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Pendlerpauschale Umweltpolitische Geisterfahrer

Die Wahlkämpfer reagieren reflexartig auf die steigenden Benzinpreise: Die Autofahrer sollen durch eine höhere Pendlerpauschale entlastet werden. Dafür spricht nichts - aber vieles dagegen.
12 Kommentare
Florian Kolf, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Florian Kolf, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Jetzt spielen sie sich wieder als Retter der gebeutelten Autofahrer auf. Politiker von CDU und FDP geißeln die Preispolitik der Mineralölkonzerne, planen politische Maßnahmen gegen steigende Spritpreise und fordern die Erhöhung der Pendlerpauschale. Sogar FDP-Chef Philipp Rösler gibt den mitfühlenden Liberalen: „Angesichts der Kosten müssen wir auch an diejenigen denken, die unter den hohen Benzinpreisen besonders leiden.“

Doch die Politiker kommen trotz allem an der Wirklichkeit nicht vorbei. Und die besagt, dass ein großer Teil des Benzinpreises aus Steuern besteht: Pro Liter Superbenzin sind es zurzeit 65 Cent Mineralölsteuer und rund 25 Cent Mehrwertsteuer. Einer der größten Preistreiber an der Tankstelle ist also der Staat – und das nicht irgendwie zufällig, sondern mit voller Absicht.

Es mutet ohnehin schon surreal an: Da zieht die Politik dem Autofahrer mit der Mineralölsteuer auf der einen Seite kräftig Geld aus der Tasche – nur um es ihm mit der Pendlerpauschale wieder in die andere Tasche zu stecken. Und als wäre das nicht schon steuersystematisch unsinnig genug, wird nun ernsthaft überlegt, die Pendlerpauschale wieder zu erhöhen, weil der Benzinpreis steigt.

Wenn es diesen Politikern wirklich ernst wäre mit der Entlastung der Bürger, müssten sie doch eigentlich die Mineralölsteuer senken. Dass darüber keiner nachdenkt, spricht Bände. Und es sendet ein fatales Signal an die Mineralölkonzerne: Erhöht ruhig die Preise, wir sorgen mit der Pendlerpauschale dafür, dass die Kunden auch in der Lage sind, den Sprit weiterhin zu bezahlen.

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12 Kommentare zu "Pendlerpauschale: Umweltpolitische Geisterfahrer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das haben die Populismus Wahlkämpfer noch nicht" begriffen"
    das hier der Staat und die Spekulanten eingebremst werden
    müssen.Der Staat verdient am höheren Kraftstoff Preis.
    Die Spekulanten an den Rohstoff/Rohöl Börsen reiben sich die Hände.Dort will aber die FDP und auch die Wirtschaft
    freundliche Union nicht ran,da könnten ja Gelder ausfallen
    Für Wahlkampf oder für ein persönliches "Pflaster"


  • Die Abschaffungsvertreter gabs ja schon bei der letzten Debatte nach dem Gerichtsurteil diese zu erhalten.
    Es wohnt eben nicht jeder in der Stadt und steigt gleich vor der Haustür in den Bus oder die Bahn. Manche Familien arbeiten auch zu zweit an weit auseinanderliegenden Arbeitsplätzen, so wie ich zb.
    Es macht mir keine Freude in 2 PKW zu investieren, für beide extreme Benzinkosten zu bezahlen und jährlich mehr als ein Nettogehalt nur für Spritkosten zu bezahlen.
    Ausserdem gibt es eine Menge Pendler, die eben nicht morgens erst in Ruhe frühstücken, um dann um 8 Uhr mit dem Fahrrad richtung Büro zu pendeln, sondern auch Leute, die um 6 Uhr bereits anfangen zu arbeiten und sich mit den urbanen Stadtbewohner-Luxusproblemen nicht wirklich identifizieren können.
    Und die Politik handelt vor allem da unsinnig und wiedersprüchlich, wo sie vom Arbeitnehmer die Flexibilität fordert, auch weite Wege in Kauf zu nehmen um ein Einkommen zu generieren, aber gleichzeitig genau das kaum noch bezahlbar macht mit Steuern und dem Versuch die Pendlerpauschale zu kippen.
    Schönen Gruß von einem Penlder, der die zeit im Auto auch lieber zuhause verbringen würde.

  • Die Einstellung find ich gut. Als Alternativvorschlag:
    Überleg dir mal ein E-bike bzw. Liegefahrrad mit Motor zuzulegen, es gibt welche mit denen man 45 km drauf bekommt. Da ist man in einer Stunde bei der Arbeit. Gut man braucht ein bisschen länger als mit dem Auto, hat aber auch gleichseitig Sport gemacht, hat somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

  • Unerträglich stimmt - es ist aber nicht ein abgeblicher Populismus, sondern die Ignoranz des Autors. Eine ordentliche Recherche zum Thema Pendlerpauschale führt unweigerlich zu dem Begriff der Werbungskosten (EStG, §§ 9, 19). Der kommt in dem Artikel allerdings überhaupt nicht vor.

    Es geht um die Frage, ob mit der derzeit gültigen Pauschale die effektiven Werbungskosten für Aufwendungen zwischen Wohnung und Arbeitsstätte noch hinreichend abgegolten werden. Und das ist ziemlich sicher nicht der Fall.

