seehofer nicht um Probleme in der Gesellschaft die von der Politik verursacht wurde, nein es geht ihm einzig und allein darum, selbst nach dieser abscheulichen Tat, irgend einen Rechtsextremismus in die Diskussion, wobei alle wissen wen er meint, in Verbindung mit dieser Tat zu bringen. Hätte er seine Grenzkontrollen die er immer gefordert hat durchgesetzt, hätte man die Tat evtl. mit großer Wahrscheinlichkeit verhindern können.
    Es ist nur noch Abscheulich, Widerlich, wie hier das Ganze zur eigenen politischen Selbstdarstellung und Hetze gegen andere missbraucht wird.

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