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Kommentar zur EZB Draghi macht die Drecksarbeit

Die Wirtschaft im Euro-Raum strauchelt. Und wieder ist es Mario Draghi, der entschlossen handelt. Der Kurs des EZB-Chefs ist riskant – nichts zu tun wäre aber noch riskanter gewesen.
24 Kommentare

Draghi senkt Leitzins auf Rekordtief

Mario Draghi hat heute die ohnehin hohen Erwartungen der Märkte noch übertroffen – und das ist gut so. Denn die Zentralbank darf nicht  tatenlos zusehen, wenn sie ihr einziges im Mandat festgeschriebenes Ziel, nämlich das der Preisstabilität, verfehlt.

Die EZB definiert Preisstabilität bei einer Inflation nahe zwei Prozent. Im August lag die Rate in der Eurozone aber bei 0,3 Prozent. Je stärker die EZB ihr Ziel verfehlt, desto größer ist die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale.

Mallien Jan

Jan Mallien, geldpolitischer Korrespondent.

Aktuelle Daten zeigen, dass auch die langfristigen Inflationserwartungen in der Eurozone zuletzt deutlich zurückgegangen sind. Wenn aber die Tarifparteien dauerhaft mit niedrigeren Preisen rechnen und das in die Lohnverhandlungen einfließt, sinken die Preise noch weiter – ein Teufelskreis.

Rein ökonomisch hat die von Draghi verkündete Zinssenkung keinen großen Effekt, doch sie ist ein starkes Signal. Wichtiger noch sind die angekündigten Käufe von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen. Draghi wollte zwar keine genaue Summe nennen, in EZB-Kreisen kursiert aber die Zahl von 500 Milliarden Euro.  

Das zeigt: Das Programm ist ein Zwitter zwischen dem reinen Kauf von Kreditverbriefungen und so genannter Quantitativer Lockerung, also dem großangelegten Ankauf von Vermögenswerten. Dieser weitergehende Schritt ist logisch. Die Erfahrung aus anderen Ländern wie Japan zeigt, dass kleine Schritte im Kampf gegen niedrige Preise leicht verpuffen – und Entschlossenheit gefragt ist.

Natürlich ist Draghis Entscheidung nicht ohne Risiken. Wenn die EZB Kredite am Markt aufkauft, holt sie sich auch deren Risiken in die Bücher. Das Risiko durch die Kreditkäufe muss aber gegen das Deflationsrisiko abgewogen werden. Und da gilt: Unterm Strich wäre eine Spirale aus sinkenden Preisen, Löhnen und Investitionen viel teurer.

Kritiker werden einwenden, dass die EZB mal wieder den Ausputzer für die Politik spielt. Sie fürchten, dass die Politik dadurch Reformen auf die lange Bank schiebt. Die wirklich wichtigen Reformen aber sind Strukturreformen wie zum Beispiel eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Solche Reformen brauchen Zeit, bis sie wirken, und sie können kurzfristig das Wachstum sogar schwächen. Hier kann die Geldpolitik die Reformen flankieren und unterstützen.

Eher besteht die Gefahr, dass die Konjunkturimpulse der EZB fiskalstarke Länder wie Deutschland dazu verleiten, nicht genug zu investieren. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen liegen unter einem Prozent. Bei diesem Zinsniveau könnten Investitionen in Schulen, Universitäten und Straßen mit Sicherheit eine viel höhere Rendite erreichen als die Zinskosten. Dass die Bundesregierung hier nicht mehr macht, ist ökonomisch völlig irrational. Daran ändert aber die Geldpolitik nichts.

Draghi hat sich für entschlossenes Handeln entschieden. Die Risiken, die er dabei eingeht sind kleiner, als wenn er gar nichts getan hätte. Man wünschte unseren führenden Politikern eine ähnliche Entschlossenheit.

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24 Kommentare zu "Kommentar zur EZB : Draghi macht die Drecksarbeit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Draghis vergiftete Geschenke
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    Jetzt will er also auch massenweise Schrottpapiere aufkaufen und diese in die Bücher der EZB nehmen.
    Dafür haftet natürlich der Steuerzahler.
    Und es geht hier NICHT um die Rettung des Euros sondern um die Rettung von Pleitebanken.

