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Pro und Contra Deutschland sollte eine Impfpflicht für Ärzte und Pfleger einführen – oder nicht?

Für Pflege- und Gesundheitskräfte ist eine Impfpflicht kein Tabubruch. Oder muss der Staat auf Freiwilligkeit setzen und andere Wege wie etwa Anreize finden? Zwei Meinungen.
13.07.2021 - 19:45 Uhr 3 Kommentare
Das Frage einer Impfpflicht erregt die Gemüter. Quelle: dpa
Impfgegner-Demonstration 2020 in Stuttgart

Das Frage einer Impfpflicht erregt die Gemüter.

(Foto: dpa)

Pro: In manchen Bereichen muss der Schutzgedanke überwiegen

von Gregor Waschinski

Vorweg: Eine allgemeine Impfpflicht darf es in Deutschland nicht geben. Natürlich ist es wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich gegen Corona impfen lassen. Der Staat sollte dafür alle nötigen Anreize setzen.

In einer freiheitlichen Gesellschaft sollte diese Entscheidung aber jedem Einzelnen und seinem Umgang mit dem Risiko vorbehalten sein. Auf diesen Grundsatz wurde schon bei vielen restriktiven Maßnahmen der Pandemiepolitik zu wenig geachtet.

Allerdings gibt es gesellschaftliche Bereiche, in denen der Schutzgedanke für das Umfeld klar überwiegt. Sinnvoll ist eine verpflichtende Impfung für Berufsgruppen, die sich um vulnerable Menschen kümmern.

Die Medizinstatistik zeigt eindeutig, dass das Coronavirus eine ganz besondere Gefahr für ältere Menschen mit ihrem geschwächten Immunsystem darstellt. Hier sind schwere Verläufe viel wahrscheinlicher, die meisten Todesopfer fallen in die Altersgruppe der über 70-Jährigen. Betroffen von Ausbrüchen waren immer wieder Pflegeheime, wo im Winter besonders viele Corona-Tote zu beklagen waren.

Das Personal in Pflegeheimen, aber auch Beschäftigte im Gesundheitswesen allgemein haben eine besondere Verantwortung. Sie haben sich bei der Berufswahl bewusst für eine Tätigkeit entschieden, in der Rücksicht auf gesundheitlich vulnerable Menschen praktisch zur Jobbeschreibung gehört. Viele nehmen diese Verantwortung wahr und lassen sich impfen – doch es gibt auch in dieser Gruppe Impfverweigerer. Hier wäre der Staat gefordert.

Eine begrenzte Impfpflicht wäre kein Tabubruch. Es gibt sie bereits für andere Infektionskrankheiten. Das im November 2019 vom Bundestag beschlossene und im März 2020 in Kraft getretene Masernschutzgesetz verpflichtet Beschäftigte in Arztpraxen, Pflegediensten und Kliniken zu einem Impfschutz.

Vor der Aufnahme in eine Kindertagesstätte oder Schule müssen Eltern belegen, dass ihr Kind gegen Masern geimpft oder bereits immun ist. Die Nachweispflicht gilt zudem für Beschäftigte in Kitas, Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen. Einige europäische Länder gehen den Weg einer Corona-Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Das gebetsmühlenhaft vorgetragene Versprechen der Bundesregierung lautet: Es wird keine verpflichtenden Impfungen geben. Offenbar war das als vertrauensbildende Maßnahme gedacht und sollte Impfzweifler beruhigen.

In Wahrheit hat sich die Regierung mit dieser kategorischen Haltung in eine Sackgasse manövriert. Auch in Bereichen wie Pflegeheimen, wo eine begrenzte Impfpflicht sinnvoll ist, sind ihr nun die Hände gebunden.

Quelle: Burkhard Mohr

(Foto: Burkhard Mohr)

Contra: Eine Impfpflicht ist nicht der richtige Weg

von Jürgen Klöckner

Eine Impfpflicht ist wieder so ein Vorschlag, aus dem die pure Verzweiflung spricht. Die vierte Welle rollt an, deswegen sollten Pädagogen Kinder und Jugendliche schützen, die keine Impfung erhalten können, forderte das Mitglied im Deutschen Ethikrat Wolfram Henn.

Und ältere Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sollten entsprechend durch verpflichtende Impfungen des Personals geschützt werden, so die Befürworter einer solchen Idee. Frankreich und Italien machen es mit einer Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen vor, wieso also nicht auch Deutschland?

Es stimmt, die Lage in Schulen und Kitas ist zum Verzweifeln. Bund und Länder haben den Sommer bislang ungenutzt verstreichen lassen, statt sie auf wieder steigende Fallzahlen vorzubereiten. Bleibt es beim Status quo, wird die vierte Welle vor allem Kinder und Jugendliche treffen. Maßnahmen wie der Wechselunterricht könnten folgen. Eine Impfpflicht ist aber nicht der richtige Lösungsweg.

