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Börse in Frankfurt Main

Das Unternehmen baut durch die 1,5 Milliarden Euro schwere Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung am Stimmrechtsberater ISS das Geschäft mit nachhaltigen Investments massiv aus.

(Foto: dpa)

Pro & Contra Ist eine Konsolidierung unter den europäischen Börsen nötig?

Durch den Übernahmepoker um die Borsa Italiana kommt Bewegung in den Sektor: Brauchen wir einen europäischen Börsenchampion? Zwei Meinungen.
13.09.2020 - 15:54 Uhr Kommentieren

Pro: Größe ist wichtig

von Andreas Kröner

Börsen sind für die Entwicklung von Volkswirtschaften von zentraler Bedeutung. Firmen nehmen dort Kapital für Investitionen und Expansionspläne auf. Anleger können durch den Kauf von Aktien am Erfolg von Unternehmen partizipieren und haben so die Chance, mit ihrem Geld auch in Zeiten von Null- und Negativzinsen eine Rendite zu erwirtschaften. Starke Volkswirtschaften und starke Börsen bedingen sich also gegenseitig.

Deshalb ist es besorgniserregend, dass viele europäische Börsen im internationalen Vergleich immer mehr den Anschluss verlieren. Die französische Mehrländerbörse Euronext ist mit einer Marktkapitalisierung von sieben Milliarden Euro weltweit quasi bedeutungslos.

Die Deutsche Börse ist mit knapp 30 Milliarden Euro zwar die klare Nummer eins in der EU. Im weltweiten Ranking wurde sie kürzlich jedoch ausgerechnet vom Rivalen aus London auf Platz fünf verdrängt. Die Branchenführer aus Hongkong und Chicago sind weit enteilt und mittlerweile fast doppelt so viel wert wie die Frankfurter.

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Standort erkennen

    Wenn die europäischen Börsen nicht aufpassen, wird sie früher oder später das gleiche Schicksal ereilen wie die Banken, die im weltweiten Wettbewerb noch weiter hinterherhinken. Denn nur wenn Börsenbetreiber groß und profitabel genug sind, haben sie die Möglichkeit, in neue Technologien zu investieren und den Konkurrenten aus Großbritannien, den USA und Asien die Stirn zu bieten.

    Um den drohenden Bedeutungsverlust abzuwenden, ist eine Konsolidierung des Sektors unumgänglich. Darüber hinaus wäre die Schaffung eines europäischen Börsenchampions auch hilfreich beim Aufbau einer EU-Kapitalmarktunion, für die natürlich noch viele andere Schritte unternommen werden müssen.

    Bisher ist eine umfassende Konsolidierung in Europa vor allem daran gescheitert, dass Politiker Börsen als nationale Ikonen ansehen und beim Verkauf eine Schwächung des heimischen Finanzplatzes fürchten. Zudem ist der Aktienhandel im Vergleich zu anderen Geschäftsfeldern wenig lukrativ, weshalb sich die Deutsche Börse zuletzt nicht sonderlich für eine Expansion in diesem Bereich interessierte.

    Mit dem Übernahmepoker um die italienische Börse ist nun jedoch eine neue Dynamik entstanden, und es gibt zumindest die Hoffnung, dass der Flickenteppich in Europa etwas kleiner wird. Ein wirklicher europäischer Börsenchampion würde jedoch nur entstehen, wenn sich die Deutsche Börse eines Tages die Euronext einverleibt. Dass Frankreich einem solchen Deal zustimmt, ist aus heutiger Sicht aber leider utopisch.


    Contra: Pragmatisch bleiben und Vielfalt wagen

    von Kathrin Jones

    Ja, es stimmt: Wenn Europa beim Thema Kapitalmarktunion vorankommen möchte, dann muss Schluss sein mit nationalen Eitelkeiten. Da wäre es theoretisch wünschenswert, wenn der Wille zur Einheit irgendwann darin gipfelt, dass nicht mehr jedes Land seinen eigenen Börsenbetreiber haben muss, sondern die Kräfte gebündelt werden. Erst recht nach dem Brexit. Aber ist das in naher Zukunft realistisch? Nein. Also ist Pragmatismus gefragt.

    Der Schlüssel zum Erfolg liegt kurzfristig nicht in der Einheit, sondern gerade in der Vielfalt. Denn eines darf in der Debatte nicht vergessen werden: Die europäische Kapitalmarktunion, so wie sie einst in ihren Grundzügen umrissen wurde, zielt vor allem darauf ab, das Angebot an grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungsprodukten auszuweiten, damit Investoren nicht mehr davon abgeschreckt werden, wenn in einem EU-Land X gilt, und in einem anderen aber Y. Es soll einheitliche Regeln für alle geben.

    Dann könnten sich – und das ist das zweite wichtige Ziel – auch mehr kleine Unternehmen nach Alternativen zur klassischen Bankfinanzierung umschauen und Geld über den Kapitalmarkt einsammeln. Denn es gäbe ja genug potenzielle Investoren, die nicht mehr durch bürokratische Hürden abgeschreckt würden.

    Dafür ist es aber nicht zwingend nötig, eine europäische Megabörse zu haben. Europa hat mit der Euronext mit Handelsplätzen unter anderem in Brüssel, Paris, Amsterdam und Lissabon ja auch schon eine Mehrländerbörse. Die Deutsche Börse macht ihr eigenes Ding, zählt aber nach Marktkapitalisierung schon heute zu den fünf größten Börsen der Welt – egal, wie nun das Rennen um die italienische Börse ausgeht.

    Viel wichtiger als das reine Streben nach Größe wäre das Streben nach einem individuellen Markenzeichen. Ein besonders starker Tech-Fokus, ein klarer Schwerpunkt auf Nachhaltigkeitsindizes oder Start-ups – vieles ist denkbar, um neue Unternehmen und neue Investoren anzulocken, die sich bisher vielleicht gar nicht in Europa getummelt haben. Im Moment macht jeder von allem ein bisschen. Dabei könnten sich die Börsen auf dem Kontinent mit ihren jeweiligen Angeboten ergänzen und würden der Kapitalmarktunion damit am Ende einen viel größeren Dienst erweisen: ein vielfältiges Angebot spannender neuer Produkte. 

    Ein weiterer Punkt spricht gegen das Größenargument: Anders als den Banken in Europa geht es den Börsenbetreibern gut. Sie zählen zu den wenigen Gewinnern der Coronakrise, das heftige Handelsgeschehen an den Märkten gerade im Frühjahr hat ihnen satte Gewinne in die Kasse gespült. Das dürfte vorerst auch so bleiben, denn die Unsicherheit, wie es mit der Pandemie weitergeht, ist nach wie vor hoch. Jede kleine Entwicklung kann zu großen Ausschlägen an den Märkten führen, die von den Notenbanken mit Liquidität vollgepumpt sind. 

    Großfusionen mögen eine zusätzliche Monopol-Rendite versprechen. Sie lenken aber von der eigentlichen Aufgabe ab, und die lautet: die Gunst der Stunde nutzen und mit cleveren Ideen das eigene Geschäftsmodell auffrischen.

    Mehr: Übernahmegefecht in Mailand: Deutsche Börse hat schlechte Karten.

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