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Krugman kritisiert Europäer „Prasst euch gesund!“

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Vollbeschäftigung in zwei Jahren

Die Ausgabenkürzungen könnten dagegen die Verbraucher vom Sparwillen der Regierung überzeugen und sie zu dem Schluss bringen, dass die Steuern in Zukunft niedriger ausfallen werden als erwartet. Aufgrund dieser erwarteten geringeren Steuerlast könnten sich die Verbraucher reicher fühlen und mehr Geld ausgeben. Die Frage ist also nicht so sehr, ob Sparmaßnahmen geeignet sind, die Nachfrage anzukurbeln. Die Frage ist vielmehr, ob die positiven Auswirkungen von Zins- und Steuersenkungen die unmittelbaren negativen Auswirkungen aufwiegen können.

Die Vorstellung, dass Sparmaßnahmen die Konjunktur ankurbeln könnten, ist wenig glaubhaft, und unter den Bedingungen, wie sie 2010 herrschten und noch heute herrschen, ist sie absurd. Um die Doktrin zu rechtfertigen, reicht es nicht aus, dass das Vertrauen positive Auswirkungen zeitigt - diese positiven Auswirkungen müssen stark genug sein, um jetzt und hier die direkten negativen Auswirkungen der Sparmaßnahmen wettzumachen. Im Falle der Zinsen ist das kaum vorstellbar, denn die Zinsen waren schon Anfang 2010 niedrig und sind bis heute noch weiter gesunken. Und was die Auswirkungen der Steuererwartung angeht: Wie viele Menschen kennen Sie, die heute Kaufentscheidungen treffen, indem sie abschätzen, welche Einsparungen ihnen die Steuerpolitik in fünf oder zehn Jahren bringen könnte?

2011 nahmen sich Experten des Internationalen Währungsfonds dieser Frage an und untersuchten den Zusammenhang zwischen politischen Entscheidungen und der Konjunktur. Dabei stellten sie fest, dass Sparmaßnahmen grundsätzlich negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Doch selbst die Untersuchung des IWF unterschätzte, wie "keynesianisch" die Welt ist. Das liegt daran, dass Regierungen in der Regel zur Kompensation von Haushaltskürzungen Maßnahmen ergreifen können (vor allem Zinssenkungen oder Geldentwertung), die den meisten der von der Krise betroffenen Länder heute gar nicht offenstehen.

Seit Beginn der Krise sind vier Jahre vergangen. Der Abschwung ist überwunden, aber der Aufschwung hat noch immer nicht begonnen. In den Vereinigten Staaten geht die Arbeitslosigkeit leicht zurück (während sie in Europa steigt), doch sie ist noch immer viel zu hoch und weit von dem Stand entfernt, auf dem sie sich vor wenigen Jahren befand. Zigmillionen Amerikaner stecken in Schwierigkeiten, mit jedem Monat werden die Zukunftsaussichten der jungen Menschen schlechter. Und all das wäre nicht nötig.

Tatsache ist, dass wir über das Wissen und die Instrumente verfügen, diese Krise zu beenden. Wenn wir erprobte wirtschaftliche Prinzipien anwenden würden, deren Gültigkeit durch die jüngsten Ereignisse noch bestätigt wurde, kämen wir in kürzester Zeit, vielleicht schon innerhalb von zwei Jahren, zur Vollbeschäftigung zurück.

Wenn die Krise nicht längst hinter uns liegt, dann ist ein Mangel an geistiger Klarheit und politischem Willen schuld. Wir - Wirtschaftswissenschaftler und Politiker genau wie Bürger - haben die Aufgabe, alles zu tun, um diesen Mangel zu beheben. Wir können diese Krise beenden, und wir müssen uns für eine Politik einsetzen, die genau das will. Fangen wir an.


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82 Kommentare zu "Krugman kritisiert Europäer: „Prasst euch gesund!“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Alle diejenigen, die jetzt wieder erklären, Krugman wolle nur mehr Schulden machen und dem Beispiel der USA folgen, irren sich! Krugman hat meines Wissens immer gesagt, dass die Finanzmärkte strickt reguliert werden müssen. Außerdem hat er immer eine Vermögensumverteilung gefordert. Erst dann kann eigentlich sinnvoll investiert werden. Solange die Menschen die Orgien der Finanzmafia bezahlen müssen, dadurch die Masseneinkünfte ständig sinken, ist mit wirtschaftlicher Erholung ohnehin nicht zu rechnen.

  • Ich frage mich, wofür Herr Grugmann seinen Nobelpreis bekommen hat. Er zeigt jetzt exemplarisch, daß die Ökonomie eine Glaubens- und keine Naturwissenschaft ist. Wo war er, als die Finanzindustrie jegliche volkswirtschaftliche Verantwortung vermissen ließ ? Aber wahscheinlich ist er deren Apologet und versucht uns Dummen etwas aufzuschwatzen.

  • Ja genau das ist der Tipp des Tages.

    Dem Wortlaut entnehme ich:

    Kommt schon Ihr Idioten, gebt noch Euer letztes Geld aus, damit wir endlich den Sack zu machen können.

  • "2011 nahmen sich Experten des Internationalen Währungsfonds dieser Frage an und untersuchten den Zusammenhang zwischen politischen Entscheidungen und der Konjunktur. Dabei stellten sie fest, dass Sparmaßnahmen grundsätzlich negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben."

