Mein Kopf gehört mir Statements von Künstlern

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Autoren und Schriftstellern.
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DüsseldorfMehr als eine Million Kreative in Deutschland leben von den Einkünften, die ihnen ihre Texte, Lieder, Filme und Patente bringen. Denker, Tüftler und Dichter fordern im Handelsblatt: Auch künftig muss, wer immaterielle Werte schafft, entlohnt werden. Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich der Zukunft.

Jeder Mensch hat das Recht, selbst über seine Ideen zu entscheiden

Ja, mein Kopf gehört mir! Deswegen bin ich absolut der Überzeugung, dass jeder Mensch das Recht hat, selbst zu entscheiden, welche Ideen, mit denen er schwanger geht, er abtreibt und welche er austragen möchte. Bei allem ängstlichen Respekt vor den Piraten dieser Welt wüsste ich allerdings auch nicht, was sie dagegen unternehmen könnten. Ansonsten erscheint mir der Begriff des geistigen Eigentums ein unscharfer Kampfbegriff, da es in der Auseinandersetzung in erster Linie um handfeste Interessen im Kampf um Nutzungs- und Verwertungsrechte geht. Natürlich frage ich mich, inwiefern es "nichtkommerziell" ist, sich etwas umsonst zu besorgen, was eigentlich Geld kostet. Trotzdem möchte ich niemanden hinter Gittern sehen, der nur deshalb zum Verbrecher wurde, weil er etwas von mir lesen wollte, ohne dafür zu bezahlen. Das bitte nicht!

FLORIAN BECKERHOFF, Autor

Kreative Leistungen sind kein Strandgut der Ökonomie

Der Schutz von geistigen und kreativen Leistungen steht nicht zur freien Disposition politischer Parteien oder uns selbst, sie sind kein Strandgut der Ökonomie, auch nicht für 'Piraten' mit ihren Irrlichtern. Der Schutz geistiger Leistung hat Grundrechtsrang sagt das Verfassungsgericht in ständiger Rechtsprechung. Man kann ihn genauso wenig rechtlich beseitigen, wie den Schutz materiellen Eigentums. Noch nicht einmal mit verfassungsändernder Mehrheit. Die Forderungen nach Enteignung der Künstler ist deswegen ebenso politischer Unfug und genauso verfassungswidrig wie es beispielsweise eine Forderung nach Abschaffung der informationellen Selbstbestimmung wäre, das verfassungsrechtliche Grundkonstrukt der Netzfreiheit.

FRED BREINERSDORFER, Drehbuchautor, u. a. „Sophie Scholl – die letzten Tage“

Unterhaltungsindustrie ist echte Knochenarbeit

Komponieren und Texten sind eine verdammt schwierige Sache. Ich habe 320 Titel geschrieben und komponiert, für uns und für andere Künstler. Das ist ein knallhartes Geschäft. Ich habe teilweise 14 Tage an Textzeilen gesessen und am nächsten Tag wieder alles weggeworfen. Mein erster Text den ich geschrieben habe, 1972, war „Der Hund von Baskerville“. Ein Flop als es rauskam, aber 25 Jahre, später ein Kulthit. Die Unterhaltungsindustrie ist echte Knochenarbeit, sich auf die großen Bühnen zu arbeiten. Ein Weg mit wahnsinnigen Höhen und Tiefen. Es ist die höchste Kunst, ein ganzes Publikum auf seine Seite zu ziehen. Das muss auch bezahlt und geschützt werden.

NORBERT BERGER, Musiker vom Schlagerduo Cindy & Bert

Nadeshda Brennicke, Schauspielerin, fordert eine Kontrollinstanz.

Nadeshda Brennicke, Schauspielerin, fordert eine Kontrollinstanz.

Wir brauchen eine Kontrollinstanz

Das Thema Urheberrecht muss differenziert betrachtet werden! Natürlich wünsche ich mir in Zeiten schwindender Gema- und GVL-Ausschüttungen eine klare Kontrollinstanz im Netz.

