Kommentar zur Deutschen Bank Gefallene Helden

Auf Basis stetiger Gewinne haben Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Kulturwandel gepredigt. Jetzt brechen die Gewinne weg. Die Aktie rauscht in den Keller, Investoren sind verunsichert. Was bleibt vom Kulturwandel übrig?
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Frank Wiebe ist Handelsblatt-Redakteur in New York. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Redakteur in New York.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Kein Wunder, dass Jürgen Fitschen, der zusammen mit Anshu Jain die Deutsche Bank leitet, in letzter Zeit gegenüber Kritik etwas dünnhäutig war. Auch die in der Öffentlichkeit liebevoll gepflegte Debatte über die „Kultur“ seiner Bank dürfte ihm zuweilen mächtig auf die Nerven gegangen sein. Denn das überraschend früh veröffentlichte, überraschend schlechte Ergebnis fürs vierte Quartal 2013 zeigt: Bei der Deutschen Bank geht es derzeit nicht um kulturelle Feinheiten, sondern schlicht ums Geld.

Dabei dürfte die Investoren weniger der hohe Aufwand für juristische Probleme stören, der vor allem für den Verlust verantwortlich war. Denn sie schauen nach vorn. Und da wird sie die Schwäche im Kerngeschäft der Bank erheblich mehr stören.

Die Deutsche Bank hat ihr Geschäft seit langem auf einer recht schmalen Basis betrieben. Im traditionellen Banking ist sie vor allem im Heimatmarkt gut vertreten. Aber erstens ist Deutschland dafür ein schwieriger Markt, zweitens ist ihr Marktanteil zu Hause bescheiden und drittens lässt sich gerade bei den heute extrem niedrigen Zinsen mit schlichtem Geldverleihen nur schwer Geld verdienen.

Auf dieser schmalen Basis hat die Bank vor allem unter Josef Ackermann, dem Vorgänger von Fitschen und Jain, ein sehr gut laufendes Kapitalmarktgeschäft aufgebaut. Jain war dabei die entscheidende Figur: Er hat in London riesige Gewinne eingefahren und sich damit auch seinen heutigen Chefposten verdient. In den USA gilt die Bank von je her als „Traders shop“: als Geldhaus, das mehr vom Handel an den Märkten als von einer breiten Kundenbasis lebt.

Aber die Zeit hat sich geändert. In der Ära Ackermann gaben die Kapitalmärkte Rückenwind, wenn man von der Finanzkrise absieht: Aber die hat die ganze Branche getroffen und diejenigen zu Helden gemacht, die wenigstens ohne Staatshilfe überlebt haben.

Heute und wahrscheinlich auch in Zukunft bringen die Kapitalmärkte aber weit weniger Gewinn ein. Nach einer jahrzehntelangen Tendenz zu sinkenden Zinsen und steigenden Bewertungen hat sich in den USA schon 2013, in Vorwegnahme einer etwas anziehenden Geldpolitik, der Trend umgedreht. In Europa wird das in einigen Jahren auch passieren.

Die fetten Jahre sind vorbei
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10 Kommentare zu "Kommentar zur Deutschen Bank: Gefallene Helden"

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  • Mir kommen die Tränen!
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    Die "Deutsche Bank" machte also im 4. Quartal 1,3 Milliarden "Verluste". Dabei hat sie doch - angeblich - alles richtig gemacht!
    ■ Sie hat den Libor und Euribor manipuliert.
    ■ Sie hat die Devisenkurse und den Goldpreis manipuliert.
    ■ Sie handelte mit "Schrottpapieren".
    ■ Spekulierte mit Lebensmitteln und handelte mit Splittermunition.

    Sie ist eben eine "typische" deutsche Bank.
    Und dann ging auch noch das Investmentbanking zurück.
    Und jetzt musste sie auch noch eine Gewinnwarnung herausgeben.


