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Mein Kopf gehört mir Statements von Künstlern

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Tobias Künzel, Thomas Letocha, Marcus Loeber, Markus Lüpertz, Birgit Lutz

Arbeit, nicht Hobby

Wenn professionelle Kreativität nur noch darin bestehen soll, die besten Mittel und Wege zu finden, kostenlos an die Ideen anderer zu kommen, oder auf der anderen Seite irgendwie sein geistiges Eigentum vor Kriminellen zu schützen, könnte ich meine eigentliche Arbeit in Zukunft also nur noch als Hobby betreiben, da ich ja die meiste Zeit damit beschäftigt sein würde aufzupassen, dass mir keiner meine Ideen klaut. Wem nützt das?

Und sind die echten „Piraten“ nun eigentlich die lustigen Freibeuter aus dem Hollywood-Film oder doch eher die Leute, die vor der Küste Somalias rauben und morden? Ich kann ja mal bei Google nachfragen.

TOBIAS KÜNZEL, Frontmann der „Prinzen“ und Komponist

Spuren erhalten

Sollte es wirklich Menschen geben, die in einer Welt ohne die Spuren von Miles Davis, Günther Grass, Woody Allen, Nick Hornby, Annett Louisan, Gaby Hauptmann, Dieter Hildebrandt, Diana Krall oder vielen anderen leben wollen? Ich nicht!

THOMAS LETOCHA, Autor und Drehbuchautor

Gegen Enteignung

Nach dem Grundgesetz ist das geistige Eigentum genau so geschützt wie das materielle Eigentum. Es ist ein Besitzrecht und über dieses kann der Kreative allein verfügen. Es kann ferner vererbt werden. Beim geistigen Eigentum ist dann der Rechtsnachfolger der neue Eigentümer. Auch sein ganzes Leben soll er das Erbe auswerten können. Daher kommt die 70-Jahre-Regelung. Die Abschaffung der Schutzfrist beim geistigen Eigentum käme einer Enteignung der Nachfahren jedes Urhebers gleich. Die Idee hat nichts mit geistigem Eigentum zu tun! Nicht jede Idee ist schutzfähig. Sie muss die Schöpfungshöhe erreichen, sonst würde das eintreten, was besonders von der Piratenpartei an der falschen Stelle beanstandet wird: Die Vernichtung der kulturellen Weiterentwicklung. Geistiges Eigentum entsteht erst, wenn eine gewisse Hürde von Anforderungen überwunden ist. Die Gesetze stellen deutliche Ansprüche an das Entstehen dieses Anspruchs. Nicht jede kleine Idee ist daher zwingend schutzfähig. Einem Urheber seine Rechte auf Vergütung zu nehmen ist zu vergleichen mit dem Haus- Erbauer, dem es verboten wird, sein Haus ein Leben lang zu vermieten. Nein, er soll es sogar kostenlos vermieten! Die Abschaffung der Schutzfristen oder andere signifikante Änderungen im Bereich des geistigen Eigentums könnten System- relevante Effekte für die die Wirtschaftsordnung hervorrufen, da es in diesem Bereich auch die Marken- und  Patentrechte gibt. Niemand wird dazu gezwungen, für die Nutzung seines geistigen Eigentums Geld zu verlangen. Wer seine Kreativität unbedingt verschenken will, der soll es gern tun. Allerdings darf man vermuten, dass es sich da nicht um Kreative handelt, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Alle anderen sind durch die Gesetze davor geschützt, ihr Eigentum verschenken zu müssen! Die "Umsonst - Kultur " ist das zwangsläufige Resultat unüberlegter Entwicklungen im EDV- Markt. Die Büchse der Pandora wurde spätestens mit der freien Verfügbarkeit von MP3 geöffnet. Diese Büchse kann man bekanntlich nicht wieder verschließen.

MARCUS LOEBER, Komponist, Produzent und Pianist

Markus Lüpertz, Künstler. Quelle: dapd

Markus Lüpertz, Künstler.

