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Kursrutsch Der Corona-Schock und seine Auswirkungen an den Märkten

Das Virus sorgt an den Aktienmärkten in Europa und den USA für massive Einbrüche. Sorgen bereiten Experten vor allem die Auswirkungen auf weltweite Lieferketten.
24.02.2020 - 18:26 Uhr Kommentieren
In New York verlor der Dow-Jones-Aktienindex zum Handelsauftakt fast drei Prozent. Quelle: AP
Händler an der Wall Street

In New York verlor der Dow-Jones-Aktienindex zum Handelsauftakt fast drei Prozent.

(Foto: AP)

Frankfurt Schon in der vergangenen Woche wurde der Höhenflug der Börsen abgebremst, am Montag brachen die Kurse an den wichtigsten Handelsplätzen regelrecht ein. Der Grund: die rasante Ausbreitung des Coronavirus in Europa, das zuletzt vor allem in Italien grassierte. Hinzu kamen schlechte Wirtschaftsdaten vom Freitag in den USA: Dort fiel der Einkaufsmanagerindex auf 49,4 Punkte – und damit auf den niedrigsten Wert seit 2013.

Beides zusammen führte zu einer massiven Verunsicherung der Investoren, die aus Aktien flohen und ihr Geld möglichst sicher anlegen wollten.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte zu Wochenbeginn zeitweise um mehr als vier Prozent unter die Marke von 13.000 Punkten ab. Stark betroffen waren unter anderem die Lufthansa, Autoaktien und Adidas, aber auch die Deutsche Bank und Infineon. In Mailand knickten die Kurse sogar um rund sechs Prozent ein. In New York verlor der Dow-Jones-Aktienindex zum Handelsauftakt fast drei Prozent. Der Ölpreis gab nach, Gold legte hingegen deutlich zu – auf den höchsten Dollar-Preis seit 2013.

Europaweit standen Aktien von Luxusunternehmen wie LVMH, Kering (Gucci), Hermès, Richemont und Burberry überdurchschnittlich unter Druck. Für diese Unternehmen ist China ein wichtiger Absatzmarkt. Bei der Frage, wie sich Corona auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung auswirkt, rücken die Lieferketten in den Fokus.

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    Viele Unternehmen, etwa in der Autoindustrie, aber auch Hersteller von Smartphones und Sportschuhen, sind von Lieferungen aus China abhängig. In der Volksrepublik selbst wachsen die Sorgen, dass einzelnen Unternehmen das Geld ausgeht, wenn ihre Produktion zu lange stillsteht.

    Sorgen bereitet auch die Entwicklung in Ländern wie Italien, Japan, Südkorea und Iran. In einer Studie der Schweizer Bank UBS hieß es: „Während die Situation in China sich zu verbessern scheint, kommt es in den nächsten zwei Wochen darauf an, ob die Behörden in Europa und anderen Regionen die Krankheit schnell eindämmen können.“

    Renditen schwinden dahin

    Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bewegte sich in Richtung minus 0,5 Prozent – niedriger lag sie zuletzt im vergangenen Oktober. Die Rendite des entsprechenden Papiers der US-Regierung rutschte unter 1,4 Prozent – so tief lag sie zuletzt 2016. Damit gibt es auch wieder sehr deutlich eine sogenannte inverse Zinsstruktur, bei der die langfristigen Prozentsätze unter den kurzfristigen liegen, was häufig als Anzeichen für eine aufziehende Rezession gedeutet wird.

    Gesunken ist auch die Rendite der 30-jährigen US-Staatspapiere. Sie bewegte sich Richtung 1,8 Prozent und lag damit tiefer als je zuvor. In einer Analyse der DZ Bank hieß es, dass einige Käufer wahrscheinlich eine Studie der US-Notenbank (Fed) im Hinterkopf hätten, nach der bei der nächsten Rezession die kurzfristigen Renditen in den USA unter null und die zehnjährigen Sätze auf nahe null fallen könnten. Damit zeigt sich: Ähnlich wie heute bereits in Europa entwickeln sich auch in Amerika Zinspapiere mehr und mehr zu spekulativen Anlagen.

    Auffällig war auf der anderen Seite, dass die Aktien in Asien weniger abrutschten als die europäischen Papiere. Der japanische Nikkei und der chinesische CS 300 verloren am Montag jeweils rund 0,4 Prozent, der Hang Seng in Hongkong fiel fast um 1,8 Prozent, der koreanische Kospi lag mit 3,9 Prozent allerdings auch weit im Minus.

    Wie es weitergeht an den Märkten, wird von der Entwicklung der Epidemie und von der Geldpolitik abhängen. Die Schwäche der US-Wirtschaft gab schon am Freitag Anlass zu Hoffnungen, die Fed werde noch vor der Präsidentschaftswahl im Herbst die Zinsen weiter absenken. Sie hatte den Leitzins im vergangenen Jahr in drei Schritten auf eine Spanne zwischen 1,5 und 1,75 Prozent herabgesetzt.

