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Pro und Contra Deutsche Bank und Commerzbank: Fusion ohne Alternative oder Verzweiflungstat?

Der politische Druck auf die Geldhäuser wird größer. Die Meinungen unserer Autoren zu einer Bankenfusion gehen weit auseinander – ein Pro und Contra.
1 Kommentar
In der globalen Bankbranche gab es schon viele schlechte Übernahmen. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Spiegelung der Commerzbank im Deutsche-Bank-Gebäude

In der globalen Bankbranche gab es schon viele schlechte Übernahmen.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Pro – Ein Ende mit Schrecken

Ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise ist die Deutsche Bank in desolatem Zustand: der Börsenkurs am Boden, die Aktionäre desillusioniert, die Mitarbeiter im Fluchtmodus und der Ruf ramponiert. Während fast alle US-Banken und einige europäische Rivalen noch während der Krise (zwangs)rekapitalisiert und saniert wurden, leidet die Deutsche Bank weiter: Das Investmentbanking ist zu groß und seit Langem defizitär, die Kosten sind zu hoch, und die Ertragskraft schwindet mit jedem Tag.

Trotz kleinerer Fortschritte fehlt den Investoren längst die Zuversicht, dass sich das Geldhaus aus eigener Kraft aus dem Sumpf ziehen kann.

Muss es ja auch nicht. Eine Fusion mit der Commerzbank wäre eine riesige Chance, den im Vergleich mit internationalen Rivalen aufgeblähten Kostenapparat der Deutschen Bank zurechtzustutzen. Die teuren IT-Systeme könnten zusammengelegt werden, die Verwaltung könnte verschlankt und die Zahl der Filialen halbiert werden.

Der zweite Vorteil: Durch eine Fusion bekäme die Deutsche Bank Geld in die Hand, um die weitgehend erfolglose Investmentbank konsequent zu verkleinern. Und auf die übrig bleibenden Teile des Kapitalmarktgeschäfts – beispielsweise das auf Weltklasseniveau spielende Devisengeschäft – könnte die Deutsche Bank mehr Aufmerksamkeit legen und mehr Kleingeld verwenden.

Auch weil mit der Commerzbank der Staat als Eigner dazukäme – wodurch die viel zu hohen Refinanzierungskosten sinken und die Kapitalmarktsparte wieder wettbewerbsfähiger werden dürfte.

In der globalen Bankbranche gab es schon viele schlechte Übernahmen. Aber es gab eben auch eine ganze Reihe vorbildhafter Fusionen, die internationale Champions mit einem starken Heimatmarkt hervorgebracht haben: Die hochprofitable BNP Paribas ist ein Beispiel dafür, die ebenso erfolgreiche Bank of America ein anderes.

Apropos Bank of America: Die US-Bank beschäftigt trotz zweier Großkäufe in der Krise heute 40.000 Mitarbeiter weniger als Ende 2008. Die kränkelnde Deutsche Bank dagegen hat die Zahl der Stellen seither um gut 11.000 erhöht. Klare Managementfehler.

Statt von europäischen Deals zu träumen, die angesichts der Zwergenstatur der Bank an der Börse illusorisch sind, sollte sich das Management lieber zusammen mit der Commerzbank einen starken Heimatmarkt schaffen. Damit würde auch die Basis gelegt für eine neue internationale Expansion in der Zukunft. Wäre das der beste Deal aller Zeiten? Sicher nicht. Hat die Deutsche Bank realistische Alternativen? Wohl kaum.

Daniel Schäfer

Contra – Fusion wäre Verzweiflungstat

Der Tag, an dem Deutsche-Bank-Chef Christan Sewing die Übernahme der Commerzbank verkündet, wäre ein trauriger Tag für die heimische Finanzbranche und den gesamten Standort. Zu rechtfertigen wäre der Zusammenschluss der beiden größten heimischen privaten Geldhäuser nur als absolute Notfallmaßnahme, um zu verhindern, dass eine der beiden Großbanken in eine Schieflage rutscht.

Wirtschaftlichen Sinn hätte die Frankfurter Bankenehe dagegen nicht, das zeigt ein simples Kalkül: Der Nutzen des Projekts wäre begrenzt, die Umsetzungsrisiken enorm. Da bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: Finger weg von der Fusion.

Es ist vor allem die Berliner Politik, die den Druck auf Sewing und seinen Kollegen Martin Zielke kontinuierlich erhöht, weil sich Finanzminister Olaf Scholz zumindest eine robuste, global handlungsfähige deutsche Großbank wünscht. Dieser Wunsch ist ebenso verständlich wie vernünftig, nur leider lässt sich das hehre Ziel mit einem Zusammenschluss der beiden Frankfurter Großbanken nicht erreichen.

Selbst nach einer Fusion wäre die neue Bank im internationalen Vergleich noch immer ein Leichtgewicht. Außerdem zeigen die Zahlenspiele der Analysten, dass der Gewinn des neuen Geldhauses allenfalls moderat höher ausfallen würde als die heutigen Ergebnisse.

Reichen diese wenig aufregenden Aussichten, um sich in ein derart riskantes Abenteuer wie eine Großfusion zu stürzen? Bei der Antwort auf diese Frage hilft ein Blick in die Vergangenheit. 2008 schluckte die Commerzbank die Dresdner Bank. Entstand aus diesem Zusammenschluss ein robuster Finanzriese mit attraktiven Wachstumschancen? Ganz offensichtlich nicht, sonst würden wir heute keine Diskussion über die Zukunft der Commerzbank führen.

Die Sorge der Berliner Politik um die Aussichten der beiden Großbanken ist durchaus gerechtfertigt. Allerdings spricht das nicht für, sondern gegen einen nationalen Zusammenschluss. Schließlich ist es eine Binsenweisheit, dass sich aus zwei schwächelnden Geldhäusern kein neuer internationaler Champion schmieden lässt.

Größe mag helfen, um im Wettbewerb zu bestehen, und sie macht es vielleicht auch leichter, um mit den enormen Herausforderungen der Digitalisierung fertig zu werden. Noch wichtiger sind aber die richtige Strategie und gute, innovative Ideen. Die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank fällt ganz sicher nicht in diese Kategorie.

Michael Maisch

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1 Kommentar zu "Pro und Contra: Deutsche Bank und Commerzbank: Fusion ohne Alternative oder Verzweiflungstat?"

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  • Sollten die Fragen über eine Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank nicht besser denen zur Klärung überlassen werden, die dafür auch zuständig sind, als dass Experten ohne Verantwortung alle möglichen Zahlenbeispiele durchspielen ? Zum Beispiel sind die bloße Steigerung der Belegschaft nicht gleich zwangsläufig ein Managementfehler und dass die Commerzbank mit der Dresdener Bank einen Reinfall erlebte war wohl eher eine schlechte Projekt Investigation und nicht zwangsläufig von vornherein ein Fehler.
    Die Allianz hatte erkannt, welche Leichen im Keller lagen, nur die Commerzbänker waren zu blauäugig und haben sich überschätzt.


    Ihre Kommentare sind weder fachlich durchdacht noch von Verantwortung geprägt. Mir scheint Ihr Artikel ist eher der Ausfluss von Überheblichkeit und Zweckpessimismus und sind deshalb wenig hilfreich. Die Verantwortlichen sollen nüchtern abwägen und ihren Aufgaben entsprechend entscheiden. Politische Beeinflussung ist eher schädlich, es sei denn die können für einen bankfachlichen Erfolg genutzt werden.


    Also lasst uns abwarten, was entschieden wird und nach fünf Jahren können wir dann kritisieren oder loben.