  • Politik und gerichte haben ihren Anteil an den Schwierigkeiten der Deutschen Bank.
    Als Breuer auf Berichte in der Presse über Kirchs wirtschaftliche Schwierigkeiten hinwies, wurden er und die DBk für den Niedergang des Kirchimperiums verantwortlich gemacht, für den der Größenwahn des Herrn Kirch in Wirklichkeit verantwortlich war.
    Die Bafin stzt der Deutschen Bank ebenfalls zu und sorgt dafür, dass das Geld der DBk Brüssel als Strafe zufließt und nicht dem deutschen Finanzminister.
    Als das sorgt für Verunsicherung, letztlich nicht zum Nutzen Deutschlands.

  • Man muss sich vielleicht eine Sache anschauen. Die Deutsche Bank war einmal mit JP Morgan unter den weltweit führenden Banken. Irgendwann hat JP mit Chase fusioniert. In der Krise 2009 hat JP Morgan Chase noch Bear Stearns übernommen. Die Bank dominierte vorher schon, und danach erst recht die europäischen Märkte. Seit 2010 verdient sie wieder etwa 20 Mrd/p.a., wegen der Dominanz. Die amerikanische Regierung und die amerikanische Notenbank haben in der Krise die starken US-Banken wie JP Morgan weiter gestärkt - und den Markt um die schwachen Häuser (Lehman, Merill Lynch, Bear Stearns) bereinigt. Die Europäer haben nicht einmal die kleinste Schrottbude wie die IKB in Düsseldorf abgewickelt, sondern mit Steuergeld "kapitalisiert" und "gerettet", und zwar mit Hinweis auf den Lehman-Schock, der aber nur für die Europäer ein Schock war. Die europäischen Banken - auch die Deutsche Bank - sind nun abgestiegen in eine andere Liga. Der Wiederaufstieg ist eher unwahrscheinlich. Deshalb ist die Deutsche Bank am Ende einer Ära angekommen. Von der Commerzbank reden wir besser nicht - 96 % der Marktkapitalisierung verloren - für immer. Man vergleiche dazu die Börsenkurse und Marktkapitalisierungen von JP Morgan und BoA. Danke Josef, danke Angela, ein Dank auch an deren Berater Jens und Jörg, das habt Ihr toll gemacht.

  • Normalerweise sind es die Protagonisten, die einem Unternehmen durch betrügerische Manipulationen hohe Verluste und einen immensen Vertrauensschaden zufügen, selbst, die das Unternehmen nach bekannt werden der Probleme sofort verlassen müssen.

    Das gilt für alle Unternehmen - nur eben für die Deutsche Bank nicht. Welcher Teufel muß den gesamten Aufsichtsrat geritten haben, als er sich für die von Ackermann bei seinem Ausscheiden vorgeschlagenen Personalien Jain und Fitschen entschieden hat? Und nicht einmal jetzt haben sie den Mut, endlich einen Schlußstrich zu ziehen - und damit geplanten Neuanfang wirklich zu beginnen. Dieser Dilettantenhaufen glaubt scheinbar allen Ernstes, die Probleme einfach aussitzen zu können.

    Mit solchen Protagonisten ist Eines mit Sicherheit gewährleistet: Der Abstieg des Hauses in die Drittklassigkeit.

  • Ich würde nicht unbedingt nur Jain und Fitschen für diese ganze Thematik kritisieren. Rechtsstreitigkeiten sind in der Vergangenheit produziert worden, gerade unter Ackermann, der jetzt natürlich schön fein raus ist. Ackermann deshalb als "Vorbild" zu bezeichnen, finde ich etwas lächerlich.
    Klar, haben Jain und Fitschen genauso etwas zu tun. Ihre Fehler und die von Ackermann holen die beiden jetzt ein. Von einem Kulturwandel in der deutschen Bank... haha das glaube ich kaum.

    Selbiges bei der Commerzbank. Wird vom Staat finanziert und zahlt ihren Kunden jetzt Gelder - wenn das mal keine gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsverzerrung ist. Beste Sache dabei: Wenn man sich dann noch über grundsätzliche Wettbewerbsverzerrungen beschwert.