Trotzdem finde ich es albern, im rein privaten Bereich, zum Beispiel auf Facebook oder an Freunde, keine Videos meiner Lieblingsbands senden zu dürfen, ohne eine Zensur mit der Meldung: „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“ aufgedrängt zu bekommen. Da wünsche ich mir die guten alten Zeiten der Mixtapes zurück. Ich bin ebenso überzeugter Gegner von ACTA, da ich nicht glaube, dass es hier um die Rechte des einzelnen Künstlers geht, sondern um Kontrolle!

NADESHDA BRENNICKE, Schauspielerin

Piraten bedrohen meine Existenz

Ich mag Piraten - wirklich! Wilde Kerle und verwegene Freibeuterinnen entzünden meine schriftstellerische Fantasie. Die Forderung der Piratenpartei nach einer Reform des Urheberrechts bedroht jedoch meine berufliche Existenz. „All for free“, das heißt für mich: Meine schriftstellerische Arbeit ist dem Untergang geweiht. Deshalb: Mein Kopf gehört mir, aber ich teile meine Gedanken gern. Lasst uns miteinander und nicht nur übereinander reden!

KATRIN BURSEG, Autorin

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30 Kommentare zu "Mein Kopf gehört mir: Statements von Künstlern"

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  • Wenn Sie die "Kreativen" in Anführungszeichen schreiben, so als sei deren Arbeit nur mit einem übertrieben hohem Maß an aufzubringendem Altruismus überhaupt erwähnenswert, scheint da schon ein gewissen Maß an Verachtung durch. Ohne jetzt darauf eingehen zu wollen, welches Studium härter ist, das eines Ingenieurs oder das eines Musikers zum Beispiel würde ich gerne Ihre Vermutung aufgreifen, dass irgendeine Riege der Künstler sich auf irgendetwas ausruhen kann. Klar gibt es vereinzelt Ausnahmen, aber der überwältigende Großteil der Musiker in Deutschland muss mit knapp über 1000,- EUR im Monat auskommen, trägt dabei das komplette unternehmerische Risiko seiner Freiberuflichkeit, muss sich selber versichern, darf nicht krank werden, kann kaum Rücklagen bilden, geschweige denn eine Familie auch nur ansatzweise ernähren und was im Alter noch bleibt verdient kaum die Bezeichnung Rente. Aus irgendeinem Grund scheinen Sie missgünstig zu sein gegenüber Künstlern, von denen Sie meinen, dass sie in Geld schwimmen und dafür kaum was tun müssen. Beide Annahmen sind falsch.

  • Ideenreichtum und Kreativität sind wichtige Bestandteile des Fundamentes, deren Umsetzung und Vermarktung tragende Säulen einer funktionierenden Wirtschaft. Den "Zement", welcher der ganzen Konstruktion seine Stabilität verleiht, stellen Schutzrechte dar. Es wäre nun sehr bedenklich und sogar töricht, wenn man bewusst versuchte an einigen Stellen diesen "Zement" auszuwaschen!

    Martin Ecker, Handwerker

  • @ujf99
    zugegeben, "der mp3 Erfinder" war von mir etwas "vereinfacht" dargestellt. Ich wollte da nicht ausführlich darauf ausgehen sondern nur eine Antwort auf Mortonmensh geben. Denn die grundlegende Aussage bleibt ja richtig: Eine wissenschaftliche Arbeit muss gegen viel Geld geschützt werden, und dieser Schutz besteht dann für maximal 20 Jahre (hängt davon ab wie lange das Patenamt zur Prüfung braucht). Demgegenüber stehen 70 Jahre nach dem Tod beim Urheberrecht - ohne Prüfung etc.
    Dass sich die Patentanmeldungen kaum jemand privat leisten kann bzw. Universitäten / Firmen dann die Lizenzen verkaufen kommt noch dazu (haben Sie ja mit Ihren Links bestätigt). Ich hatte allerdings irgendwo gelesen dass Brandenburg nicht an den Lizenzeinnahmen beteiligt wird, so ist das oft auch üblich (die Gebühr für Patentanmeldung, Anwalt etc. darf verrechnet, auch wenn es eine Diensterfindung ist!), bzw. es findet eine, ich nenne es einmal "Alibivergütung" statt.
    Aber wie gesagt, darum ging es mir nicht primär, sondern darum dass angesichts der irrsinnigen Schutzfristen nicht mehr von Gleichbehandlung gesprochen werden kann.