In Deutschland hätte der Vorschlag ohnehin keine Mehrheit. Es bringt nichts, Maßnahmen zu verfolgen, von denen ein Großteil der Bevölkerung und der Politiker nicht überzeugt ist. Länder stemmen sich dagegen, Berufsverbände – auch die Bundesregierung lehnt eine Impfpflicht ab. Würde sie von ihrem Kurs abrücken, würde dies Vertrauen zerstören.

Wer sollte die Impfpflicht umsetzen – und wie? Alle feuern, die sich nicht daran halten, in schon jetzt teilweise unterbesetzten Krankenhäusern und Schulen?

Das wahre Problem sind nicht Lehrer, Pfleger und das Krankenhauspersonal. Diese Berufsgruppen haben sich laut der Covimo-Studie des Robert Koch-Instituts bereits zu 84 Prozent impfen lassen. Das ist ein guter Wert, von dem Länder wie Frankreich nur träumen können. Auch in der Gesamtbevölkerung liegt die Bereitschaft je nach Umfrage bei 80 Prozent und höher.

Die Pflicht muss in der Pandemie die letzte Maßnahme sein – dann, wenn Freiwilligkeit nicht mehr weiterhilft. Und gerade beim Impfen ist Deutschland mit der Freiwilligkeit sehr weit gekommen. Es gibt derzeit keinen Grund, zum Impfen zu verpflichten.

Stattdessen müssen alle noch nicht Geimpften nun so schnell es geht eine Impfung erhalten, beispielsweise mit offensiven Angeboten. Es muss klar sein: Wer sich nicht impfen lässt, gefährdet andere – vor allem ungeschützte Kinder und Jugendliche und vulnerable Gruppen wie in Pflegeheimen.

Wie wäre es in Deutschland stattdessen mit einer Luftfilter- oder Testpflicht in den Schulen, um nicht weiter wertvolle Zeit zu vergeuden?

Mehr: Merkel gegen Impfpflicht – Impfverweigerer könnten an Kosten für Corona-Tests beteiligt werden

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3 Kommentare zu "Pro und Contra: Deutschland sollte eine Impfpflicht für Ärzte und Pfleger einführen – oder nicht?"

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  • Es tut mir leid, Herr Klöckner, Ihr Contra ist sehr schwach, es ist de facto gar kein Contra. Was bitte ist an der Lage in den Schulen und Kitas zum Verzweifeln? Kinder und Jugendliche sind keine Riskogruppe. Lehrer, die Riskikogruppe sind, können sich impfen lassen. Alle, die Angst vor Corona haben, können sich impfen lassen. Genau, wie bislang bei der Grippe. Warum muss man jetzt, wo es die Impfung gibt, (und ausserdem auch hoch effektive Medikamente wie Ivermectin zur Behandlung bei Infektion, die aber leider nicht zugelassen werden in Deutschland) Kinder und Jugendliche impfen? Und Genesene? Und Menschen, die kein erhöhtes Risiko haben? Sie sagen, es muss klar sein: wer sich nicht impfen lässt, gefährdet andere, besonders ungeschützte Kinder und Jugendliche.... Kinder und Jugendliche sind nicht ungeschützt! Sie sind statistisch gesehen NULL Prozent gefährdet and Corona schwer zu erkranken oder zu sterben. Hingegen gibt es Warnungen, dass die Geimpften es sind, die die Ungeimpften gefährden, weil sie die Inkubatoren für multiresistente Mutanten sein können. Alle, die bereits eine Corona Infektion durchgemacht haben, sind LANGZEIT IMMUN, auch auf die Mutanten. Viel besser, als durch Impfung. Warum sollte man diese Menschen impfen? Warum wird nicht erstmal überprüft, ob man nicht bereits natürliche Immunität hat? Es geht hier eindeutig nicht nur um unsere Gesundheit. Wen es interessiert, hier mal eine echte Pro-Contra Impf-Diskussion: https://www.youtube.com/watch?v=AkIytiZcCt8

  • Ist es nicht pure Heuchlerei, wenn eine Impfpflicht eingeführt wird, wenn die Freiwilligkeit nicht hoch genug ist? De facto war die Impfung ja dann immer Pflicht, nur dass es nicht ausgesprochen wurde.

  • Auch wenn die Politik/Medien gerne ein wirklichkeitsfremdes, einseitiges, naiv-einfaches Bild zeichnen - es hat ALLES zwei Seiten.

    ALLES Hat seinen Preis - auch wenn der im Falle der zuhauf bestehenden Impfnebenwirkungen fleißig aus dem Okus bleibt.

    Viele verzichten auf eine Impfung, weil sie diese als das sehen, was sie im Kern eben ist: Eine (bisher: kalkulierbare) freiwillige Körperverletzung. Und im Falle einer unerprobten mRNA-Technik ist dies aufgrund unkalkulierbarem Verlauf aufhsvglicht und einfach nur vernünftig.

    Hier eine Pflicht zu Verfügen wäre nötigendes Staatsversagen und ein Bruch des Treue-Eids, letztlich ein militanter Übergriff der gleichwertige Resonanzen nach sich ziehen würde.

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