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Pro und Contra Müssen wir im Kampf gegen Corona hart bleiben?

Die Zahl der Neuinfektionen steigt wieder. Brauchen wir weiterhin strenge Maßnahmen im Kampf gegen das Virus oder sollten wir Mut zur Normalität haben? Zwei Meinungen.
13.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Eine Schülerin der Gesamtschule in Münster muss mit Mund- und Nasenmaske an der Tafel rechnen. Quelle: dpa
Nordrhein-Westfalen startet mit Masken im Unterricht

Eine Schülerin der Gesamtschule in Münster muss mit Mund- und Nasenmaske an der Tafel rechnen.

(Foto: dpa)

Pro: Leben statt Party

Von Thomas Sigmund

Wer meint, im Herbst könnten wieder Fußballspiele oder große Rockkonzerte stattfinden, spielt fahrlässig mit einem zweiten Lockdown. Alle Ökonomen sagen, das würde der deutschen Wirtschaft den Rest geben. Hören wir auf sie. Es ist gut, dass die Gesundheitsminister bis zum 31. Oktober große Veranstaltungen ausgeschlossen haben.

Dass gerade die beiden Top-Fußballvereine Bayern und Dortmund Druck machen, möglichst bald vor möglichst vielen Zuschauern zu spielen, mag aus deren Sicht verständlich sein. Aber mit jeder Großveranstaltung droht ein kleines Ischgl. Die Wissenschaft zeigt ganz eindeutig, dass vor allem große Events mit Tausenden Menschen ideale Voraussetzungen für Superspreader sind.

Nun mag Fußball der Deutschen liebstes Kind sein. Für die Volkswirtschaft ist es jedoch viel wichtiger, dass die Autoindustrie, der Maschinenbau oder die Chemiebranche wieder voll in Schwung kommen. Die Kinder müssen in die Schule, die Auszubildenden in die Betriebe, die Studenten an die Universitäten. Für ein paar Stunden Party sollte man das nicht aufs Spiel setzen.

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    Das zarte Pflänzchen der wirtschaftlichen Erholung, das man gerade wieder in den Statistiken sieht, darf nicht zertreten werden. Die Familien können endlich wieder etwas durchatmen. Das muss so bleiben.

    Deutschland bewegt sich ohnehin in einer Coronablase aus Kurzarbeitergeld, Konjunkturprogrammen und einer künstlich aufgeschobenen Insolvenzwelle. Wer daraus eine Happy-Pappy-Veranstaltung machen möchte, muss es laut sagen.

    Man muss sich nur die Bilder vom Ballermann oder von der Goldküste anschauen. Wenn Massen sich bewegen, ist die Vernunft schnell weg. 25.000 Leute in einem Stadion sind einfach unter Hygienegesichtspunkten eine äußerst schlechte Idee. In Deutschland hat die Zahl der Neuinfektionen die 1000er-Marke überschritten.

    Das mag momentan noch alles handhabbar sein, was die Belegung von Intensivbetten und die Belastung der Gesundheitsämter angeht. Wer in Mathematik jedoch einigermaßen aufgepasst hat, weiß, wie exponentielles Wachstum verläuft.

    Weltweit gibt es inzwischen mehr als 20 Millionen Infizierte, die Zahl hat sich innerhalb von sechs Wochen verdoppelt. Die Deutschen und ihre Politiker waren sehr diszipliniert. Wir gelten als Musterschüler.

    Wer brasilianische oder amerikanische Verhältnisse möchte, spielt nicht nur mit der Gesundheit der Menschen, sondern auch mit dem Schicksal der deutschen Wirtschaft und Millionen von Arbeitsplätzen. Die Briten bekommen das gerade schmerzhaft zu spüren.

    Contra: Mut zur Normalität

    Von Thomas Tuma

    Die Kassandren formieren sich wieder: Achtung, die Zahl der Neuinfektionen steigt! 1226 hat das Robert Koch-Institut zuletzt deutschlandweit gezählt. Vorsicht, das ist der „höchste Wert seit Anfang Mai“, rechnete die „FAZ“ beflissen vor.

    Aber wenn es die viel beschworene „zweite Welle“ gibt, dann ist es derzeit nicht die neuer Corona-Opfer, sondern der Warnungen vor zu viel Normalität. Erinnert sich noch jemand an das Geschrei, als im Kreis Gütersloh rund um die Tönnies-Tagelöhner über 1000 Infektionen gemeldet wurden?

    So schnell, wie der Ausbruch kam, hatte man ihn auch im Griff. Weil das deutsche Gesundheitssystem mittlerweile vorbereitet ist. Und weil wir alle aus den ersten Coronamonaten viel gelernt haben.

    Die Frage ist nicht, ob wir unsere bisherigen Erfolge aufs Spiel setzen, wie es nun vielerorts heißt. Die Pandemie-Bekämpfung ist kein Nationen-Contest, wo gewinnt, wer die niedrigsten Fallzahlen hat. Die Frage ist vielmehr: Was ist überhaupt unser Ziel? Dass der berühmt-berüchtigte Reproduktionsfaktor unter 1,0 liegt? Oder wollen wir Corona ausrotten? Der Erreger wird leider nicht verschwinden.

    Insofern kann die Antwort nur lauten: Unser Ziel muss es sein, mit dem Virus leben zu lernen. Achtsam, aber unaufgeregt, was in unserer Empörungsdemokratie, zugegeben, nicht ganz leicht ist.

    Natürlich sind damit keine masken-freien Ballermann-Partys gemeint. Aber unsere Kinder zum Beispiel müssen wieder in die Kitas und Schulen, wobei der deutsche Föderalismus übrigens eher Segen als Fluch ist, denn so können unterschiedliche Strategien ausprobiert werden, um den sichersten Weg für alle zu finden.

    Und wir? Müssen trotz aller Homeoffice-Segnungen peu à peu wieder an unsere Arbeitsplätze zurückkehren. Genauso müssen wir auch das Diner mit Freunden, den Urlaub im Ausland und vor allem die Rückkehr zu dem wagen, was uns eben auch zu Menschen macht: unserer Kultur.

    Der Versuch des Konzertveranstalters Marek Lieberberg, Anfang September in Düsseldorf ein Popkonzert für 13.000 Fans zu veranstalten, ist deshalb aller Ehren wert, auch wenn er von Markus Söder reflexhaft als „verantwortungslos“ diskreditiert wird.

    Das Gegenteil ist der Fall: Lieberbergs Sicherheitskonzept klingt überzeugend. Vor allem bietet es einen Hoffnungsschimmer für die gesamte Kunst- und Veranstaltungsbranche, die von der Politik schmählich im Stich gelassen wurde.

    In Berlin wurden zwar zig Regeln erlassen, was alles nicht erlaubt ist. Nur konstruktive Pläne für einen Neustart gibt es bis heute nicht. Auch da geht es um Milliardenumsätze und Jobs. Aber eben nicht nur.

    Lieberbergs Motto für Düsseldorf mag arg pathetisch klingen, trifft aber den Kern: „Give Live a Chance“.

    Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in unserem Newsblog.

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