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Mein Kopf gehört mir Statements von Verbänden

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Verbandsvertretern.
3 Kommentare

DüsseldorfMehr als eine Million Kreative in Deutschland leben von den Einkünften, die ihnen ihre Texte, Lieder, Filme und Patente bringen. Denker, Tüftler und Dichter fordern im Handelsblatt: Auch künftig muss, wer immaterielle Werte schafft, entlohnt werden. Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich der Zukunft.

Wirtschaftliche Ahnungslosigkeit

Könnten deutsche Unternehmen ohne wirksamen Patent- und Urheberschutz ihre Spitzenpositionen im weltweiten Wettbewerb halten? Wohl kaum. Die von den Firmen für Forschung und Entwicklung investierten Millionensummen ließen sich nicht mehr am Markt einspielen. Die Piraten-Partei offenbart mit ihren Forderungen ein erschreckendes Maß an wirtschaftlicher Ahnungslosigkeit. Sie ignoriert, dass gerade die F&E-Abteilungen mit hochwertigen Arbeitsplätzen in Deutschland verblieben sind, während längst global produziert wird. Technischer Fortschritt ist weit mehr als Schwarmintelligenz.

STEFAN HEIDBREDER, Geschäftsführer Stiftung Familienunternehmen

Essenz der Demokratie

„Wenn Urheber und Werkmittler, wie zum Beispiel Verlage, ihrer Leistungen beraubt werden, kann keine vielfältige Medienlandschaft existieren. Der Schutz des geistigen Eigentums ist eine zivilisatorische Errungenschaft – wie die Demokratie.“

HELMUT HEINEN, Zeitungsverleger und Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV)

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident. Quelle: dpa

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Präsident.

(Foto: dpa)

Chaoten im Piratenkostüm

Der Erfolg der “Piraten” sagt viel über den Zustand unserer Gesellschaft. Chefredakteure feiern sie als Bereicherung unserer Politik, Talk-Show Moderatoren sind völlig aus dem Häuschen, und unsere Politiker biedern sich bei diesen „interessanten“ Gesprächspartnern schon mal als potenzielle Koalitionspartner an. Schon ein, zwei Blicke auf deren noch unvollständiges Programm zeigen, dass wir es hier weniger mit Piraten als mit Chaoten im Piratenkostüm zu tun haben. Dabei ist deren Forderung nach „Rente ab Geburt“ noch relativ harmlos. Diesen Unsinn propagiert sogar der Eigentümer einer Drogeriekette. Die von den Piraten geforderte „freie Nutzung“ kreativer und gedanklicher Leistungen entlarvt sie als die Partei für Diebe geistigen Eigentums. Nach ihren Plänen müssten Komponisten, Musiker, Schriftsteller, Designer, Softwareingenieure, Programmierer und Konstrukteure kostenlos arbeiten. Sie übersehen: wenn man alles plagiieren kann, wird es bald auch keine Originale mehr geben. Eigentlich die ideale politische Heimat für Karl-Theodor zu Guttenberg.

HANS-OLAF HENKEL, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)

Wir setzen viel aufs Spiel

Permanenz, Öffentlichkeit und Auswahl unter vielen - das sind die Standards, die das Buch- und Verlagswesen zum unverzichtbaren Element neuzeitlicher Kultur haben werden lassen. Grundlage dieser Kultur ist das aktuelle Urheberrecht. Wenn wir es infrage stellen, setzen wir viel aufs Spiel. Geistiges Eigentum sichert erst die kulturelle Vielfalt. Deshalb kann eine aufgeklärte Kulturnation auf das Urheberrecht nicht verzichten.

GOTTFRIED HONNEFELDER, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Bedrohung für die Kreativität
Die Ablehnung von geistigem Eigentum bedroht Leistungsanreize, Kreativität und Innovation. Hier zeigt sich für mich eine Lücke im Freiheitsverständnis der Piratenpartei. Wir werden hier die Auseinandersetzung in der Sache suchen. Ich weiß noch zu wenig von den Piraten, und umgekehrt wissen die Piraten wohl auch zu wenig von der Wirtschaft, wie sie selbst einräumen.