  • Natürlich wegen den Kosten und unserer Volkswirtschaft.
    Das Öl wird sowieso gefördet und irgendwo verbrannt (China usw). Damit ist das Argument des Umweltschutz nicht tragfahig.
    Es geht schlicht und ergreifend darum, uns von den immer teuer werdenden Öl mittelfristig zu verabschieden (in den Grenzen des machbaren). Je schneller um so besser. Jede Verzögerung dieses Prozesses schadet unsere Volkswirtschaft und damit uns allen.
    Wenn wir des nicht machen, finanzieren wir doch nur die Pipelines von der Arktis und die Ölförderanlagen in der Nordsee usw. Ich denke, diese Kosten sollten doch lieber die anderen bezahlen (zB: Chinesen). lol

  • Herr Florian Kolf scheint hier wenig verstanden zu haben, um was es bei der Pendlerpauschale geht.

    Die Pendlerpauschale soll nicht den Bürger pauschal entlasten, wie es Herr Kolf behauptet, sie soll einen Teil der Bürger entlasten, die insb. einen weiten Anfahrtsweg zu ihrer Arbeitsstelle haben. Es geht hier nicht um eine pauschale Entlastung der Autofahrer.

    Mit einer Senkung der Mineralölsteuer würden die Autofahrer pauschal entlastet, auch die Urlaubsfahrten, Just-for-fun-Fahrten, .... Hier zu entlasten ist das falsche Signal.

    Ich wohne auf dem Land, kann meine täglich 45 Kilometer zur Arbeitsstelle (einfacher Weg) nur mit einem Pkw zurücklegen, da kein ÖPNV in die Richtung fährt. Ich merke schon, dass mein Arbeitsweg teuerer geworden ist, aber für meine privaten Fahrten nutze ich vermehrt das Fahrrad. Und das ist gut so. Aber die Pendlerpauschale ist angesichts der Benzinpreisentwicklung mittlerweile zu niedrig. Der Ansatz ist genau richtig.

  • Ja wollen wir denn nun so schnell vom Öl weg wegen der Kosten, oder wegen des vermeintlichen Umweltschutzes?!

    Dass die Umwelt gewinnt, wenn wir weniger Öl verbrauchen (und Co2) ausstoßen ist zwar auf den ersten Blick richtig(!), aber beim zweiten Mal hin sehen stimmt´s nicht mehr so ganz: Denn, die von Deutschland nicht verbrauchten Kontingente werden doch trotzdem gefördert und auf dem Markt verkauft, oder??

    Bedeutet auf deutsch: wir machen uns das Zeug künstlich teuerer (als es sowieso schon ist), um es mit diesen tollen energieeffizienten Fahrzeugen, Heizungen etc., welche in den USA, BRICS etc. gang und gäbe sind billig zu machen.
    Oder sehe ich das falsch??

  • Sehr geehrter Herr Kolf, so sehr ich Ihnen zustimme in der Sache, dass die Politiker Reflexe zeigen, wenn es um dieses Thema geht, so sehr glaube ich aber auch, dass die Form "erst aus der einen Tasche ziehen, um es dann wieder in die andere Tasche zu stecken" der richtige Weg ist! Wenn die Politik die Steuern reduzieren würde, ja, erstmal wäre das Tanken billiger. Nach einem oder zwei Jahren wäre der Spritpreis aber doch wieder auf jetzigem Niveau. Nur dann wäre das Geld nicht mehr beim Staat gelandet, sondern direkt bei den Mineralölkonzernen. Dieses Geld würde also nicht mehr an die Pendler ausgeschüttet werden können! Überdies, erstmal auf den Geschmack gekommen und weitere Steuerreduzierungen fordernd, hätten die Mineralölkonzerne immer mehr die Kontrolle über den Spritpreis, da der Anteil (am Gesamtpreis)der Steuer an diesem geringer würde. Insofern hätte ich eher Sorge vor einer Reduzierung des Steueranteils. Mit freundlichem Gruß

  • Endlich mal ein wirlich guter Artikel im HB, der dem politischen Populismus auf den Grund geht. Das aktuelle Katzengejammer vieler Politiker geht mir ohnehin auf den Geist. Die drehn doch die Fahne in den Wind, wie sie es gerade brauchen und das dumme Volk glaubt auch noch, es könnte etwas mit den Wahlen bewirken. Danach sind doch alle Versprechen Schall und Rauch. Der Benzinpreis ist ja nur eine der großen Lügen, die Gewinnabschöpfung von Herrn Schäuble bei der Bahn die andere. Dabei könnte der Ausbau des öffentlichen Verkehrs eine sinnvolle Alternative zum Auto sein, aber der Staat sabotiert die selbst. Siehe u.a. Berliner S-Bahn.

  • Na, das traue ich nicht einmal einen Hessen zu, bei billigen Benzin zweimal am Tag zur Arbeit zu fahren.
    Aber höhere Treibstoffkosten würden zur Anschaffung zu sparsameren Autos führen (Ist natürlich ein langfristiger Prozess). Oder auch zu mehr Fahrradfahrer u.ä.
    Natürlich beeinflusst dies die anderen Länder, wie China oder Indien nicht. Aber es geht primär darum unsere Ausgaben für Treibstoff bzw. Energie zu reduzieren. Ansonsten arbeiten wir nur noch für das liebe Öl!. Jeder ausgegebener Euro an der Tankstelle fehlt im Geldbeutel, sowohl bei Einzelnen als auch bei der Leistungsbilanz von Deutschland.

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