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Geschlossene Gastronomie am Kanzleramt

Viele Unternehmer hätten sich eine klare Öffnungsperspektive gewünscht.

(Foto: dpa)

Pro & Contra Ist die beschlossene Verlängerung des Lockdowns in dieser Form richtig?

Kein Enddatum und ein der neue Zielwert einer Inzidenz von 35: Die Ministerpräsidenten ändern ihre Corona-Politik. Ist das gerechtfertigt?
11.02.2021 - 17:59 Uhr 2 Kommentare

Pro: Jetzt hart bleiben

Von Christoph Herwartz

Wir stehen am Anfang einer neuen Stufe der Pandemie. Man wüsste gern so vieles darüber: Wie schnell breiten sich die neuen Virusvarianten aus? Werden sie noch gefährlicher – oder vielleicht auch harmloser? Werden die Impfstoffe weiterwirken? Niemand kann das bisher mit Gewissheit beantworten.

Klar ist aber: Die Virusmutationen aus Großbritannien und Südafrika haben gerade erst angefangen, sich in Deutschland zu verbreiten. Und sie verbreiten sich, obwohl das öffentliche Leben deutlich heruntergefahren ist.

Vor diesem Hintergrund sollte man die Beschlüsse des Corona-Gipfels beurteilen. Es ist Vorsicht geboten. Diese Vorsicht drücken die Ministerpräsidenten darin aus, dass sie eine Inzidenz von 35 als nächstes Etappenziel sehen, nicht mehr die 50. Gut so.

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    Diese 35 ist in Reichweite: Der Inzidenzwert lag in Deutschland zwischenzeitlich bei über 200. Nun liegt er bei 70. Eine Halbierung dauerte zuletzt rund drei Wochen. Das mutierte Virus hat das Potenzial, eine dritte Welle auszulösen, die noch deutlich mehr Menschen das Leben kostet als bisher. Je schlechter seine Startbedingungen sind, desto flacher wird die Kurve sein. Und desto milder können die Maßnahmen sein, um die Infektionen wieder unter Kontrolle zu bringen. 35 ist darum besser als 50. Und zehn wäre besser als 35.

    Dann würde es im Frühjahr vielleicht ausreichen, auf Events und Feiern zu verzichten. Es müssten nur die Branchen geschlossen bleiben, in denen es zu besonders vielen Kontakten kommt. Geschäfte könnten wieder öffnen, und Freunde könnten sich wieder treffen. Vielleicht könnte sogar die Außengastronomie zum Saisonbeginn starten.

    Niedrige Inzidenz schafft bessere Perspektiven

    Die Forderung nach einer möglichst niedrigen Inzidenz ist darum nicht wirtschaftsfeindlich. Sie schafft eine bessere Perspektive als ein Stufenplan mit konkreten Daten. Sehr wahrscheinlich kommen die meisten Unternehmer besser aus der Pandemie heraus, wenn die Einschränkungen in dieser Phase durchgehalten werden.

    Deutschland hat im Frühjahr 2020 sehr gute Erfahrungen damit gemacht, früh und schnell zu handeln. Der Blick nach Italien war eine Warnung. Zu Beginn der zweiten Welle war Deutschland jedoch nachlässig. Dieser Fehler hat die Härte der aktuellen Maßnahmen erst notwendig gemacht.

    Nun gibt es eine neue Chance, gut mit der Situation umzugehen: Die Verläufe in Großbritannien, Irland und Portugal haben deutlich genug gezeigt, was passieren kann. Deutschland hat wieder Glück und wurde eher spät von den Mutationen erreicht. Jetzt kommt es darauf an, diese Chance zu nutzen.

    Contra: Viel Hammer, kein Tanz

    Von Gregor Waschinski

    Im Frühjahr 2020 erfuhr ein Aufsatz weltweite Aufmerksamkeit, der die Pandemiebekämpfung auf eine scheinbar einfache Formel brachte: „Hammer und Tanz“. Unter dieser Überschrift beschrieb der Autor Tomas Pueyo eine Strategie, bei der zunächst mit harten Maßnahmen die Infektionskurve abgeflacht würde.

    In der anschließenden Phase gehe es dann darum, im Alltag besser mit dem Virus umzugehen, mit weniger Einschränkungen, aber immer mit der nötigen Vorsicht. Auch in Deutschland wurde diese Idee damals interessiert zur Kenntnis genommen.

    Mittlerweile regiert vor allem der Hammer. Erste Tanzschritte nach der zweiten Welle werden trotz deutlich gesunkener Infektionszahlen nicht gewagt, eine Öffnungsperspektive fehlt. Das droht die Akzeptanz der Corona-Politik zu beschädigen – und vergrößert gesellschaftliche und wirtschaftliche Schäden, die neben den gesundheitlichen Risiken von Sars-CoV-2 auch in die politische Bewertung einfließen müssen.

    Die Regierung treibt die Sorge um, dass neue Varianten des Virus als Turbo für die Pandemie wirken könnten. Allerdings liegen keine eindeutigen Erkenntnisse vor, wie groß die Gefahr der Mutanten tatsächlich ist. Wissenschaftler, die nicht zum bevorzugten Beraterkreis des Kanzleramts gehören, weisen darauf hin, dass eine anteilsmäßige Zunahme beispielsweise der britischen Variante nicht automatisch zu einer dritten Welle führe.

