Kommentar zur Gehaltspolitik Was die Deutsche Bank von der ING lernen kann

Die Großbank ING streicht nach lauter Kritik das Gehaltsplus für den Chef – und begründet das weniger verdruckst als die Deutsche Bank.
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Was die Deutsche Bank von der ING lernen kann Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Ralph Hamers

Der Chef der niederländischen Großbank ING muss auf eine kräftige Gehaltserhöhung verzichten.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

FrankfurtFehler können überall vorkommen. Das ist nicht peinlich. Peinlich wird es nur, wenn man damit verdruckst umgeht. Die niederländische Großbank ING hat gerade gezeigt, wie man einem öffentlichen Proteststurm schnell und entschlossen die Wucht nehmen kann. Die Deutsche Bank kann von diesem Beispiel lernen.

Was ist geschehen: Die ING wollte ihrem Vorstandschef Ralph Hamers eine üppige Gehaltserhöhung angedeihen lassen. Um satte 50 Prozent sollten seine Bezüge angehoben werden, von zwei Millionen auf drei Millionen Euro im Jahr. Die öffentliche Empörung in den Niederlanden war enorm. Das Parlament wollte den Aufsichtsratsvorsitzenden des Instituts, Jeroen van der Veer, zu einer Anhörung vorladen. Finanzminister Wopke Hoekstra nannte die Erhöhung „exzessiv“, die Gewerkschaft CNV bezeichnete sie als „absurd“ angesichts einer Gehaltserhöhung von 1,7 Prozent, die die Bank normalen Mitarbeitern angeboten hatte.

Die ING hat versucht dagegenzuhalten, schließlich wäre diese Summe in Relation zu den Gehältern anderer europäischer Top-Manager noch nicht einmal sehr ungewöhnlich gewesen. Eine Woche lang versuchte das Bankhaus gegenzuhalten. Dann kam der Rückzug. Am Dienstag hat die Bank nun angekündigt, dass sie die geplante Gehaltserhöhung bei der Hauptversammlung nicht zur Abstimmung stellt.

Diese Kehrtwende ist aus mehreren Gründen bemerkenswert, gerade wenn man den Umgang mit Kritik mit dem Handeln der Deutschen Bank vergleicht. Zum einen hat die ING sehr schnell reagiert: Gerade einmal eine Woche hat die Führung der Bank die rufschädigende Debatte laufen lassen, bevor sie signalisierte: Wir haben verstanden. Zum anderen hat die ING nicht um den heißen Brei herumgeredet, sondern unverblümt zugegeben, dass sie auf öffentlichen Druck reagiert hat. „Wir sehen ein, dass wir die öffentliche Reaktion in den Niederlanden bei diesem eindeutig sensiblen Thema unterschätzt haben“, heißt es in der eigens angefertigten Pressemitteilung. Darin räumte die Bank auch ein, dass ihr von Kunden, Mitarbeitern und anderen „Stakeholdern“ wohl deutlich die Meinung gesagt worden war.

Was für ein Unterschied zur Deutschen Bank: Dort lösten die Milliardenboni für die Mitarbeiter und vor allem die Andeutungen, auch der Vorstand wolle dieses Jahr nicht auf eine variable Vergütung verzichten, bereits Anfang Februar Proteststürme aus. Die Kehrtwende erfolgte dann völlig anders als im Falle der ING: Der Vorstandsvorsitzende John Cryan kündigte den Stimmungsumschwung im Top-Management was die eigene Boni anbelangt nicht öffentlich per Pressemitteilung an, sondern wählte eine Veranstaltung am vergangenen Wochenende in Texas. Da lief die Debatte bereits mehr als einen Monat.

Der Vorstandschef räumte auch nicht ein, dass die öffentliche Kritik etwas damit zu tun hatte, dass die Vorstände auf ihre variable Vergütung verzichten. Er erwähnte zwar, dass ein Unternehmen „auf die Welt hören“ müsse, schob die Entscheidung aber letztlich auf die Verantwortung des Vorstands für den Fehlbetrag, der allen Beteiligten allerdings schon im Februar bekannt war. Mit politischem Druck soll das alles nichts zu tun gehabt haben.

Die Deutsche Bank hat eine lange Tradition darin, eingestandene Fehler als Schwächen zu betrachten. Mittlerweile fällt es den Führungsleuten der Bank leichter, Verfehlungen zuzugeben – bevorzugt dann, wenn es um die – weit größeren – Verfehlungen ihrer Vorgänger geht. Eigene Irrtümer zuzugeben fällt der Deutschen Bank aber offenbar noch immer schwer.

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1 Kommentar zu "Kommentar zur Gehaltspolitik: Was die Deutsche Bank von der ING lernen kann"

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  • Was ist denn nun mit dem Handelsblatt los - erst feuert man Herrn Steingart - ohne weitere Kommentare !! - und nun wird pausenlos auf der Deutschen Bank "rumgedroschen" --
    wo steht denn nun das Handelsblatt ? Auch schon ein wenig "links" oder was ist los ??
    Zum Thema: von ING kann die DB bestimmt viel lernen - nur nicht den Umgang mit der Öffentlichkeit - was soll da das wägen von 3 Wochen hier und 3 Monaten da - wirklich peinlich.
    GTA Roth

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