    Kreditverbriefungen gelten als heißes Eisen. Sie waren in der Finanzkrise 2007/08 vor allem in den USA als Brandbeschleuniger in Verruf geraten. Damals wurden vor allem faule Hypothekenkredite verbrieft, also die Auslöser der Krise. Der Käufer der Verbriefungen holte sich also faule Kredite in seine Bilanz und musste am Ende deren Ausfall akzeptieren. Der Markt für solche Papiere war daraufhin weitgehend zusammengebrochen.

    Wenn man glaubt, es kann nicht schlimmer kommen, dann kommt Draghi!

  • Eigentlich verstehen die Bürger unter dem Begriff 'Preisstabilität' eine Inflation von nahe Null Prozent. Aus Sicht der sparenden Bürger ist ein dringender Handlungsbedarf, um die Inflation schnell in Richtung zwei Prozent zu drücken, nicht gegeben. Auch nicht, um die Konjunktur in D künstlich zu beleben.

    vg

  • @Wahr, da haben Sie leider recht!
    Wir haben den Ländern von Zypern über Frankreich bis Irland geholfen. Gedankt hat uns dafür nach meinem Kenntnisstand noch niemand, mit alten Rechnungen sind sie aber schnell bei der Hand, obwohl wir nun als 2. oder 3. Generation mit dem II. WK wirklich nichts zu tun hatten.
    Wer in historischen Dimensionen denkt, wird wissen, dass eine Gemeinschaftswährung noch nie von langer Dauer war. Zu unterschiedlich ist die Entwicklung der Euro-Länder, zu unterschiedlich ihre Rechtsgrundlagen in punkto Steuer- Arbeits- und Sozialversicherung. Draghi mag aus seiner Sicht alles getan haben, um den Euro zu retten. Viele dieser EZB-Maßnahmen sind mM nach sogar illegitim, es wird diese Kunstwährung aber länger am Leben halten, letztlich ist sie jedoch zum Scheitern verurteilt. Leider wird die Politik erst dann zu dieser Einsicht gelangen, wenn die Schuldenberge so exorbitant in die Höhe gestiegen (quasi über den Kopf gewachsen) sind, dass sie nicht mehr händelbar sind. Das kann zwar noch etwas dauern, aber die stetigen Verstöße gegen marktwirtschaftliche Gesetze wird unweigerlich zum Zusammenbruch führen.

  • Ich kann euch sagen wer auf Draghi vertraut hat der
    konnte heute morgen folgenden Daxcall kaufen
    Cr3L3q Tagestief bei 0,50 das Tageshoch bei 2,45 Euro
    Profis können das System ausnutzen
    Es gibt noch extremere Beispiele mit noch höheren Gewinnmöglichkeiten
    das alles bei einer schwachen EU ....

  • @ Helga Trauen
    Die von den europathischen Chef-Ideologen herbeigesehnten und -geschriebenen "Vereinigten Staaten von Europa" werden daher auch entweder blut- oder massiv repressionsgetränkt werden:
    "Je nach Schwere, Dauer und Häufigkeit der Krisen folgen irgendwann Staatsbankrott, Verarmung der Bevölkerung, Ausrottung des Mittelstands und oft auch eine politisch-ideologische Radikalisierung - bis hin zu Krieg und Revolution. Ein Mechanismus des Irrsinns und der Verantwortungslosigkeit."
    http://forum.finanzen.net/forum/Staatsbankrott_und_Konkursverschleppung-t250965
    Die Genialität der Architekten des Fiat-Money-Schuldgeldsystems besteht nun aber darin, die Menschen glauben zu lassen, es könne in diesem Geldsystem eine sozialistische Umverteilung von Reich nach Arm erfolgen. Nichts ist aber falscher als diese Annahme: in der Tat profitieren letztendlich NUR die Architekten des Schuldgeldsystems (denn gerade Sozialisten sind ja die exzessivsten Gelddrucker, weshalb sie auch wertgedecktes Geld vehement ablehnen) - der Mittelstand dagegen wird komplett ausgedünnt und die Armen werden noch wesentlich ärmer...