  • "verlogen" ist genau das richtigte Stichwort

    Ich bin Pirat

  • Ziemlich verlogen, sich damit zu brüsten, der Allgemeinheit etwas zu schenken, und zugleich Anspruch darauf zu erheben, sich etwas von anderen nehmen zu dürfen. Wenn Sie für Open Source-Projekte arbeiten, tun Sie das doch freiwillig. Also kann auch die Gegenleistung nur eine freiwillige sein. Ein Dank, keine Verpflichtung. Niemand kann zur Teilnahme an der Allmende gezwungen werden.

    Wenn Sie sich dann auch noch beschweren, ausgetrickst oder ausgebeutet worden zu sein, wird endgültig klar, dass Sie doch eigentlich auch gerne von der Verwertung Ihres geistigen Eigentums profitiert hätten, nur nicht vif genug waren.

    Was von Ihrem Lamento übrig bleibt, ist ein kleinlicher Reflex: Wenn ich nix kriege, soll der andere auch nix kriegen. Man zertrampelt Sandburgen, weil einem jemand durch die eigene Sandburg getrampelt ist. Eigentlich bekommt man so ein krankes Sozialverhalten schon im Kindergarten abtrainiert. Mer muss jönne könne, sagt der Kölner. Nie gehört, oder?

  • Frau Meyer, erzählen Sie keine rührseligen Fantasiegeschichten über "den" MP3-Erfinder und arme Wissenschaftler!
    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/mein-weg/karlheinz-brandenburg-tonmeister-der-digitalen-revolution-1954516.html
    http://www.tonspion.de/musik/dr-karlheinz-brandenburg/musik/992530
    http://www.gesetze-im-internet.de/arbnerfg/BJNR007560957.html

  • @Mortonmensh

    Alter, wie Krass bist Du denn drauf? Du bist der Einzige der hier irgendwen als besser als Andere darstellt! Du sagst doch dass gefälligst alle für Künstler zu löhnen haben! Und wenn Du das derzeitige Urheberrecht (70jahre nach tod, keine Kosten für den Schutz dieses Rechts) verteidigst, dann diskriminierst Du alle deren Arbeit nicht unter das Urheberrecht fallen (Wissenschaftler, Mediziner, Ingenieure, wen auch immer sonst noch). Deinen dämlichen Spruch muss mann dann wohl wie folgt anpassen: Die Logic des nicht Gönnens eines Ertrages entspringt nur dem Neid und Missgunst des Erfolglosen MORTONMENSH.

  • Musik hat mit Urheberrechte nichts zu tun.
    Denn die Noten wurden ja bestimmt mal von jemanden gespielt.
    Der oder die geht dann Leer aus.
    Über die Texte könnte man reden . Da macht ein Urheberrecht Sinn . Aber in dieser heutigen schnellen Internetzeit gehört das Urheberrecht in der jetzigen Form definitiv auf den Müll.

    Es muss einfach zum Schutze anderer , vor allem der Jugend Neu Formuliert werden.

    Wer das andere sieht ? sieht das alle etwas Kurzsichtig.

    oder ?

  • Frau Burseg zeigt mit diesem Artikel sehr schön, wie tief das Niveau des Handelsblattes gesunken ist.
    Bevor man einen 7-seitigen Artikel veröffentlicht, sollte man sich vorher richtig informieren, bevor man so etwas veröffentlicht.
    Dank dieses Artikels ist die Glaubwürdigkeit des Handelsblattes bei den informierten Usern nun gleich null.

  • den gleichen Gedanken hatte ich irgendwie auch ;)

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