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Machtkampf in der IG Metall Kommentar: Die Kraft der Vielfalt

Verunsicherte Metaller mögen sich trösten: Aller Voraussicht nach wird es ihre Gewerkschaft auch noch in 20 Jahren geben. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sie weiter eine der größeren im Lande sein.

Verunsicherte Metaller mögen sich trösten: Aller Voraussicht nach wird es ihre Gewerkschaft auch noch in 20 Jahren geben. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sie weiter eine der größeren im Lande sein. Das würde sich selbst dann nicht ändern, wenn die IG Metall wegen ihrer dramatischen Führungskrise in kurzer Zeit weitere 250 000 Mitglieder verliert – es wäre noch immer kaum ein Zehntel der Gesamtmitgliedschaft.

Sicher wird die IG Metall in der Zukunft eine andere Organisation sein als heute. Es gibt guten Grund zur Annahme, dass es sich eher um eine bewegliche, moderne Gewerkschaft handeln wird als um eine sture Blockademacht – welche Rahmenbedingungen ihr die Politik auch immer bis dahin gesetzt haben wird.

Jürgen Peters mag es in seinem Kampf um die eigene „Ehre“ und sein berufliches Lebensziel bisher allenfalls ahnen – aber es gibt Kräfte des gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels, die noch unnachgiebiger sein werden als er. Die SPD hat im vergangenen halben Jahr intensive Erfahrungen mit diesen Kräften gemacht. Wie sollte sich wohl die IG Metall auf Dauer dagegen abschotten können, da ihre eigentliche Machtbasis nicht die Büroetagen in Frankfurt sind, sondern weit über drei Millionen täglich mit der ökonomischen Realität konfrontierte Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie?

Auf viele Metallfunktionäre werden freilich noch bittere Einsichten zukommen. Eine davon könnte sein, dass ihnen die sonst milde belächelte Möchtegern- Großgewerkschaft Verdi bei der Vorbereitung auf manche künftige Aufgabe einen Schritt voraus ist. Bei allen Unzulänglichkeiten der gerade zwei Jahre alt gewordenen „1 000-Berufe-Gewerkschaft“: Im Gegensatz zur IG-Metall-Spitze haben die Verdi-Gründer ihre Basis jedenfalls früh und aus eigener Initiative mit einer Debatte über das gewerkschaftliche Selbstverständnis konfrontiert.

Auch bei Verdi gibt es noch immer die widerstreitenden Lager von Traditionalisten und Modernisierern. Hinter der Fassade der linken politischen Protestbewegung gedeiht indes eine Vielfalt berufs- und branchenspezifischer Antworten, die dem Realitätssinn der Gesamtorganisation nur zuträglich sein kann. Der IG Metall hat auf solchen Wegen bis dato häufig die eigene Stärke im Weg gestanden. Aber dieses Hindernis ist ja nun deutlich kleiner.

Der Handelsblatt Expertencall
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