  • Ein schlechter Tag für Sparer
    -----------
    Finanzwelt und Politik in Deutschland reagieren mit heftiger Kritik auf die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank. Die Notenbank hatte den Leitzins überraschend noch weiter von 0,15 auf 0,05 Prozent heruntergeschraubt und Wertpapierkäufe angekündigt. Doch vor allem die Banken und Versicherungen reagierten entsetzt. Aus der Politik wurde EZB-Präsident Mario Draghi Aktionismus vorgeworfen.


    Die Kritik an dem gesenkten Leitzins lässt nicht lange auf sich warten.

    Die Versicherer äußeren besonders offene Kritik an dem Beschluss der Währungshüter. Der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland, sieht darin ein "falsches Signal an alle Sparer". Schon die Zinsschritte der EZB zuvor hätten gezeigt, dass "Zinssenkungen nahe dem Nullpunkt" keine positiven Wirtschaftsimpulse brächten.

    "Weder kann eine weitere Leitzinssenkung die Kreditvergabe ankurbeln, noch ist sie angesichts der niedrigen Preissteigerungsraten angebracht", sagte Erdland. Diese seien Folge erwünschter Anpassungsprozesse. Statt mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen das Niedrigzinsumfeld zu verfestigen, müssten vielmehr nachhaltige Strukturreformen in den Fokus rücken.


    Quelle: n-tv
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/EZB-Politik-stoesst-auf-massive-Kritik-article13550856.html

  • Bin in vollem Umfang Ihrer Meinung! Mit dieser Maßnahme heute hat die EZB ihr letztes Pulver verschossen und ihr Mandat weit überzogen. Die Politik des billigen Geldes und die Übernahme von Schulden maroder Firmen bringt überhaupt nichts, denn notwendige Strukturmaßnahmen werden damit verhindert. Auf der anderen Seite wird aber die Arbeit entwertet. Ich empöre mich über Auftritte von Politkern, die ganz erstaunt sind, warum die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft. Aufgrund unserer alternden Gesellschaft wird es immer mehr Menschen geben, die am Ende eines langen Arbeitslebens mit einer mickrigen Rente über die Runden kommen sollen. Die Ursachen sind relativ leicht festgestellt: Eine indiskutable Steuer- und Sozialpolitik, aber eben auch die EZB-Maßnahmen, die zu einer Geldentwertung führen, die durch keine Rentenanpassung ausgeglichen wird. Entschieden wird das alles von Leuten mit bester Altersversorgung und solchen, die sich ihre Diäten nach Bedarf erhöhen können. All jenen, egal ob sie nun in Berlin, Brüssel, Straßburg oder Frankfurt sitzen, sei gesagt, dass Rentner auch wählen, vielleicht sogar fleißiger als unsere Jungen...

  • Die Herrschaften Merkel u.s.w. schicken den Hr. Draghi vor.
    Unglaublich die Abnicker verstecken sich von den Folgen ihres handels.

  • Draghi enteignet uns alle, die Sparer die Rentner und viele andere. Letztendlich wird sein Kurs scheitern, der Euro sich auflösen und wir Deutschen haben unser Geld verloren und dazu eine gane Menge an Vebindlichkeiten. Im schlimmsten Fall kommt es zum weltweiten Finanzcrash, dann ist alles beim Teufel außer die staatliche Rente, die wird es immer weiter geben natürlich auf einem dann sehr sehr niedrigen Niveau.

  • Liebes HB: Pressemitteilung der EZB abgeschrieben und leicht umformuliert (wie seinerzeit Guttenberg, lol) oder schlicht und einfach keine Ahnung von volkswirtschaftlichen Mechanismen?
    Beides schlimm und eigentlich nicht akzeptabel für eine "Wirtschaftszeitung".

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