    Bis vor Kurzem schien es noch, als sei sie mit diesem Niveau zufrieden. Scott Anderson, Chefökonom der Bank of the West in San Francisco, kommentierte aber jetzt zum schwachen Einkaufsmanagerindex: „Wenn dieser schockierend schwache Wert in den kommenden Wochen durch andere ökonomische Kennzahlen bestätigt wird, dann reicht das wahrscheinlich, um die Fed wieder ins Spiel zu holen und zu einer zusätzlichen Zinssenkung vor der Wahl zu bewegen.“

    Seine Einschätzung steht im Einklang mit den Marktreaktionen. Bei KBW heißt es: „Die Marktteilnehmer erwarten, dass die Zentralbanken der Welt einschließlich der Fed die Situation retten, wenn das Coronavirus ernsthaft die Lieferketten beeinträchtigt und damit das Wirtschaftswachstum schwächt.“ Darauf führen die KBW-Experten zurück, „dass die Aktien jedes Mal steigen, sobald ein Stimulus der Geldpolitik in Sicht ist – obwohl der Virus die zweitgrößte und wachstumsstärkste Wirtschaft der Welt fast lahmlegt“.

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kann allerdings nicht allzu viel tun. Sie liegt mit ihren Zinsen schon bei minus 0,5 Prozent. Vor Kurzem hatte die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde deutlich gemacht, dass aus ihrer Sicht die Geldpolitik allmählich ihre Mittel ausgeschöpft hat – eine deutliche Mahnung an die Regierungen, finanzpolitisch zu reagieren.

    Ähnlich äußerte sich jetzt auch der italienische Notenbankchef Ignazio Visco in einem Rundfunkinterview. Dabei hat Italien wegen seiner hohen Verschuldung allerdings wenig finanziellen Spielraum – anders als Deutschland.

    Apple als abschreckendes Beispiel

    Die Commerzbank verweist darauf, dass in China hinsichtlich Corona inzwischen in sechs Provinzen die höchste Alarmstufe auf ein niedrigeres Niveau herabgesetzt wurde. Darunter ist Guandong, diese Provinz steht allein für rund zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts.

    Während mittlere und kleinere Unternehmen erst zu 30 Prozent wieder in Gang gekommen seien, hätten mehr als 70 Prozent der großen Konzerne an der Küste die Produktion wieder aufgenommen. Nach Schätzung der UBS liegt Chinas Export zurzeit bei rund 70 Prozent des Normalniveaus, beim inländischen Konsum dort ist es ein Minus von 30 Prozent, wenn man die schwachen Autokäufe ausklammert. Die Bank erwartet eine weitere Unterstützung der Wirtschaft durch die chinesische Notenbank.

    Goldman Sachs hat sich die Lieferketten genauer angeschaut. Die Analysten der US-Investmentbank verweisen auf das Jahr 2011, als ein Erdbeben in Japan starke Auswirkungen auf die Produktion in den Autowerken der USA hatte. „Das lässt vermuten, dass eine Unterbrechung der Lieferketten aus China einen großen Einfluss auf die Entwicklung in den USA hätte“, heißt es in einer neuen Studie. Die Importe aus China in die USA entsprechen etwa 1,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts der USA.

    Trotzdem bleiben die Analysten relativ optimistisch, wobei sie allerdings davon ausgehen, dass gegen Ende des Quartals die Zahl der neuen Infektionen deutlich zurückgeht. Wenn die Importe nur vorübergehend unterbrochen werden, hat das nach ihrer Einschätzung allenfalls einen begrenzten Effekt. Außerdem haben nach einer Umfrage von Goldman die Unternehmen in den meisten Branchen genug Vorräte, um relativ ungestört mindestens noch bis zum zweiten Quartal produzieren zu können.

    Sollte die Unterbrechung länger anhalten, könnte es allerdings zu einem „nichtlinearen Effekt“ kommen, sprich: Dann sind die Probleme auf einmal sehr deutlich spürbar.

    Die DZ Bank beschäftigt sich ebenfalls mit den Auswirkungen der Krankheit auf die Lieferketten. „Schon jetzt“ sei der Schaden groß, heißt es. China und südostasiatische Länder werden nach Ansicht der DZ-Experten im laufenden Jahr deutliche Einbußen selbst dann erleiden, wenn „die Krankheitswelle im günstigen und immer noch wahrscheinlichsten Fall bis Ende März abebbt und konjunkturelle Nachholeffekte einsetzen“.

    Sollte es zu einer schweren Pandemie kommen, werde die Weltwirtschaft „so stark einknicken wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr“. Das globale Wachstum werde unter ein Prozent sinken. „Exportabhängige und eng in die Lieferketten eingebundene Volkswirtschaften würden die größten wirtschaftlichen Verluste verbuchen“, heißt es, als Beispiel in Europa gelten die Niederlande und Deutschland. Die US-Märkte würden dagegen besser halten.

    Insgesamt unterschätzen die Kapitalmärkte nach Meinung der DZ-Experten die Folgen der Krankheit. Als Beispiel stellen sie Apple heraus: „Während in China die Nachfrage aufgrund der Quarantänemaßnahmen zusammengebrochen ist, kann außerhalb von China die solide Nachfrage aufgrund der Produktionsengpässe nicht bedient werden.“ Den mächtigen US-Konzern erwischen daher gleich zwei von China ausgehende Effekte.

    Mehr: Die Partystimmung an den Börsen ist vorbei – Anleger sollten den Ausverkauf beobachten.

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