Landesbanken WestLB: Vom Prügelknaben zum Ideengeber

Bei der WestLB durfte jeder mal lästern. Keine Bank in der Republik musste in den vergangenen Jahren so viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen wie die krisengeschüttelte Landesbank in Düsseldorf. Natürlich steckt sie ganz tief in Problemen. Aber sie ist schon weitere als andere Landesbanken beim Versuch, sich herauszuwinden.
Kommentieren
Das Logo der WestLB vor der Zentrale der Bank in Düsseldorf. Foto: dpa Quelle: dpa

Das Logo der WestLB vor der Zentrale der Bank in Düsseldorf. Foto: dpa

(Foto: dpa)

Bei der WestLB durfte jeder mal lästern. Keine Bank in der Republik musste in den vergangenen Jahren so viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen wie die krisengeschüttelte Landesbank in Düsseldorf. Mal war sie die RestLB, dann wieder der rheinische Patient. Stoff für immer neue Schlagzeilen lieferte das Institut im Akkord, wobei das Tempo in den letzten zwölf Monaten selbst für lang gediente Beobachter schwindelerregend war. Erst versenkte die Truppe aus dem Eigenhandel Hunderte Millionen Euro, dann flogen der Bank ihre milliardenschweren Investments in Hochrisikopapieren um die Ohren. Die chronisch zerstrittenen Eigentümer lieferten sich Machtkämpfe bis aufs Messer, die Finanzaufsicht ermittelte, Vorstände kamen und gingen und wurden am Ende vorzugsweise verklagt.

Hinter dem Dilemma der WestLB konnten sich die anderen Landesbanken immer gut verstecken. Dabei sieht es bei den meisten öffentlich-rechtlichen Häusern nicht viel besser aus. Mit der BayernLB etwa – dazu braucht man kein großer Prophet zu sein – wächst ein echter Rivale in puncto Unterhaltungswert heran. Eine in sich zerstrittene weiß-blaue Landesregierung, die wiederum mit den Sparkassen über Kreuz liegt, dazu Wertverluste in Höhe von vielleicht vier Milliarden Euro aus der Finanzkrise: ein brisantes Gemisch, und das in der heißen Wahlkampfphase.

Aber nicht nur bei den Bayern, auch im Ländle und hoch im Norden ticken in den Bilanzen der Landesbanken die Zeitbomben. Weil sie nach dem Wegfall der Staatsgarantien Mitte 2005 mit wackligen Geschäftsmodellen in den freien Wettbewerb entlassen wurden, kommen die Institute jetzt in der ersten wirklichen Bewährungsprobe unter die Räder. Mangelndes echtes Kundengeschäft überdeckten die Topmanager mit waghalsigen Operationen am globalen Kapitalmarkt. Deshalb sind sie nun stärker als viele private Banken in den Schlamassel der Wertberichtigungen verstrickt. Das Zusammentreffen der erstmaligen Rechnungslegung nach dem internationalen Bilanzstandard IFRS mit den Wertberichtigungen aus der Finanzkrise stellt fast alle Landesbanken vor existenzielle Probleme.

In dieser eher hoffnungslosen Lage hat die WestLB vorexerziert, wie der Ausweg aussieht. Sie packt alle Subprime-Risiken in eine ausgegliederte Gesellschaft und schafft sie so aus der Bilanz. Das Land und damit die Steuerzahler müssen dafür geradestehen. Das ist ein ordnungspolitischer Offenbarungseid, aber die einzig praktikable Lösung. Anders wäre eine Konsolidierung der Landesbanken unmöglich. Niemand würde sich angesichts unwägbarer Milliardenrisiken mit einem anderen Haus einlassen.

Die WestLB liefert eine Blaupause. Schon melden sich reihenweise die anderen Landesbanker beim scheidenden Chef Alexander Stuhlmann, um sich das Modell erklären zu lassen. So werden die Düsseldorfer vom ewigen Prügelknaben auf einmal zum Ideengeber – vorausgesetzt, die Brüsseler Wettbewerbshüter spielen mit.

Allerdings sollte das dann auch wirklich das letzte Mal sein, dass der Staat den Landesbanken aus der Patsche hilft. Er muss schnell dauerhafte Lösungen finden. Privates Kapital, Fusionen oder auch das Verschmelzen von Sparkassen mit ihren Zentralinstituten – alle Optionen sind besser als das bisherige Herumdoktern.

Startseite

0 Kommentare zu "Landesbanken: WestLB: Vom Prügelknaben zum Ideengeber"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%