    Es ist ja phantastisch was so kluge Experten doch alles herausbekommen können und jede Hausfrau, ohne groß darüber nachdenken zu müssen, weiß: Ohne Geld kann man nichts kaufen (demnach kann auch die Konjunktur nicht angekurbelt werden).
    Da studieren also eine Menge kluger Menschen z.B. Wirtschaftswissenschaften, lassen sich jeden Unsinn als Wahrheit verkaufen und weigern sich schon während des Studiums, selbst nachzudenken. Und wenn die Ihr Studium abgeschlossen haben, haben wir wieder einen weiteren Fachidioten, der mit Fremdworten nur so um sich wirft und selbst dabei die einfachsten Dinge nicht begreift:
    Ist Geld beim Verbraucher, gibt er es aus.Gibt er es aus, verkaufen die Unternehmen Waren und können der nachfrage folgend, neue Waren produzieren. Wird also Verkauft und neu produziert, kommen Steuern in die Staatskasse. Steuern in der Staatskasse bedeuten Investitionen, die wieder bedeuten Verdienste für Mitarbeiter der Unternehmen die Aufträge ausführen. Und schon ist der Kreislauf grob erklärt - ein Wirtschaftswissenschaftler benötigt dafür jedoch einen Vortrag über 6 Stunden, weil er noch sein Fachgeschwafel absondert.

  • Stimmme Ihnen zu.
    Die Amerikaner können sich aber diese Politik auch leisten. Denn die Welt handelt mit dem Dollar und jede Dollarinflation bedeutet, dass die Schulden der USA von denen abgetragen werden die damit Handel betreiben.
    Der Euro spielt aber im weltweiten Handel nicht die Rolle, die der Dollar spielt. Eine Inflation trifft immer nur den einfachen Arbeiter und versklavt Ihn und seine Kinder und Kindeskinder. Die Reichen können sich verschulden, bekommen Kredite, können sich Immobilien kaufen, Mieten erhöhen , sich an Firmen beteiligen,Produktpreise erhöhen etc.. Eine Inflation bei gleichbleibenden Löhnen bedeutet auch, dass die Reallöhne sinken. Dies trifft den einfachen Arbeitnehmer umso mehr. Meiner Meinung nach darf der Staat die Wirtschaft mit Investitionen ankurbeln, aber nur für solche Projekte, die er in Zukunft ohnehin auch tätigen würde. Kurzfristige Subventionen in Krisenzeiten sind sinnvoll um das überleben von Firmen samt ihrer Belegschaft zu sichern (Kurzarbeitergeld etc..)
    Grundsolide Finanzen sind aber für ein gutes gedeihen der Gesellschaft unentbehrlich. Also eine einfache Formel. Mach nur soviel Schulden, dass du diese auch zurück zahlen kannst.
    Ich denke bei Krugmann persönlich dürfte diese nicht anders sein.

  • Amerika unsere "Freunde".
    Kriegstreiber und Schmarotzer geben gute Ratschläge.

    Wer braucht denn noch den Dollar ?

  • Wenn die Welt nur so einfach wäre wie in Herrn Krugmanns Kopf. Das Sparen alleine keinen Aufschwung bringt ist klar. Das Problem, dass die meisten südeuropäischen Länder haben ist nicht alleine die Höhe der Ausgaben sondern vielmehr deren Art. Es werden Gelder verschwendet für einen absurden Beamtenapparat und unzählige Wohltaten für die Bürger. Dieses Wirtschaftsmodell ist nur leider auf Dauer nicht tragbar in einer globalisierten Weltwirtschaft. Die Mittel die so verschwendet werden sollten in gute Ausbildung und eine sinnvolle Infrastruktur gesteckt werden, die es den verbliebenen Firmen erlaubt konkurrenzfähiger zu werden. Allerdings ist es schwer möglich in einem Atemzug Leuten(Beamten, Bald-Rentnern) etwas wegzunehmen und anderen zukommen zu lassen. Ich nehme an, dass deshalb die PIGS Länder zum sparen gezwungen werden und hoffe, dass es nach den Sparanstrengungen zu einem angebrachten Konjukturprogram. Ansonsten steuert Europa in den Abgrund.

  • Dieser Komiker war also der einflußreichste Berater der Fed? War es nicht die Fed die mit expansiver Geldpolitik und niedrigen Zinsen die Subprime-Krise ausgelöst hat? War es nicht die Subprime-Krise, die das griechische Finanzkartenhaus zum Einsturz gebracht hat? Und nun also die selben Rezepte, die die Krise ausgelöst haben, zur Lösung der Krise. Das wird nicht funktionieren, es hat noch nie in der Wirtschaftsgeschichte funktioniert. Wir erleben den Untergang des Keynesianismus. Nur die Keynesianer haben es noch nicht gemerkt.

  • Witzbold! Deutschland war schon sieben mal Pleite. Amerika nicht.
    http://www.focus.de/finanzen/news/tid-22745/tid-22747/staatspleiten-in-der-geschichte-zahlen-muessen-immer-die-buerger_aid_639555.html

  • Ja klar, Herr Krugmann, das ist doch die Idee. Meiner Meinung nach sollte Jeder Bürger der Erde eine Gelddruckmaschine bekommen, dann würde es doch überhaupt keine Krise geben. Mein Kompliment, man muss wohl einen Professortitel haben, um solche guten Ideen zu haben.

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