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Mein Kopf gehört mir Statements von Künstlern

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Leslie Mandoki, Ingrid Müller-Münch, Carolin Otto, Franka Potente, Moritz Rinke

Der Popanz von der Freiheit

Es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass die von der Piratenpartei propagierte „Freiheit im Netz“ von Nichtdenkern und Pseudoprogressiven zu einem neuen Freiheitsgrundrecht stilisiert wird. Was für ein Missverhältnis, wenn die eigentlich Kreativen leer ausgehen, während die Betreiber der Internetplattformen Millionen an der Nutzung ihrer Werke verdienen. Ich finde es höchst bedenklich, dass eine Partei wie die Piratenpartei mit der Forderung nach einer freien Nutzung sämtlicher kreativer Leistungen im Internet Wähler gewinnen kann.

LESLIE MANDOKI, Musikproduzent

Um die Zukunft der Gesellschaft würde es erbärmlich aussehen

Ein Schreiner, der einen Stuhl herstellt; ein Architekt, der ein Gebäude plant; ein Gärtner, der Beete und Rasen pflegt; ein Ingenieur, der einen neuartigen Automotor entwirft  – sie alle investieren hierfür Zeit, Ideen und Kraft. Mit ihrer Arbeit verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt. Genauso handhaben dies Autoren, Schriftsteller, Musiker, Künstler. Wenn sie mit dem, was sie erschaffen, erschreiben, ermalen, erdichten und komponieren zukünftig kein Geld mehr verdienen, weil ihre Werke frei zugänglich im Internet herumfloaten – dann gnade ihnen Gott. Und um die Zukunft einer Gesellschaft, die die Schaffer geistiger Güter nicht mehr honoriert, wird es erbärmlich aussehen. So sehr mir die unkonventionelle Art der Piraten, ihr ungezwungener Umgang mit dem Politestablishment zusagt, so sehr bedaure ich es, dass sie sich an diesem Punkt schlichtweg verrennen. Hier haben sie eine Idee in die Welt gesetzt, die sich als Rohrkrepierer entpuppt.

INGRID MÜLLER-MÜNCH, Autorin von „Die geprügelte Generation – Rohrstock, Kochlöffel und die Folgen“

Deutschland kann es sich nicht leisten, seine Urheber in die Hobbyisierung zu treiben

Jeder Mensch ist ein Künstler“, behauptete Beuys vor vierzig Jahren. Heute will ihm das jeder halbwegs ambitionierte User nachmachen und auch gern Künstler und Urheber sein, das zeigen die teilweise neidvollen und heftigen Reaktionen auf den Offenen Brief der 51 Tatortautoren. Die Reaktionen zeigen aber vor allem, dass die Leute keine Ahnung haben, wie Urheber, die von ihren Werken leben – also Autoren, Musiker, Regisseure oder andere Künstler – ihr Geld verdienen. Nämlich ohne feste Anstellung und Sozialversicherung,  als freie Unternehmer, die jeden Job neu aquirieren müssen. Als Profis in einem freien und oft mehr als harten Markt. Ich habe mein Handwerk gelernt und verstehe mein Werk, das Drehbuch, als Initialzündung für eine ganze Industrie. Wenn Verwerter mit meinem Werk Geld verdienen, will ich beteiligt werden. Internetplattformen ohne Inhalt gibt es nicht. Wenn also google, youtube oder Facebook mit dem von mir oder anderen geschaffenen Inhalten Geld verdienen, müssen wir Urheber beteiligt werden. Für die Abschaffung des Urheberrechts ist nur der Urheber, der nicht von seinen Werken lebt. Deutschland kann es sich nicht leisten, den Großteil seiner Urheber in die Hobbyisierung zu treiben. Dann wird bald auch die deutsche Kultur und das Wissen in unserem Land nur noch ein Hobby sein. Jeder Mensch ist ein Künstler, aber nur ein Bruchteil lebt davon.

CAROLIN OTTO, Drehbuch-Autorin

Ohne Urheberrechte keine Qualität

Auch im Youtube-Zeitalter gilt: ohne Urheberrechte gibt es in Film und Fernsehen keine Qualität. Deshalb sind sie unverzichtbar.

FRANKA POTENTE, Schauspielerin

Dann lieber Enteignung!

Ich schreibe an Romanen, damit sie in den Buchläden liegen und am Ende kommen die Piraten? Nichts gegen neue Demokraten, aber Systemadministratoren, die in Parlamenten an der Enteignung meines geistigen Eigentums arbeiten? Dann lieber die Enteignung durch Merkels Hebelwirkung beim Rettungsschirm!

MORITZ RINKE, Autor

Ulrich Schacht, Frauke Scheunemann, Rayk Wieland, Thomas Weymar, Juli Zeh
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30 Kommentare zu "Mein Kopf gehört mir: Statements von Künstlern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn Sie die "Kreativen" in Anführungszeichen schreiben, so als sei deren Arbeit nur mit einem übertrieben hohem Maß an aufzubringendem Altruismus überhaupt erwähnenswert, scheint da schon ein gewissen Maß an Verachtung durch. Ohne jetzt darauf eingehen zu wollen, welches Studium härter ist, das eines Ingenieurs oder das eines Musikers zum Beispiel würde ich gerne Ihre Vermutung aufgreifen, dass irgendeine Riege der Künstler sich auf irgendetwas ausruhen kann. Klar gibt es vereinzelt Ausnahmen, aber der überwältigende Großteil der Musiker in Deutschland muss mit knapp über 1000,- EUR im Monat auskommen, trägt dabei das komplette unternehmerische Risiko seiner Freiberuflichkeit, muss sich selber versichern, darf nicht krank werden, kann kaum Rücklagen bilden, geschweige denn eine Familie auch nur ansatzweise ernähren und was im Alter noch bleibt verdient kaum die Bezeichnung Rente. Aus irgendeinem Grund scheinen Sie missgünstig zu sein gegenüber Künstlern, von denen Sie meinen, dass sie in Geld schwimmen und dafür kaum was tun müssen. Beide Annahmen sind falsch.

