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Krugman kritisiert Europäer „Prasst euch gesund!“

Nobelpreisträger Paul Krugman lässt kein gutes Haar am Krisenmanagement der Europäer. Ihre übertriebene Sparpolitik schade der Wirtschaft. Er empfiehlt stattdessen dem amerikanischen Weg höherer Staatsausgaben zu folgen.
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Paul Krugman ist Wirtschaftsnobelpreisträger. Quelle: Reuters

Paul Krugman ist Wirtschaftsnobelpreisträger.

(Foto: Reuters)

In den furchtbaren Monaten nach der Lehman-Pleite waren sich die meisten der führenden Regierungen einig, dass der Einbruch bei den privaten Investitionen aufgefangen werden müsse. Daher griffen sie zu einer expansiven Haushalts- und Währungspolitik, steigerten die Ausgaben, senkten die Steuern und druckten Geld, um den Schaden zu begrenzen. Damit befolgten sie die Anweisungen der klassischen Lehrbücher und die schmerzlich erworbenen Lektionen der Weltwirtschaftskrise.

Aber im Jahr 2010 passierte etwas Merkwürdiges: Weite Teile der politischen Elite, darunter Banker und Finanzpolitiker, warfen die Lehrbücher und Lektionen der Geschichte auf den Müll und erklärten, oben sei jetzt unten. Plötzlich wurde der Ruf nach Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen und sogar Zinsanhebungen laut, und das zu einem Zeitpunkt, an dem Massenarbeitslosigkeit herrschte.

Glücklicherweise scherte sich die Obama-Regierung nicht um diesen Rat. In Großbritannien übernahm jedoch eine Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten die Regierungsgeschäfte, und diese zwang Großbritannien ein Sparprogramm auf, obwohl auf der Insel genau wie in den Vereinigten Staaten die Arbeitslosenzahlen hoch und die Zinsen niedrig waren.

Auf dem europäischen Kontinent kamen Sparpakete in Mode. Die Europäische Zentralbank begann Anfang 2011 mit einer Erhöhung der Leitzinsen, obwohl die Wirtschaft der Euro-Zone am Boden lag und keinerlei Inflationsgefahr zu erkennen war.

Woher kam dieser plötzliche Wandel der politischen Mode? Beginnen wir mit dem schlagkräftigsten Argument: der Angst, dass Länder, die angesichts der Krise weiterhin Konjunkturprogramme verfolgen und keine Sparmaßnahmen ergreifen, in einer ähnlichen Schuldenkatastrophe enden wie Griechenland.

Der Ruf nach Sparmaßnahmen kommt nicht aus dem Nirgendwo. Schon in den Monaten nach der Lehman-Pleite gab es Stimmen, die es ablehnten, die Wirtschaft zu retten, Konjunkturprogramme aufzulegen und Anleihen aufzukaufen. Ende 2009 hatten sich die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft jedoch weitgehend stabilisiert, und weitere Maßnahmen schienen nicht mehr so dringend. Aber dann kam die Griechenlandkrise, die von Anti-Keynesianern in aller Welt als Beispiel dafür aufgegriffen wurde, was passiert, wenn wir uns nicht an die strengen Gebote der Haushaltsdisziplin halten.

Der Irrglaube von einer "Vertrauensfee"
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82 Kommentare zu "Krugman kritisiert Europäer: „Prasst euch gesund!“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Alle diejenigen, die jetzt wieder erklären, Krugman wolle nur mehr Schulden machen und dem Beispiel der USA folgen, irren sich! Krugman hat meines Wissens immer gesagt, dass die Finanzmärkte strickt reguliert werden müssen. Außerdem hat er immer eine Vermögensumverteilung gefordert. Erst dann kann eigentlich sinnvoll investiert werden. Solange die Menschen die Orgien der Finanzmafia bezahlen müssen, dadurch die Masseneinkünfte ständig sinken, ist mit wirtschaftlicher Erholung ohnehin nicht zu rechnen.

  • Ich frage mich, wofür Herr Grugmann seinen Nobelpreis bekommen hat. Er zeigt jetzt exemplarisch, daß die Ökonomie eine Glaubens- und keine Naturwissenschaft ist. Wo war er, als die Finanzindustrie jegliche volkswirtschaftliche Verantwortung vermissen ließ ? Aber wahscheinlich ist er deren Apologet und versucht uns Dummen etwas aufzuschwatzen.

  • Ja genau das ist der Tipp des Tages.

    Dem Wortlaut entnehme ich:

    Kommt schon Ihr Idioten, gebt noch Euer letztes Geld aus, damit wir endlich den Sack zu machen können.

  • "2011 nahmen sich Experten des Internationalen Währungsfonds dieser Frage an und untersuchten den Zusammenhang zwischen politischen Entscheidungen und der Konjunktur. Dabei stellten sie fest, dass Sparmaßnahmen grundsätzlich negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben."

