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KommentarZum Neuanfang bei der Energiewende gehört auch ein Realitätscheck

2022 stand die Versorgungssicherheit im Vordergrund, 2023 muss der Ausbau der erneuerbaren Energien wieder beschleunigt und gegebenenfalls auch angepasst werden.Jürgen Flauger 28.12.2022 - 11:54 Uhr Artikel anhören

Windenergieanlagen stehen auf einer Weide in Schleswig-Holstein. Der Ausbau der erneuerbaren Energien hinkt den Zielen hinterher.

Foto: dpa

Das zu Ende gehende Jahr war ein Rückschlag für die Energiewende in Deutschland. Nicht der Ausbau der erneuerbaren Energien stand im Vordergrund, sondern die Versorgungssicherheit. Die Angst vor Blackouts und einer Unterbrechung der Gasversorgung war größer als die Sorge um den Klimaschutz. Kohlekraftwerke wurden nicht ab-, sondern wieder zugeschaltet.

Die Abhängigkeit von russischem Gas hat uns aber auch leidvoll bestätigt, wie alternativlos die Energiewende in Deutschland ist. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie hilft nicht nur dem Klima, sondern macht Deutschland auch unabhängiger von Rohstofflieferungen.

2023 muss die Energiewende deshalb dringend wieder beschleunigt werden. Die Bundesregierung muss es schaffen, Vorsorge für den kommenden Winter zu treffen, aber gleichzeitig auch wieder mit ganzer Kraft den Ausbau von Wind- und Solarenergie voranzutreiben. Überhaupt muss das die Lehre aus dem vergangenen, so extremen Jahr sein: Es gilt, die Ziele Versorgungssicherheit und Klimaschutz gleichzeitig im Blick zu behalten.

Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt werden

Das heißt zum einen: Die Bundesregierung muss alles daransetzen, um Investitionen in Wind- und Solaranlagen zu begünstigen. Während die Photovoltaik eine lebhafte Nachfrage spürt, weil Hausbesitzer selbst energieunabhängiger werden wollen, hinkt der Ausbau der Windenergie den Zielen weit hinterher. Im vergangenen Jahr wurden an Land offenbar nur Windräder mit einer Gesamtleistung von 2,5 Gigawatt installiert. Nötig wären jedes Jahr neun Gigawatt, wenn die Bundesregierung bis 2030 ihr Ziel von 115 Gigawatt erreichen will.

Und das größte Problem beim Ausbau der Windenergie kann die Politik tatsächlich selbst aus dem Weg räumen: Die Genehmigung ist nach wie vor zu kompliziert und zu langwierig. Investoren fordern dringend kürzere Genehmigungsverfahren. Das Tempo lässt sich so noch deutlich beschleunigen.

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Aber ob es sich so sehr beschleunigen lässt, dass die von der Bundesregierung gesetzten Ziele noch zu erreichen sind? Das ist stark zu bezweifeln. Und deshalb gehört zu einem Neuanfang bei der Energiewende auch ein Realitätscheck. Natürlich muss sich Deutschland ambitionierte Ziele setzen. Schließlich gilt es, einen maximal hohen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten.

Die Bundesregierung muss aber auch mit realistischen Zielen planen – und eine Lücke in der Stromversorgung verhindern. Sie muss auch mit genügend konventionellen Kraftwerken zur Absicherung planen. Allen Unsicherheiten und Vorbehalten gegenüber Atom, Gas und Kohle zum Trotz.

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