  • Ideenreichtum und Kreativität sind wichtige Bestandteile des Fundamentes, deren Umsetzung und Vermarktung tragende Säulen einer funktionierenden Wirtschaft. Den "Zement", welcher der ganzen Konstruktion seine Stabilität verleiht, stellen Schutzrechte dar. Es wäre nun sehr bedenklich und sogar töricht, wenn man bewusst versuchte an einigen Stellen diesen "Zement" auszuwaschen!

    Martin Ecker, Handwerker

  • @ujf99
    zugegeben, "der mp3 Erfinder" war von mir etwas "vereinfacht" dargestellt. Ich wollte da nicht ausführlich darauf ausgehen sondern nur eine Antwort auf Mortonmensh geben. Denn die grundlegende Aussage bleibt ja richtig: Eine wissenschaftliche Arbeit muss gegen viel Geld geschützt werden, und dieser Schutz besteht dann für maximal 20 Jahre (hängt davon ab wie lange das Patenamt zur Prüfung braucht). Demgegenüber stehen 70 Jahre nach dem Tod beim Urheberrecht - ohne Prüfung etc.
    Dass sich die Patentanmeldungen kaum jemand privat leisten kann bzw. Universitäten / Firmen dann die Lizenzen verkaufen kommt noch dazu (haben Sie ja mit Ihren Links bestätigt). Ich hatte allerdings irgendwo gelesen dass Brandenburg nicht an den Lizenzeinnahmen beteiligt wird, so ist das oft auch üblich (die Gebühr für Patentanmeldung, Anwalt etc. darf verrechnet, auch wenn es eine Diensterfindung ist!), bzw. es findet eine, ich nenne es einmal "Alibivergütung" statt.
    Aber wie gesagt, darum ging es mir nicht primär, sondern darum dass angesichts der irrsinnigen Schutzfristen nicht mehr von Gleichbehandlung gesprochen werden kann.

  • "verlogen" ist genau das richtigte Stichwort

    Ich bin Pirat

  • Ziemlich verlogen, sich damit zu brüsten, der Allgemeinheit etwas zu schenken, und zugleich Anspruch darauf zu erheben, sich etwas von anderen nehmen zu dürfen. Wenn Sie für Open Source-Projekte arbeiten, tun Sie das doch freiwillig. Also kann auch die Gegenleistung nur eine freiwillige sein. Ein Dank, keine Verpflichtung. Niemand kann zur Teilnahme an der Allmende gezwungen werden.

    Wenn Sie sich dann auch noch beschweren, ausgetrickst oder ausgebeutet worden zu sein, wird endgültig klar, dass Sie doch eigentlich auch gerne von der Verwertung Ihres geistigen Eigentums profitiert hätten, nur nicht vif genug waren.

    Was von Ihrem Lamento übrig bleibt, ist ein kleinlicher Reflex: Wenn ich nix kriege, soll der andere auch nix kriegen. Man zertrampelt Sandburgen, weil einem jemand durch die eigene Sandburg getrampelt ist. Eigentlich bekommt man so ein krankes Sozialverhalten schon im Kindergarten abtrainiert. Mer muss jönne könne, sagt der Kölner. Nie gehört, oder?

  • Frau Meyer, erzählen Sie keine rührseligen Fantasiegeschichten über "den" MP3-Erfinder und arme Wissenschaftler!
    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/mein-weg/karlheinz-brandenburg-tonmeister-der-digitalen-revolution-1954516.html
    http://www.tonspion.de/musik/dr-karlheinz-brandenburg/musik/992530
    http://www.gesetze-im-internet.de/arbnerfg/BJNR007560957.html

  • @Mortonmensh

    Alter, wie Krass bist Du denn drauf? Du bist der Einzige der hier irgendwen als besser als Andere darstellt! Du sagst doch dass gefälligst alle für Künstler zu löhnen haben! Und wenn Du das derzeitige Urheberrecht (70jahre nach tod, keine Kosten für den Schutz dieses Rechts) verteidigst, dann diskriminierst Du alle deren Arbeit nicht unter das Urheberrecht fallen (Wissenschaftler, Mediziner, Ingenieure, wen auch immer sonst noch). Deinen dämlichen Spruch muss mann dann wohl wie folgt anpassen: Die Logic des nicht Gönnens eines Ertrages entspringt nur dem Neid und Missgunst des Erfolglosen MORTONMENSH.

  • Musik hat mit Urheberrechte nichts zu tun.
    Denn die Noten wurden ja bestimmt mal von jemanden gespielt.
    Der oder die geht dann Leer aus.
    Über die Texte könnte man reden . Da macht ein Urheberrecht Sinn . Aber in dieser heutigen schnellen Internetzeit gehört das Urheberrecht in der jetzigen Form definitiv auf den Müll.

    Es muss einfach zum Schutze anderer , vor allem der Jugend Neu Formuliert werden.

    Wer das andere sieht ? sieht das alle etwas Kurzsichtig.

    oder ?

  • Frau Burseg zeigt mit diesem Artikel sehr schön, wie tief das Niveau des Handelsblattes gesunken ist.
    Bevor man einen 7-seitigen Artikel veröffentlicht, sollte man sich vorher richtig informieren, bevor man so etwas veröffentlicht.
    Dank dieses Artikels ist die Glaubwürdigkeit des Handelsblattes bei den informierten Usern nun gleich null.

  • den gleichen Gedanken hatte ich irgendwie auch ;)

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