    Es ist ja phantastisch was so kluge Experten doch alles herausbekommen können und jede Hausfrau, ohne groß darüber nachdenken zu müssen, weiß: Ohne Geld kann man nichts kaufen (demnach kann auch die Konjunktur nicht angekurbelt werden).
    Da studieren also eine Menge kluger Menschen z.B. Wirtschaftswissenschaften, lassen sich jeden Unsinn als Wahrheit verkaufen und weigern sich schon während des Studiums, selbst nachzudenken. Und wenn die Ihr Studium abgeschlossen haben, haben wir wieder einen weiteren Fachidioten, der mit Fremdworten nur so um sich wirft und selbst dabei die einfachsten Dinge nicht begreift:
    Ist Geld beim Verbraucher, gibt er es aus.Gibt er es aus, verkaufen die Unternehmen Waren und können der nachfrage folgend, neue Waren produzieren. Wird also Verkauft und neu produziert, kommen Steuern in die Staatskasse. Steuern in der Staatskasse bedeuten Investitionen, die wieder bedeuten Verdienste für Mitarbeiter der Unternehmen die Aufträge ausführen. Und schon ist der Kreislauf grob erklärt - ein Wirtschaftswissenschaftler benötigt dafür jedoch einen Vortrag über 6 Stunden, weil er noch sein Fachgeschwafel absondert.

  • Stimmme Ihnen zu.
    Die Amerikaner können sich aber diese Politik auch leisten. Denn die Welt handelt mit dem Dollar und jede Dollarinflation bedeutet, dass die Schulden der USA von denen abgetragen werden die damit Handel betreiben.
    Der Euro spielt aber im weltweiten Handel nicht die Rolle, die der Dollar spielt. Eine Inflation trifft immer nur den einfachen Arbeiter und versklavt Ihn und seine Kinder und Kindeskinder. Die Reichen können sich verschulden, bekommen Kredite, können sich Immobilien kaufen, Mieten erhöhen , sich an Firmen beteiligen,Produktpreise erhöhen etc.. Eine Inflation bei gleichbleibenden Löhnen bedeutet auch, dass die Reallöhne sinken. Dies trifft den einfachen Arbeitnehmer umso mehr. Meiner Meinung nach darf der Staat die Wirtschaft mit Investitionen ankurbeln, aber nur für solche Projekte, die er in Zukunft ohnehin auch tätigen würde. Kurzfristige Subventionen in Krisenzeiten sind sinnvoll um das überleben von Firmen samt ihrer Belegschaft zu sichern (Kurzarbeitergeld etc..)
    Grundsolide Finanzen sind aber für ein gutes gedeihen der Gesellschaft unentbehrlich. Also eine einfache Formel. Mach nur soviel Schulden, dass du diese auch zurück zahlen kannst.
    Ich denke bei Krugmann persönlich dürfte diese nicht anders sein.

  • Amerika unsere "Freunde".
    Kriegstreiber und Schmarotzer geben gute Ratschläge.

    Wer braucht denn noch den Dollar ?

  • Wenn die Welt nur so einfach wäre wie in Herrn Krugmanns Kopf. Das Sparen alleine keinen Aufschwung bringt ist klar. Das Problem, dass die meisten südeuropäischen Länder haben ist nicht alleine die Höhe der Ausgaben sondern vielmehr deren Art. Es werden Gelder verschwendet für einen absurden Beamtenapparat und unzählige Wohltaten für die Bürger. Dieses Wirtschaftsmodell ist nur leider auf Dauer nicht tragbar in einer globalisierten Weltwirtschaft. Die Mittel die so verschwendet werden sollten in gute Ausbildung und eine sinnvolle Infrastruktur gesteckt werden, die es den verbliebenen Firmen erlaubt konkurrenzfähiger zu werden. Allerdings ist es schwer möglich in einem Atemzug Leuten(Beamten, Bald-Rentnern) etwas wegzunehmen und anderen zukommen zu lassen. Ich nehme an, dass deshalb die PIGS Länder zum sparen gezwungen werden und hoffe, dass es nach den Sparanstrengungen zu einem angebrachten Konjukturprogram. Ansonsten steuert Europa in den Abgrund.

  • Dieser Komiker war also der einflußreichste Berater der Fed? War es nicht die Fed die mit expansiver Geldpolitik und niedrigen Zinsen die Subprime-Krise ausgelöst hat? War es nicht die Subprime-Krise, die das griechische Finanzkartenhaus zum Einsturz gebracht hat? Und nun also die selben Rezepte, die die Krise ausgelöst haben, zur Lösung der Krise. Das wird nicht funktionieren, es hat noch nie in der Wirtschaftsgeschichte funktioniert. Wir erleben den Untergang des Keynesianismus. Nur die Keynesianer haben es noch nicht gemerkt.

  • Witzbold! Deutschland war schon sieben mal Pleite. Amerika nicht.
    http://www.focus.de/finanzen/news/tid-22745/tid-22747/staatspleiten-in-der-geschichte-zahlen-muessen-immer-die-buerger_aid_639555.html

  • Ja klar, Herr Krugmann, das ist doch die Idee. Meiner Meinung nach sollte Jeder Bürger der Erde eine Gelddruckmaschine bekommen, dann würde es doch überhaupt keine Krise geben. Mein Kompliment, man muss wohl einen Professortitel haben, um solche guten Ideen zu haben.

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