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Klimademonstration Fridays for Future

Die Protestbewegung zieht Zehntausende meist junge Menschen auf die Straßen.

(Foto: dpa)

Pro und Contra Trägt der Staat die Hauptverantwortung im Klimaschutz?

Wer muss das Klima retten? Christian Rickens findet, der Staat müsse mehr regulieren. Jürgen Flauger meint, die Bürger schöben die Verantwortung lieber den Unternehmen zu.
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Pro: Regeln statt Worte

Es soll Radfahrer geben, die es genießen, im Nieselregen einen handtuchbreiten Radweg entlang zu holpern und sich dabei von gut klimatisierten SUVs überholen zu lassen. Weil sich diese Radler erst durch das massenhafte ökologische Fehlverhalten der Autofahrer so richtig ethisch überlegen fühlen können. Nun, ich gehöre nicht zu der Kategorie Mensch.

Wenn ich meinen Lebensstil um des Klimaschutzes willen einschränken soll, aber außer mir kaum jemand mitmacht, dann verliere ich sehr schnell die Lust. Bin ich deshalb egoistisch? Mag sein, vielleicht aber auch nur ehrlich.

Denn zwischen unserer aller Beteuerungen, wie wichtig uns die Zukunft unseres Planeten ist, und unserem alltäglichen Verhalten klafft ganz offenbar eine Riesenkluft: Alle reden über Flugscham, aber die Passagierzahlen an deutschen Flughäfen erreichen Rekordwerte. Alle klagen zu Recht über die furchtbare Massentierhaltung, aber vegane Speisen und Biofleisch bleiben Nischenprodukte. Und die Staus Richtung Innenstadt sind auch nicht kürzer geworden.

Zum Glück sind moderne Gesellschaften nicht darauf angewiesen, dass sich Menschen freiwillig in Askese üben. Denn wir haben ja den Staat, der dafür sorgen kann, dass sich alle an bestimmte Regeln halten müssen, die wir als Gesellschaft für richtig erachten. Die geeigneten Instrumente dazu sind im Extremfall Verbote, in den allermeisten ökologischen Fragen aber Strafsteuern oder handelbare Verschmutzungszertifikate.

Ich möchte nicht jedes Mal vor der Fleischtheke mit meinem Gewissen ringen müssen, ob ich nun zur Billigwurst, zum Ökofleisch oder gleich zum veganen Ersatzprodukt greife. Ich möchte, dass der Staat Massentierhaltung ganz verbietet und alle anderen Fleischprodukte so teuer macht, wie es ihrem wahren ökologischen Fußabdruck entspricht. „Internalisierung der externen Kosten“ nennen das Ökonomen, und das klingt natürlich bei Weitem nicht so warmherzig wie der wohlfeile Appell an unser aller Gewissen.

Alle, die primär auf die individuelle Verantwortung des Verbrauchers setzen, müssen sich fragen lassen: Warum dieses hehre Prinzip auf die Ökologie beschränken? Warum schaffen wir nicht gleich alle Steuern ab und ersetzen sie durch freiwillige Spenden an den Staat, die jeder verantwortungsbewusst denkende Bürger doch sicher gerne entrichten wird?

In Wahrheit zahlt niemand gerne Steuern, aber jeder vernünftige Mensch sieht ein, das sie gezahlt werden müssen. Und genau so ist es mit dem Klimaschutz.

Die größte Verantwortung tragen wir Bürger
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