Merkels Europapolitik Versailles ohne Krieg

Sparen und bestrafen, das sind die Schlüsselwörter der Kanzlerin. Und in ihrem Diktat bleibt sie hart. Warum die Politik der Strenge, wie sie Merkel gegenüber den Schuldnerstaaten betreibt, den deutschen Interessen schadet.
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Kanzlerin Merkel auf dem EU-Gipfel Ende Oktober: Schadenfreude begründet kein deutsches Interesse. Quelle: Reuters

Kanzlerin Merkel auf dem EU-Gipfel Ende Oktober: Schadenfreude begründet kein deutsches Interesse.

(Foto: Reuters)

"Ich bin der Überzeugung, dass die Menschen in unserem Land unbedingt verstehen müssen, wie komplex die Situation ist, anstatt sich von Vorurteilen, Wut oder starken Gefühlen leiten zu lassen. Die Zukunft der ganzen Welt hängt davon ab, dass wir die Situation richtig einschätzen. Was sind die dominierenden Faktoren? Was muss getan werden?"

So sprach US-Außenminister George C. Marshall. Am 5. Juni 1947 hielt er seine große Rede. Amerika wollte weg von seiner Politik der Reparationsforderungen und des ökonomischen In-die-Knie-Zwingens eines Landes, das doch längst am Boden war. Stattdessen redete hier ein US-Spitzenpolitiker von Wiederaufbau. Wenn Ludwig Erhard der Vater des deutschen Wirtschaftswunders war, dann war Marshall der Großvater. Ohne diesen strategischen Schwenk von hart auf weich hätte Deutschland den Weg zurück zum Wohlstand niemals finden können.

Wir wissen das. Wir rechnen den Amerikanern ihre Hilfe zur Selbsthilfe hoch an. Aber wir lernen daraus nichts für die Lösung der Probleme unserer Zeit. Die deutsche Regierung jedenfalls geht mit wachsender Entschlossenheit den anderen Weg. Sie versucht, die am Boden liegenden Schuldenstaaten noch tiefer nach unten zu zwingen. Sparen und bestrafen, das sind die Schlüsselwörter der Kanzlerin. Auf dem CDU-Parteitag rühmte sie sich, den Griechen "strenge Bedingungen" diktiert zu haben. Gestern kündigte sie erneut an, dass private Gläubiger mit Kreditausfall rechnen müssten, womit die Zinslast für die betroffenen Staaten sich weiter erhöht. Merkel bleibt hart: "Die Strenge ist notwendig", sagte sie.

Natürlich haben Griechen, Iren, Portugiesen und auch die Spanier über ihre Verhältnisse gelebt. Sie haben geschummelt, sie haben sich und uns allen Illusionen gemacht, sie haben einen schläfrigen Staat genährt. Alles wahr! Alles richtig! Und die privaten Banken haben ihnen dabei geholfen. Auch das ist unbestreitbar.

Wir können daran weiter unser Mütchen kühlen. Aber Schadenfreude begründet kein deutsches Interesse. Unsere Interessen - die Rückzahlung der Schulden, die Stabilität der Banken und der Erhalt der Euro-Zone - werden wir so niemals durchsetzen.

Die aufgezwungenen Sparpakete und die Drohung gegenüber den Gläubigern werden sogar das Gegenteil bewirken: Am Ende haben die betroffenen Staaten mehr Schulden, die Banken leben in größter Unsicherheit, und Europa fällt zurück in das, was es lange war: ein Ort, dessen Bewohner sich auf den Tod nicht ausstehen konnten.

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111 Kommentare zu "Merkels Europapolitik: Versailles ohne Krieg"

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  • M.Steer

    ...ganz zu schweigen von dem Parteienglüngel und der Korruption.

  • M. Steer

    Zitat: "Anstatt nach China könnte so mancher deutsche Konzern doch auch einen Zweigbetrieb in Griechenland aufbauen, das wäre ein beitrag zu Europa"

    ich kann Dir sagen warum. Weil die griechischen Arbeiter ein ähnliches Gehalt wie die deutschen Arbeiter beanspruchen. Warum sie allerdings mehr verdienen wollen als ein bulgare oder ein Rumäne, worin ihre Mehr-Leistung besteht bleibt ein Rätsel. Die Unternehmen gehen in alle anderen Nachbarländer GRs, aber in GR können sie nicht Fuß fassen.

  • sehr geehrte Frau Steer,
    ich kann ihnen nur voll und ganz zustimmen !
    Was Herr Steingart da zusammenschreibt, läßt an seinem wirtschaftlichen Verstand zweifeln. Nach der Lektüre seiner bücher hätte ich von ihm mehr erwartet. Seine Vorschläge führen in den Geldsozialismus und die EU-Diktatur mit der Folge einer gigantischen Pleite für die Völker Europas.

