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Unternehmensberatung in Düsseldorf

Haben die „Big Four“ zu viel Macht konzentriert? Können die Unternehmen wirklich unabhängig prüfen?

(Foto: dpa)

Pro & Contra Müssen die großen Wirtschaftsprüfungsfirmen zerschlagen werden?

Die Unternehmen könnten ohne Beratungssparten ihre Position stärken, sagt Dieter Fockenbrock. Auch Bert Fröndhoff fordert eine Stärkung der Prüfung – doch ohne Zerschlagung.
10.07.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar

Pro: Stärkt die Unabhängigkeit!

Zugegeben, Wirtschaftsprüfer sind immer dann in einer verzwickten Lage, wenn bei den von ihnen testierten Firmen etwas schiefgeht. So wie jetzt beim Zahlungsdienstleister Wirecard, bei dem einige Milliarden Euro verschwanden. Und keiner hat’s gemerkt? Oder vielleicht doch, aber keiner durfte halt was sagen.

Die Branche verschanzt sich hinter der Verschwiegenheitspflicht, als sei ihr Mandat ein ärztlicher Befund, der naturgemäß nur den Patienten etwas angeht. Rechtlich betrachtet, mag das angehen, faktisch ist das natürlich Unfug, weil die Eigentümer der Unternehmen wissen müssen, was in ihrem Laden los ist. Besonders dann, wenn es Anzeichen gibt, dass es da nicht mit rechten Dingen zugeht.

So wie bei Wirecard. Gelegentlich muss man die Dinge zurechtrücken: Eine Aktiengesellschaft gehört weder den Managern noch den Aufsichtsräten. Sie gehört den Aktionären. Das Abtauchen der Prüfer hat fatale Folgen: Die gesamte Gilde gerät in Misskredit. Der Fall Wirecard ist auch nicht der richtige, um eine erneute Debatte über die Trennung von Wirtschaftsprüfung und Beratung loszutreten. Doch in ihrer Hilflosigkeit kommen Kritiker häufig nicht über diesen Punkt hinaus.

Dabei liegt das Problem viel tiefer. Die Bilanzprüfung von Unternehmen ist zu einem Kostenfaktor verkommen. Die auftraggebenden Firmen drücken die Preise, wo sie nur können. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften suchen den Ausweg in Rationalisierung und Kostensenkung. Das gesetzlich vorgeschriebene Testat des Jahresabschlusses verkommt zu einem rein technischen Vorgang – allenfalls noch garniert mit dem Auftrag der Steueroptimierung.

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    Unternehmen wie Prüfer haben große Freiräume in der Bilanzgestaltung, und die nutzen sie oft weidlich aus. Der Blick fürs große Ganze aber ist verloren. Das muss sich ändern. Statt die Wirtschaftsprüfer an den Pranger zu stellen, sollte ihre Position gestärkt werden. Und zwar im Interesse der Aktionäre. Statt der sattsam bekannten, immer gleich formulierten Testate, müssten Prüfer den Eigentümern der Unternehmen detaillierte Berichte vorlegen, wie sie zu Bewertungen von Firmenassets gekommen sind, warum Abschreibungen nötig oder unnötig waren, welche Umbuchungen welche Folgen haben.

    Solche Berichte sind sicher nichts für eine Abstimmung in einer Hauptversammlung, aber eine wichtige Informationsquelle für Investoren. In dieser Weise gestärkt als wichtige Helfer für mehr Transparenz bräuchten Wirtschaftsprüfer auch keine lukrative Beratungssparte mehr. Sie kommen ohnehin nur in Erklärungsnot, wenn sie ein und dasselbe Unternehmen strategisch beraten, dann aber auch noch die Bilanzen prüfen.

    Glaubt doch niemand, dass sie sich selbst Fehler attestieren würden. Eine klare Trennung zwischen Prüfung und Beratung ist zwingend nötig, um die Unabhängigkeit und damit Glaubwürdigkeit der Prüfer zu stärken. Dieter Fockenbrock

    Contra: Stärkt die Prüfung!

