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Mein Kopf gehört mir Statements aus Medienunternehmen

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Hans Mahr, Hartwig Masuch, Christian Nienhaus, Helge Sasse, Anke Schierholz

Diebstahl gilt als gerecht

Niemandem würde einfallen, ins Kaufhaus zu gehen und ohne Bezahlung einen Anzug, ein Hemd und ein Paar Schuhe mitgehen zu lassen, nur weil die Dinge verfügbar sind.

Warum bitteschön, sollten für Filme, Musik, Games und Bücher andere Regeln gelten, nur weil ein paar Piraten Diebstahl es als gerechtfertigt propagieren, können wir nicht darauf verzichten, dass unseren Künstlern, unseren Autoren und unseren Schriftstellern, also unseren Kreativen, ihr geistiges Eigentum auch bezahlt wird.

Ich denke, dass verstehen die Menschen. Und hoffentlich auch die Politik.

HANS MAHR, Ehemaliger RTL-Chef

Konsistentes Verständnis nötig

Wir müssen endlich zu einem konsistenten Verständnis von Eigentum kommen, sei es nun physischen oder geistigen Ursprungs. Wenn ich einen Song schreibe, muss ich genauso unstrittig darüber verfügen können wie über ein Haus, das ich gebaut habe. Kreative und ihre Schöpfungen brauchen Wertschätzung und Schutz, auch und vor allem im Netz. Bloß weil Inhalte im Internet leicht verbreitet werden können, heißt das noch lange nicht, dass sie deshalb auch umsonst sein müssen. Mit unterschiedlichen Eigentumsbegriffen lässt sich in einer modernen, wissensbasierten Gesellschaft nicht arbeiten.

HARTWIG MASUCH, CEO des Musikrechteunternehmens BMG

Schritt in die geistige Verarmung

Mit einer Umsonstkultur im Internet kann man keinen Qualitätsjournalismus finanzieren. Gesellschaftliche, ökonomische und politische Sachverhalte zu recherchieren, zu analysieren und zu bewerten erfordert gut ausgebildete und kompetente
Journalisten mit Herzblut und Zeit. Das ist nicht umsonst zu haben. Wer alles umsonst will: Musik, Literatur - jede Form von Kultur - und auch Journalismus, der wird am Ende weniger haben als heute. Geistiges Eigentum zum Nulltarif bedeutet geistige Verarmung.

CHRISTIAN NIENHAUS, Geschäftsführer der WAZ-Gruppe

Finanzierungsbedarf ist hoch

Sowohl Verleiher als auch Produzenten tragen finanziell erheblich dazu bei, dass ein Film überhaupt entstehen kann. Ohne diesen Einsatz gibt es keine Filme. Der Finanzierungsbedarf für jede Art Film ist hoch, geht in die Millionen Euro. Wenn Produzent und Verleiher nicht mehr damit rechnen können, dass sie eine Chance haben, das eingesetzte Geld zurück zu verdienen, müssen sie ihr Geschäft irgendwann aufgeben. Die massenhafte Piraterie im Internet gefährdet genau diese Grundlage für die Investitionen von Produzenten und Verleihern und damit die Filmwirtschaft selbst. Dabei sind es oft leider bereits 10%-15% Einnahmeverluste, die darüber entscheiden, ob wir bei einem Film Verlust machen oder nicht. Noch weit mehr als in der Musik ist der Schutz des geistigen Eigentums beim Film deshalb vor allem ein Schutz der massiven Investitionen, die für die Herstellung eines Filmes und deren unzähligen Beteiligten erforderlich sind, vom Kameramann bis zum Casting-Agenten und dem Filmcatering."