HANS-PETER KEITEL, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)

Christian Köhler, Marie-Christine Ostermann, Clemens Pflanz, Prof. Rüdiger von Rosen, Alexander Thies, Utz Tillmann

Ohne Schutz verliert eine Gesellschaft ihre Kultur

Deutschland bezieht seinen Wohlstand nicht aus Rohstoffen, sondern aus dem Wissen und der Kreativität der Menschen. Daher kann Produkt- und Markenpiraterie niemals ein Kavaliersdelikt sein. Neben wirtschaftlichen Schäden schafft Produkt- und Markenpiraterie kriminelle Strukturen, beschädigt gesellschaftliche Wertesysteme und verhindert freie Märkte und fairen Wettbewerb. Dieses kriminelle Handwerk zersetzt Vertrauen, Identität und Kultur weit über Unternehmen hinaus und wirkt so als spitzer Sargnagel für viele Elemente einer offenen Gesellschaft. Es ist eine Illusion zu glauben, dass Werte geschaffen werden, wenn diese nicht auch die eigene Existenz ermöglichen. Genau dies wird aber bei einer Entrechtung der Kreativ- und Wissenschaffenden die Folge sein. Ohne den Schutz der Kreativ- und Wissensschaffenden verliert eine Gesellschaft ihre Kultur und Identität.

CHRISTIAN KÖHLER, Hauptgeschäftsführer Markenverband e.V.

Neue Form von Sozialismus

Wer für Werte wie Freiheit, Eigentum und Verantwortung steht, kann das Piraten-Ansinnen nicht gutheißen, geistiges Eigentum zu enteignen. Ein solcher Politik-Ansatz ist nicht nachhaltig. Damit wird schon auf mittlere Sicht der Prozess der Bildung geistigen Eigentums abgedrosselt. Ich unterstütze die Aktion des Handelsblatts zur Verteidigung geistigen Eigentums uneingeschränkt. Hier begegnet uns eine neue, auf unserer Zeit zugeschnittene Form von Sozialismus. Setzt sich das durch, weil die Mehrheit sich nicht sofort betroffen fühlen mag, werden zuletzt alle darunter leiden. Denn es würden weniger gute Ideen und Innovationen umgesetzt werden. Ich fordere: „Schützt unsere Köpfe, schützt unseren Wohlstand“. Sonst werden wir die harten Herausforderungen der Zukunft noch weniger meistern können, wie z. B. die steigenden Staatsschulden, den Demographie-Niedergang und die Energiewende.

MARIE-CHRISTINE OSTERMANN, Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer

Gefahr für neue Ideen

Der Kreativsektor in Europa ist ein wichtiger Wachstumstreiber für die Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit Europas, der Arbeitsplätze schafft und Umsätze auch im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld generiert. Die Aufhebung des Schutzes geistigen Eigentums wäre nicht nur eine Gefahr für die einzelnen Marken, sondern auch für die Weiterentwicklung von Ideen.

CLEMENS PFLANZ, Gründer und Vorstand Meisterkreis, Vereinigung von über 50 nationalen und internationalen Luxusmarken in Deutschland.

Wehret den Anfängen

Wem wenn nicht Personen sollen Ideen denn gehören? Mit ihren Forderungen zerstören die Piraten die Grundlagen unserer Gesellschaftsordnung. Wenn Wissen für jedermann kostenfrei verfügbar gemacht wird, wird früher oder später keiner mehr in die Schaffung von Wissen investieren. Letztlich fordern die Piraten die Enteignung aller geistig Arbeitenden. Wer geistiges Eigentum in Frage stellt bzw. negiert, schreckt auch vor materiellem Eigentum nicht zurück. Diesen schleichenden Prozess erleben wir übrigens auf vielen Gebieten. Selbst unsere staatstragenden Parteien stellen Rechte der Aktionäre in Frage, was auf eine kalte Enteignung hinausläuft. Ich kann nur generell sagen: Wehret den Anfängen.

PROF. RÜDIGER VON ROSEN, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts

Schnorrer-Mentalität
Die sogenannte "Umsonst-Kultur" speist sich aus einer weitverbreiteten Schnorrer-Mentalität. Dagegen setzen wir Rechteinhaber den weiteren Ausbau legaler Angebote, wie er bereits erfolgreich vorangetrieben wurde. Der kann aber nur dann nachhaltig wirken, wenn man sich endlich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzt, wie in einer freiheitlichen Wissensgesellschaft die Interessen der Urheber und Verwerter mit denen der Nutzer in Einklang gebracht werden sollen. Diese Frage ist in der Tat entscheidend für die Existenzgrundlage der Schöpfer geistigen Eigentums - vom Poeten bis zum Produzenten.