  • Herr Steingart,
    den Marshallplan mit der Eurokrise heute zu vergleichen, ist merh als abenteuerlich, zeigt mir, dass Sie wenig Ahnung haben von der Zeit nach dem Krieg. Ein solcher Vergleich ist derart hergeholt, dass ich da schon sehr staunen muß
    Fakt ist, dass die gesamten Ostblockländer nach Fall des eisernen Vorhangs viel zu schnell in die EU und z. T. in die Euro-Zone aufgenommen wurden.
    Fakt ist auch, dass Griechenland z. b. nur eine Ankurbelung der Wirtschaft helfen kann.
    Anstatt nach China könnte so mancher deutsche Konzern doch auch einen Zweigbetrieb in Griechenland aufbauen, das wäre ein beitrag zu Europa. Warum wirbt diese FDJ-Kanzlerin nicht hierfür?
    Fakt ist aber auch, dass Europa nicht zur Transferunion verkommen kann, das war nie angedacht.
    im übrigen sind solche Transferzahlungen grndsätzlich kontraporoduktiv. Wir sehen es in Deutschland. Warum soll berlin sich anstrengen, das Geld kommt doch von den anderen bundesländern.
    Also eine EU zu einer Transferunion zu machen, ist der falsche Weg.
    Fakt ist ferner auch, dass Europa heute eine Diktatur aus brüssel ist mit allen Nachteilen, wie sie nun sichtbar werden.
    Die großen Staatsmänner Adenauer und De Gaulle die seinerzeit die EWG ins Leben riefen, wären entsetzt, was daraus gemacht wurde.
    Und wenn Sie Erhard mit ins Spiel bringen, so haben Sie Erhard ebenfalls nicht verstanden. Auch Erhard wäre entsetzt und Erhard würde solche Transfers ablehnen.
    Es gibt nur einen Weg alle Länder wieder zu entschulden und zu selbständigem Handeln und Wirtschaften zurück zu führen: Auflösung der derzeitigen diktatorischen EU, die über ganz Europa eine Planwirtschaft verhängt hat, zurück zu alten EU (EWG) also eine europ. Wirtschaftsgmeineschaft mir freiem Handel ohne Zölle und beschränkungen.
    Raus aus dem Euro, der ein Kunstgeld ist.
    Es wr ein Verbrechen, der größte kriminelle Akt, der je von Politiker nach dem Krieg gemacht wurde, Länder mit unterschiedlichen Wirtschaften ein Geld aufzuzwingen.
    Der Euro wurde mit einer Kriegsdrohung von Mitterand erzwungen von Kohl.
    Es wird Zeit, dass gute Politiker, gute Diplomaten mit den Franzosen das Gespräch suchen und wir diesen Unsinn beenden und zwar zum Wohle von ganz Europa

    Und Herr Steingart, Sie sollgten mal überlegen, ob Sie beim Handelsblatt wirklich richtig sind. Sie reden immer noch stramm links, aber für sich slebst natürlich kapitalistisch, also ganz wie der Spiegel

  • @Arminius

    Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es stimmt ja nicht das DE Exporte an EU Mitgliedstaaten steigen wenn mehr in die EU Kasse eingezahlt wird.

  • Die EU hat jahrelang eine immobilienkrise in Spanien finanziert. Diese naive Geldpolitik der EU hat nun mitzuverantworten das Spanien gewaltige wirtschaftliche Probleme hat. Profitiert von der immobilienkrise hat ACS, die koennen es sich nun leisten Hochtief zu kaufen.

  • @Arminius:Sie vergleichen Äpfeln mit birnen. Exporte sind kein Geschenk, sondern ein Geschäft Geld gegen Ware, von dem beide Seiten profitieren. Wenn wir die Schulden der iren oder Griechen übernehmen ist das ein Geschenk. in einer Nettobetrachtung würden wir unsere Waren gratis abgeben. Getragen werden diese Geschenke von ihnen und von mir, also den Steuerzahlern.

  • Deutschland als Nettozahler?
    Deutschland exportierte im Jahr 2009 insgesamt Waren und Güter im Wert von 348 Milliarden Euro in die Länder der Eurozone. Damit sichert der Euro-binnenmarkt 5,5 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland. Die 8,8 Milliarden Euro die Deutschland Netto in die EU-Kasse zahlt sind im Verhältnis zum Exportüberschuss Peanuts.

  • Diese Krise zeigt uns eins: Ohne eine echte politische Union wird Europa nicht überleben. Das „Prinzip der Eigenverantwortung der Mitglieder der Eurozone“ ist die Lebenslüge konservativer Politiker in Deutschland. Europa braucht vielmehr eine demokratische Regierung, die die interessen aller bürger gegen die Dummheit und Einzelinteressen nationaler Regierungen verteidigt.

  • Am Ende bleibt DE doch der Zahlmeister. ** basierend auf den Aeusserungen der britischen Aussenministers zum Euro wuerde ich offen diskutieren, ob der Euro ueberhaupt zu retten ist?

    Will der Chefredakteur die Euro-Anleihe als panacea? Und wie geht es weiter? Folgt Portugal, Spanien und dann italien?

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