HELGE SASSE, Vorstandschef Senator Film („Ziemlich beste Freunde“)

Nicht nur Google ist gefordert

Ein freier und für den Nutzer unentgeltlicher Zugang zu allen kreativen Leistungen im Internet muss nicht automatisch bedeuten, dass die Kreativen keine Vergütung erhalten. Dann müssten allerdings diejenigen, die die Werke ins Netz stellen (oder die Infrastruktur zur Verfügung stellen, mit der die Nutzergemeinde Werke ins Netz stellt), dafür auch eine angemessene Vergütung bezahlen. Angebote, die darauf basieren, fremde Werke zugänglich zu machen, damit viele Klicks hohe Werbeeinnahmen generieren, enteignen die Urheber, deren Werke die Angebote erst attraktiv machen . Hier sind nicht nur die Googles und Youtubes dieser Welt gefordert, sondern alle Anbieter fremder Inhalte Dabei wäre die Lizenzierung solcher Angebote einfach: die Verwertungsgesellschaften können die notwendigen Rechte am Weltreperoire und damit Rechtssicherheit für alle Beteiligten anbieten. Und als Organisationen der Urheber stellen sie sicher, dass die Vergütungen auch tatsächlich bei den Urhebers ankommen - bei einer Verwaltungspauschale von unter 10%!

ANKE SCHIERHOLZ, Justiziarin der VG Bild-Kunst

Der Handelsblatt Expertencall
Thomas Carl Schwoerer, Christoph Teuner, Helmut Thoma, Hans-Hermann Tiedje, Philipp Welte
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Mehr zu: Mein Kopf gehört mir - Statements aus Medienunternehmen

2 Kommentare zu "Mein Kopf gehört mir: Statements aus Medienunternehmen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie viele Piraten leben von Softwareentwicklung? Wie viele plädieren tatsächlich für eine kostenlose Freigabe ihrer Produkte? Die Open Source Bewegung ist ja nur eine kleine Facette der weltweiten Softwareentwicklung.
    Müssten damit nicht alle Piraten für eine autorengerechte Veränderung des Urheberrechtes und eine Veränderung der tatsächlichen Geldströme plädieren?
    bd

  • Die Debatte zwischen "free and open source" ist eine Debatte rund um die Gesellschaft, in der wir langfristig leben wollen - und nicht vorwiegend eine Debatte um Urheberrechte. Es geht um die Frage von freiem Saatgut, die Patentierbarkeit von Lebewesen - und letztlich auch Menschen, den freien Zugang zu Medikamenten (wer erinnert sich nicht an Südafrika und Indien, denen die Pharmakonzerne die Produktion von Generika untersagten und damit Menscheleben bedrohten) und ähnliche Themen - nicht darum, ob der nächste Kommerzhit nicht nur 10 Mal auf unterschiedlichen Ebenen verwertet wird, sondern auch von ein paar Kids heruntergeladen wird.

    Im Namen des "Schutzes der Autoren" werden so schon seit Jahren Gesetze erlassen und Entscheidungen getroffen, die die rechtsstaatliche Balance massiv gefährden.

    Schutzrechte sollen Autoren (ich sage bewußt nicht Rechteverwertern) ermöglichen, von ihrer Arbeit zumindest teilweise zu leben. Hier muß der Schutz gewährleistet sein. Das Urheberrecht gewährt in diesem Sinn sowieso schon weitaus mehr Rechte - bis zu 70 bzw. 90 Jahre NACH dem Tod des Autors.

    Wenn wir die Urheberrechte konsequent umsetzen, dürften wir auch nicht Kafka in der Schule lesen. Er selber wollte, daß sie verbrannt werden - und so hätten sie nie in die Public Domain kommen können - ein Schicksal, daß insbesondere kopiergeschützte Werke in Zukunft erleiden werden. Damit nützen "harte Regelungen" aufbauend auf einem Eigentums- und Rechtsverständnis, daß nicht an die digitale Realität angepasst ist, niemanden, weil sie ins Leere greifen.

    So kann ich auch nur darauf hinweisen, dass jeder kleine "Sieg" zu strengeren Kontrollen und Regelungen so große Kollateralschäden mit sich bringt. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmer werden so für Gesetze streiten, die multinationale Konzerne gegen sie so ausnutzen werden - und die ihre Existenz weit mehr bedrohen als eine Einigung und ein Dialog mit den Downloadern.

    -gh