    Einfache und schnelle Lösungen gibt es nicht

    Das „Hammer und Tanz“-Szenario wirkt auch wegen der Mutationen im Nachhinein etwas unterkomplex. Pueyo sprach damals von einem Lockdown „für einige Wochen“, so könne man auch die Kosten für die Gesellschaft in einem „vernünftigen“ Rahmen halten. Die Erfahrung der vergangenen zwölf Monate hat gezeigt, dass es einfache und schnelle Lösungen in der Pandemie nicht gibt.

    Quelle: Burkhard Mohr
    Karikatur
    (Foto: Burkhard Mohr)

    Dennoch beschreibt das Bild hinter dieser Strategie noch immer gut die grundsätzliche Herausforderung, eine Balance zwischen Ausnahmezustand und vorsichtiger Normalität zu finden. Selbstverständlich sind Maßnahmen zur Eindämmung notwendig. Aber mit dem Presslufthammer allein lässt sich diese schwierige Zeit nicht überstehen.

    Im jüngsten Corona-Beschluss konnten sich immerhin die Länder durchsetzen, bald wieder mehr Unterricht in Schulen und Betreuung in Kitas anzubieten. Doch sonst werden Lockerungen ins Ungefähre verschoben.

    Dazu kommt ein neues Ziel von 35 bei der Inzidenz, dessen Relevanz die Regierung nur nebulös herleiten kann. Unbeantwortet bleibt die Frage, wann der Tanz mit dem Virus wieder in den Vordergrund rückt.

    Mehr: 35 sind die neuen 50: Das steckt hinter dem Grenzwert, der jetzt über Öffnungen entscheidet.

    Startseite
    2 Kommentare zu "Pro & Contra: Ist die beschlossene Verlängerung des Lockdowns in dieser Form richtig?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Zunächst mein herzlicher Dank an die Handelsblatt-Redaktion für diese wohltuend sachliche Form der Pro- und Contra-Debatte. Auf die Pro-Argumentation von Herrn Herwartz möchte ich folgendes erwidern: Eine solche Sichtweise ist nur solange folgerichtig, wie wir uns mit Tunnelblick auf die negativen Folgen von Covid19 fokusieren und uns hier an einer oft inhaltsleeren Zahlenflut (z.B. steigende Zahl von Infektionen bei gleichzeitig sinkender Zahl von Krankenhausbehandlungen) berauschen, andererseits aber - weiterhin - keinerlei Versuch unternehmen, die negativen Folgen des Lockdowns zu benennen und zu quantifizieren. Aus eigener Anschauung gewinne ich den Eindruck, dass nicht nur die ökonomischen, sondern auch die gesundheitlichen Schäden jeder weiteren Woche Lockdown dramatisch sind. Zu nennen sind beispielsweise Depressionen und psychische Erkrankungen junger Menschen. Wer erhebt dazu Daten und wägt diese mit den - zumeist moderaten - Risiken einer Covid19-Erkrankung ab?

    • Schade das der Artikel so kurz ist. Die Pro & Contra Liste hätte man durchaus noch ausführen können.

      Im Allgemeinen ist es allerdings sehr bedauerlich, dass vermeintliche Experten und Virologen nicht mehr objektiv und sachlich berichten, sondern nur noch im Eigeninteresse (Aufmerksamkeit, Reputation, Fördermittel, Gagen für Fernsehauftritte etc.) handeln.

      Ich vermisse bei der aktuellen Diskussion, dass das Covid-19 Virus eine (von vielen) Mutationen der Coronaviridae ist. Wobei die Virusfamilie Coronaviridae bereits 1966 von einer Britin entdeckt wurde. Außerdem ist allseits bekannt, dass die Mutationen der Coronaviridae (umgangssprachlich Coronaviren genannt) RNA-Viren mit den größten Genomen sind. Aus diesem Grund mutieren besagte Viren um ein vielfaches häufiger als bspw. DNA-Viren.

      Betrachtet man dies aus statistischer Sicht, so haben wir in den letzten 55 Jahren genau 3 besonders tödliche Mutationen der Coronaviridae gesehen: SARS-Pandemie 2002/2003; MERS-Epidemie (ab 2012) und COVID-19-Pandemie (ab 2019). Da diese RNA-Viren-Mutationen jedoch besonders mutationsanfällig sind, waren die gesundheitlichen Krisen nur von kurzer Dauer.

      Kombiniert man die statistische Sicht mit Erkenntnissen aus der Biologie (ein Virus will in der Regel seinen Wirt nicht töten, da er von ihm abhängig ist), so erscheinen weitere Mutationen (wie sie jedes Jahr vorkommen) nicht mehr so gefährlich. Das Virus möchte sich zwar verbreiten, aber nicht seinen Wirt töten.

      Betrachtet man nun die Ausbreitung verschiedener Mutationen, so könnte das eine Erklärung sein. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch Reisedaten die belegen, dass zwischen dem 15. Dezember und 15. Januar die Menschen weltweit vermehrt gereist sind. Die Ausbreitung der Mutationen könnte somit auch darauf zurückzuführen sein.

      Außerdem sollte man nicht vergessen, dass wir in einer alternden Gesellschaft leben, in der es jeden Tag neue Risikopatienten gibt. Von daher werden jedes Jahr mehr alte Menschen sterben.

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