    Ich kann den Großbanken leider nichts mehr glauben - schon die Werbung zeigt: Wir wollen das beste für unsere Kunden herausholen, nicht unseren Mehrwert optimieren um jeden Zweck (leider kann ich keine Werbungen auswendig lernen, deshalb nicht der richtige Wortlaut). DESHALB heißt die Bank ja auch COMMERZbank... natürlich!!

    Bezüglich unserer lieben amerikansichesn Großbank Freunde: Ich würde jedem mal raten, dieses Youtube Video anzuschauen:
    http://www.youtube.com/watch?v=XXLlrd5dKQc

    Viele Grüße

  • Kulturwandel? befragen Sie Mitarbeiter des Institutes was sie davon halten das der Zahlendruck höher ist denn je - sie auf der anderen Seite die schönen Presseberichte lesen dürfen und sich darüber mit ihren Kunden "austauschen" müssen. Kaum ein MA der DB ist glücklich darüber das ausgerechnet ein Chef Investmentbanker das Geschick ihrer Bank leitet und bestimmt...

  • Man fragt sich vor allem: Warum gelingt es z.B. US-amerikanischen Banken (Goldman-Sachs, Bank of America, Wells-Fargo, etc.) wieder ordentliche Gewinne zu erwirtschaften? Auch die Commerzbank ist wohl wieder auf einem "aufsteigenden Ast". Bei der Deutschen Bank kommt dagegen eine Negativ-Meldung nach der anderen. Der Vorstand sollte vor allem eines wieder lernen: Das Wichtigste eines Unternehmens ist der Gewinn und die Ausrichtung der Organisation und des Personals auf dieses Ziel! Zu was die übertriebene Moralpolitik ("Kulturwandel") führt, hat man u.a. bei Siemens (Löscher!!!) gesehen. Man merke: Die Deutsche Bank ist - wie andere Banken bzw. Unternehmen auch - weder ein Sozialverband noch die Caritas. Die Kritik wirtschaftsferner Kreise in Bezug auf das Gewinnstreben muß ein Vorstand aushalten; Josef Ackermann war auch hierbei das beste Vorbild.

  • Die Deutsche Bank und ihre Firmen"kultur" ist schon ein Kapitel für sich. Was hier als typische "Firmankultur" galt und vermutlich noch gilt wird in anderen Lebenskreisen m.E. üblicherweise als "grenzwertige Grauzone" wenn nicht gar als "strafrechtlich relevant" bezeichnet.
    Wie in einer Institution, die in erster Linie durch Beteiligung an allen mittleren bis größeren Skandale der Finanzwelt maßgeblich beteiligt war, eine andere Kultur eingeführt werden soll bleibt rätselhaft, denn m.E. ist doch genau diese "Kultur" auch das Geschäftsmodell...
    Meine ganz persönliche Meinung, nachdem ich dem Institut bereits in den 0-er Jahren den Rücken kehrte, denn Privatkunden waren damals erklärtermassen lästige Anhängsel...und wurden auch so behandelt.

  • Nun, nach Jahrzehnten im Vorstand ist tendenziell auch Ackermann zur Verantwortung zu ziehen.
    Und auch ihm ist zu erklären, dass Betrug, selbst wenn politisch abgesichert und gedeckt, keine akzeptable Geschäftsmethode ist.
    Klar gerät die Deutsche ins Schwanken, wenn sie jetzt weder Devisenkurse noch Libor, Eurobor usw. manipulieren darf.
    Banking können die Mitarbeiter leider nicht wirklich.

  • 20.1.14 Die Deutsche Bank, die in den Augen vieler Deutscher federführend für den Raubeinkapitalismus der Vergangenheit steht, muss nun für die Fehler aus der Vergangenheit bezahlen. Möge die reumütige Umkehr zu einer menschenwürdigen Kultur gelingen. Doch müssen zuerst die Taten folgen. Keinem Gestrauchelten glaubt man auf dem ersten Blick und noch wird in den Handelssälen der DB gezockt, was das Zeug hergibt. Abwarten und Tee trinken.....Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

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