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Kommentar zum türkischen Präsidenten Erdogan will zu viel Macht – und droht zu scheitern

Der türkische Präsident Erdogan hat lange von der guten Wirtschaft profitiert. Doch nun steht ihm ein Endspiel bevor, das er kaum gewinnen kann.
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Will er die kommende Wahl gewinnen, muss er einen Spagat schaffen. Quelle: AP
Recep Tayyip Erdogan

Will er die kommende Wahl gewinnen, muss er einen Spagat schaffen.

(Foto: AP)

Der türkische Präsident Erdogan glaubt, nur er selbst könne sein Land in die richtige Richtung führen. So rechtfertigt er regelmäßig seinen Machtanspruch. Etwa als er jüngst forderte, die Macht über die unabhängige Zentralbank des Landes zu übernehmen. „Wenn es den Menschen wegen der Geldpolitik schlecht geht, machen sie den Präsidenten verantwortlich“, begründete Erdogan seine Forderung, „also muss der Präsident auch für die Geldpolitik verantwortlich sein.“ Weit gefehlt.

Erdogan hat die Türkei im vergangenen Jahrzehnt in die wirtschaftliche Oberliga gebracht: mit Reformen, einem wirtschaftsliberalen Kurs und fiskalischer Disziplin. Jetzt will er zu viel, vor allem zu viel Macht. Und daran droht er zu scheitern – weil er die Wirtschaft auf diesem Weg verliert.

Am 24. Juni wird in der Türkei gewählt. Gewinnt Erdogan, wird eine Verfassungsreform umgesetzt, die ihm deutlich mehr Macht verleiht. Viele Türken halten zu ihm, weil sie ihm in den vergangenen Jahren bereits blind vertraut haben. Auch Unternehmer und Investoren unterstützten lange Erdogan, weil er einen wirtschaftsfreundlichen Kurs fuhr. Als er die Präsidentschaftswahl um 17 Monate vorzog, machten die Märkte einen Freudensprung.

Umso bemerkenswerter, wie irritiert die Wirtschaft nun auf seinen aktuellen Kurs reagiert. Mit seinen milliardenschweren Konjunkturprogrammen hat er die Wirtschaft nach zwei schweren Jahren voller Terror gestützt. Doch erstens war dieses Wachstum teuer erkauft. Und zweitens verschwand es in den Profiten von Unternehmen und Banken, während Millionen Bürger kaum etwas davon abbekamen. Seine Klientel freute sich über Staatsaufträge für Brücken, Flughäfen und andere Projekte. Und viele andere Menschen müssen feststellen, dass die grassierende Inflation ihre Ersparnisse auffrisst.

Nachdem Erdogan dann auch noch angekündigte hat, die Geldpolitik bestimmen zu wollen, will selbst die eigene Bevölkerung ihm kaum noch Glauben schenken. Immer mehr Türken horten ausländische Währung, weil sie sich nicht vorstellen können, dass er das Ruder herumreißen kann. Erdogan glaubt, er sei unfehlbar – ein klassischer Denkfehler von Autokraten.

Nun zeigt sich, wohin das führt: Die Lira ist im freien Fall, Analysten verlieren das Vertrauen in Erdogan. Dass er nun seine Landsleute auffordert, ihre Dollar und Euro in Lira umzutauschen, ist eine Verzweiflungstat. Mitglieder seiner Regierung sind längst anderer Meinung. Sie wollen Erdogan bremsen, können ihn aber kaum aufhalten.

Will Erdogan die Wahl gewinnen, muss er einen Spagat schaffen: Ein Teil seiner Wähler will, dass er weiter poltert. Der andere Teil fordert ökonomische Disziplin. Ein Endspiel, das er kaum gewinnen kann.

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