(Foto: dapd)

Welche Schreihälse

Es ist kein Wunder, dass man versucht, mit diesen lieblosen Maschinen die Indiskretion zu legalisieren. Ist Befreiung hier ein Versuch, die Eigenverantwortung auf ein beliebiges, demokratisches Miteinander abzuwälzen ? Dieses geforderte Recht auf totalen Zugang schafft die Frage ab, vernichtet Geheimnisse und lässt dunkele Ahnungen verblöden. Man kann sich nur wünschen, dass diese Schreihälse sich selbst vergessen.

MARKUS LÜPERTZ, Künstler

Eine Welt der Umsonstkultur ist arm

Der möglichst freie Zugang zu Wissen ist zweifelsohne einer der größten Nutzen des Internets. Dieser Nutzen beginnt sich aber ins Gegenteil zu verkehren, wenn nun diejenigen benachteiligt werden, die die "Inhalte" produzieren. Musiker, Fotografen, Schriftsteller leben vom Verkauf ihrer Werke. Es wird eine arme Welt sein, in der die einzig übrig gebliebene Kultur die Umsonstkultur ist.

BIRGIT LUTZ, Buchautorin und Arktisexpertin

Leslie Mandoki, Ingrid Müller-Münch, Carolin Otto, Franka Potente, Moritz Rinke
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Mehr zu: Mein Kopf gehört mir - Statements von Künstlern

30 Kommentare zu "Mein Kopf gehört mir: Statements von Künstlern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn Sie die "Kreativen" in Anführungszeichen schreiben, so als sei deren Arbeit nur mit einem übertrieben hohem Maß an aufzubringendem Altruismus überhaupt erwähnenswert, scheint da schon ein gewissen Maß an Verachtung durch. Ohne jetzt darauf eingehen zu wollen, welches Studium härter ist, das eines Ingenieurs oder das eines Musikers zum Beispiel würde ich gerne Ihre Vermutung aufgreifen, dass irgendeine Riege der Künstler sich auf irgendetwas ausruhen kann. Klar gibt es vereinzelt Ausnahmen, aber der überwältigende Großteil der Musiker in Deutschland muss mit knapp über 1000,- EUR im Monat auskommen, trägt dabei das komplette unternehmerische Risiko seiner Freiberuflichkeit, muss sich selber versichern, darf nicht krank werden, kann kaum Rücklagen bilden, geschweige denn eine Familie auch nur ansatzweise ernähren und was im Alter noch bleibt verdient kaum die Bezeichnung Rente. Aus irgendeinem Grund scheinen Sie missgünstig zu sein gegenüber Künstlern, von denen Sie meinen, dass sie in Geld schwimmen und dafür kaum was tun müssen. Beide Annahmen sind falsch.

  • Ideenreichtum und Kreativität sind wichtige Bestandteile des Fundamentes, deren Umsetzung und Vermarktung tragende Säulen einer funktionierenden Wirtschaft. Den "Zement", welcher der ganzen Konstruktion seine Stabilität verleiht, stellen Schutzrechte dar. Es wäre nun sehr bedenklich und sogar töricht, wenn man bewusst versuchte an einigen Stellen diesen "Zement" auszuwaschen!

    Martin Ecker, Handwerker

  • @ujf99
    zugegeben, "der mp3 Erfinder" war von mir etwas "vereinfacht" dargestellt. Ich wollte da nicht ausführlich darauf ausgehen sondern nur eine Antwort auf Mortonmensh geben. Denn die grundlegende Aussage bleibt ja richtig: Eine wissenschaftliche Arbeit muss gegen viel Geld geschützt werden, und dieser Schutz besteht dann für maximal 20 Jahre (hängt davon ab wie lange das Patenamt zur Prüfung braucht). Demgegenüber stehen 70 Jahre nach dem Tod beim Urheberrecht - ohne Prüfung etc.
    Dass sich die Patentanmeldungen kaum jemand privat leisten kann bzw. Universitäten / Firmen dann die Lizenzen verkaufen kommt noch dazu (haben Sie ja mit Ihren Links bestätigt). Ich hatte allerdings irgendwo gelesen dass Brandenburg nicht an den Lizenzeinnahmen beteiligt wird, so ist das oft auch üblich (die Gebühr für Patentanmeldung, Anwalt etc. darf verrechnet, auch wenn es eine Diensterfindung ist!), bzw. es findet eine, ich nenne es einmal "Alibivergütung" statt.
    Aber wie gesagt, darum ging es mir nicht primär, sondern darum dass angesichts der irrsinnigen Schutzfristen nicht mehr von Gleichbehandlung gesprochen werden kann.