    Der Fall Wirecard wird und muss dazu führen, dass Qualität, Aufgabe und Selbstverständnis der Wirtschaftsprüfung erneuert werden. Wo aber sollten wir dabei ansetzen? Obwohl noch nicht klar ist, was bei Wirecard genau passierte, werden Forderungen nach einer strikten Trennung von Prüfung und Beratung bis hin zur Zerschlagung der großen Prüfungsgesellschaften laut. Das ist ein nachvollziehbarer Reflex. Aber es ist doch fraglich, ob damit die Probleme aus der Welt geschaffen werden.

    Man kann die Machtkonzentration bei den „Big Four“ kritisch sehen. Es hat Gründe, warum PwC, EY, KPMG und Deloitte über 80 Prozent der börsennotierten Firmen prüfen. Sie haben aus Sicht der Mandanten die nötigen Kapazitäten und Kompetenzen, globalisierte Konzerne als Prüfungsfirma zu begleiten. Die verpflichtende Rotation hat jedenfalls nicht dazu geführt, dass kleinere Gesellschaften an den großen Topf der Dax-Prüfung kommen.

    Das würde nur gelingen, wenn sie als Zweitprüfer in einem Joint Audit den „Big Four“ an die Seite gestellt werden. Das wäre ein Weg für mehr Wettbewerb auf dem Prüfermarkt – und möglicherweise auch für mehr Qualität, weil man das Vieraugenprinzip in der Abschlussprüfung walten lässt.

    Hinter der Aufspaltungsforderung steht die Kritik, dass keine Wirtschaftsprüfung gleichzeitig Unternehmensberatung sein sollte. Dabei schwingt letztlich der Vorwurf mit, dass der Prüfer nicht genau hinschaut, weil sein Arbeitgeber den Mandanten ja gleichzeitig berät. Das aber entspricht nicht der Realität.

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    Die Trennung von Unternehmensberatung und Prüfung ist bereits gesetzlich festgeschrieben: Keiner darf denjenigen beraten, den er prüft. Dass dies in der Praxis funktioniert, ist auch Aufgabe des Aufsichtsrats, und der hat in den meisten Firmen mittlerweile einen kritischen Blick darauf. Aus dem Fall Wirecard lässt sich nicht ableiten, dass ein Beratungsverbot für den Prüfer diesen Skandal verhindert hätte.

    Sicher: Die Dienstleister beraten Mandanten im prüfungsnahen Bereich, was gesetzlich erlaubt ist und auch sinnvoll sein kann. Bei Wirecard hat EY solche prüfungsnahen Dienste für gerade mal 300.000 Euro erbracht. Kann man ernsthaft glauben, dass ein Abschlussprüfer beim Bilanztestat wegschaut oder patzt, um eine solche vergleichsweise Mini-Einnahme nicht zu gefährden? Um die Qualität der Abschlussprüfung zu verbessern, müssen wir an der Frage ansetzen, was ein Prüfer können und leisten sollte.

    Ob er stärker forensisch arbeiten muss, mehr Details publizieren darf, mehr Sonderprüfungen nötig sind. Ob es neue Risikokontrollsysteme bei Firmen und Prüfern geben muss und ob die knappe Zeit bei der Abschlussprüfung ausreicht.

    Die Anbieter haben die Verantwortung, für ihre Kernaufgabe das am besten qualifizierte Personal und moderne Technologien zur Verfügung zu stellen. Der gemeinsame Wille muss lauten: Stärkt die Wirtschaftsprüfung! Eine Zerschlagung dieser Firmen braucht es dafür nicht. Bert Fröndhoff

    Mehr: Die deutschen Wirtschaftsprüfer stehen im Fall Wirecard am Pranger.

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    1 Kommentar zu "Pro & Contra: Müssen die großen Wirtschaftsprüfungsfirmen zerschlagen werden?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Nicht gleich zerschlagen, nur einmal einen richtig fetten Schadenersatz leisten, dann arbeiten alle in Zukunft sorgfältiger und vor allem wirklich unabhängig.

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