ALEXANDER THIES, Vorsitzender des Gesamtvorstands der  Produzentenallianz

Investition braucht Innovation

Die chemische Industrie ist auf einen wirksamen Schutz geistigen Eigentums angewiesen. Da Deutschland weder über Rohstoffe noch Energie verfügt, sichern die kreativen Ideen unserer Forscher die Zukunft des Industrielandes Deutschland. Dafür investiert die Branche jährlich fast neun Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Diese Investitionen würden in den Sand gesetzt, wenn wir geistiges Eigentum verschenken.

Investitionen und Innovationen bedingen sich gegenseitig. Viele Produkte, die heute schon dabei helfen, drängende Probleme wie den Klimawandel oder die Welternährung zu lösen, würden dann fehlen. Deutschland ist es daher nicht nur seinen Erfindern und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft schuldig, geistiges Eigentum angemessen zu schützen.

UTZ TILLMANN, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Indsutrie

  • mdo
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3 Kommentare zu "Mein Kopf gehört mir: Statements von Verbänden"

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  • http://www.ted.com/talks/larry_lessig_says_the_law_is_strangling_creativity.html

  • Geistiges Eigentum und Piraten:
    Erst mal lesen, was die Piraten (Bundepartei) dazu sagen:
    (http://wiki.piratenpartei.de/Geistiges_Eigentum)
    Geistiges Eigentum
    Aus Piratenwiki
    „Geistiges Eigentum“ (engl.: Intellectual Property) ist ein unscharfer Sammelbegriff diverser Schutzrechte, deren Gemeinsamkeit der Schutz immaterieller Dinge ist. Die Formulierung wird besonders gerne von den Lobbyisten der Verwertungsindustrie verwendet, sehr gerne auch mit dem Verweis auf das „natürliche“ Eigentumsrecht der Urheber (an dem sie sich selbst so gerne laben).

    Der Begriff sollte von Piraten nicht verwendet werden, denn er suggeriert eine Äquivalenz zu „normalem“ Eigentum, jedoch ähneln Schutzrechte an Ideen eher Monopol- und Kontrollrechten.

    Der rechtlich korrekte Begriff ist Immaterialgüterrechte. Auch dieser umfasst allerdings mehrere völlig unterschiedliche Konzepte und könnte zu der Auffassung führen, dass diese alle gleich zu behandeln sind. Eine aus Piratensicht geeignetere Bezeichnung ist geistige Monopolrechte oder ironisch: imaginäres Eigentum.

    mfg
    Robert Pirat aus Hamburg

  • Die Debatte zwischen "free and open source" ist eine Debatte rund um die Gesellschaft, in der wir langfristig leben wollen - und nicht vorwiegend eine Debatte um Urheberrechte. Es geht um die Frage von freiem Saatgut, die Patentierbarkeit von Lebewesen - und letztlich auch Menschen, den freien Zugang zu Medikamenten (wer erinnert sich nicht an Südafrika und Indien, denen die Pharmakonzerne die Produktion von Generika untersagten und damit Menscheleben bedrohten) und ähnliche Themen - nicht darum, ob der nächste Kommerzhit nicht nur 10 Mal auf unterschiedlichen Ebenen verwertet wird, sondern auch von ein paar Kids heruntergeladen wird.

    Im Namen des "Schutzes der Autoren" werden so schon seit Jahren Gesetze erlassen und Entscheidungen getroffen, die die rechtsstaatliche Balance massiv gefährden.

    Schutzrechte sollen Autoren (ich sage bewußt nicht Rechteverwertern) ermöglichen, von ihrer Arbeit zumindest teilweise zu leben. Hier muß der Schutz gewährleistet sein. Das Urheberrecht gewährt in diesem Sinn sowieso schon weitaus mehr Rechte - bis zu 70 bzw. 90 Jahre NACH dem Tod des Autors.

    Wenn wir die Urheberrechte konsequent umsetzen, dürften wir auch nicht Kafka in der Schule lesen. Er selber wollte, daß sie verbrannt werden - und so hätten sie nie in die Public Domain kommen können - ein Schicksal, daß insbesondere kopiergeschützte Werke in Zukunft erleiden werden. Damit nützen "harte Regelungen" aufbauend auf einem Eigentums- und Rechtsverständnis, daß nicht an die digitale Realität angepasst ist, niemanden, weil sie ins Leere greifen.

    So kann ich auch nur darauf hinweisen, dass jeder kleine "Sieg" zu strengeren Kontrollen und Regelungen so große Kollateralschäden mit sich bringt. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmer werden so für Gesetze streiten, die multinationale Konzerne gegen sie so ausnutzen werden - und die ihre Existenz weit mehr bedrohen als eine Einigung und ein Dialog mit den Downloadern.

    -gh

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