  • "verlogen" ist genau das richtigte Stichwort

    Ich bin Pirat

  • Ziemlich verlogen, sich damit zu brüsten, der Allgemeinheit etwas zu schenken, und zugleich Anspruch darauf zu erheben, sich etwas von anderen nehmen zu dürfen. Wenn Sie für Open Source-Projekte arbeiten, tun Sie das doch freiwillig. Also kann auch die Gegenleistung nur eine freiwillige sein. Ein Dank, keine Verpflichtung. Niemand kann zur Teilnahme an der Allmende gezwungen werden.

    Wenn Sie sich dann auch noch beschweren, ausgetrickst oder ausgebeutet worden zu sein, wird endgültig klar, dass Sie doch eigentlich auch gerne von der Verwertung Ihres geistigen Eigentums profitiert hätten, nur nicht vif genug waren.

    Was von Ihrem Lamento übrig bleibt, ist ein kleinlicher Reflex: Wenn ich nix kriege, soll der andere auch nix kriegen. Man zertrampelt Sandburgen, weil einem jemand durch die eigene Sandburg getrampelt ist. Eigentlich bekommt man so ein krankes Sozialverhalten schon im Kindergarten abtrainiert. Mer muss jönne könne, sagt der Kölner. Nie gehört, oder?

  • Frau Meyer, erzählen Sie keine rührseligen Fantasiegeschichten über "den" MP3-Erfinder und arme Wissenschaftler!
    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/mein-weg/karlheinz-brandenburg-tonmeister-der-digitalen-revolution-1954516.html
    http://www.tonspion.de/musik/dr-karlheinz-brandenburg/musik/992530
    http://www.gesetze-im-internet.de/arbnerfg/BJNR007560957.html

  • @Mortonmensh

    Alter, wie Krass bist Du denn drauf? Du bist der Einzige der hier irgendwen als besser als Andere darstellt! Du sagst doch dass gefälligst alle für Künstler zu löhnen haben! Und wenn Du das derzeitige Urheberrecht (70jahre nach tod, keine Kosten für den Schutz dieses Rechts) verteidigst, dann diskriminierst Du alle deren Arbeit nicht unter das Urheberrecht fallen (Wissenschaftler, Mediziner, Ingenieure, wen auch immer sonst noch). Deinen dämlichen Spruch muss mann dann wohl wie folgt anpassen: Die Logic des nicht Gönnens eines Ertrages entspringt nur dem Neid und Missgunst des Erfolglosen MORTONMENSH.

  • Musik hat mit Urheberrechte nichts zu tun.
    Denn die Noten wurden ja bestimmt mal von jemanden gespielt.
    Der oder die geht dann Leer aus.
    Über die Texte könnte man reden . Da macht ein Urheberrecht Sinn . Aber in dieser heutigen schnellen Internetzeit gehört das Urheberrecht in der jetzigen Form definitiv auf den Müll.

    Es muss einfach zum Schutze anderer , vor allem der Jugend Neu Formuliert werden.

    Wer das andere sieht ? sieht das alle etwas Kurzsichtig.

    oder ?

  • Frau Burseg zeigt mit diesem Artikel sehr schön, wie tief das Niveau des Handelsblattes gesunken ist.
    Bevor man einen 7-seitigen Artikel veröffentlicht, sollte man sich vorher richtig informieren, bevor man so etwas veröffentlicht.
    Dank dieses Artikels ist die Glaubwürdigkeit des Handelsblattes bei den informierten Usern nun gleich null.

  • den gleichen Gedanken hatte ich irgendwie auch ;)

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