Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
171208 FRANKFURT Dec 8 2017 The European Central Bank ECB President Mario Draghi attend

(171208) -- FRANKFURT, Dec. 8, 2017 -- The European Central Bank (ECB) President Mario Draghi attends a news conference at the ECB headquarters in Frankfurt, Germany, Dec. 7, 2017. ) (zxj) GERMANY-FRANKFURT-ECB-DRAGHI LuoxHuanhuan PUBLICATIONxNOTxINxCHN

(Foto: imago/Xinhua)

Pro und Contra Verdient Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz?

Über die Leistung des früheren EZB-Chefs wird heftig gestritten. Hat er mit der Niedrigzinspolitik den Euro gerettet oder eher Sparern geschadet?
29.01.2020 - 04:10 Uhr 2 Kommentare

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz verleihen.

Auch andere Zentralbankchefs wurden damit schon ausgezeichnet. Für die einen hat Draghi die Auszeichnung verdient, weil er durch seine Geldpolitik die Euro-Zone gerettet hat.

Andere finden sein Handeln unverantwortlich. Ein Pro und Contra.

Pro: Einer hat es verdient

Verdienstkreuze für ehemalige Zentralbankchefs sind normalerweise Formsache. Doch Mario Draghi hat sich den Orden wirklich verdient, findet Christian Rickens.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mario Draghi hatte als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) zwei Vorgänger, den Niederländer Wim Duisenberg und den Franzosen Jean-Claude Trichet. Beide haben die Zentralbank durch eher ruhige Zeiten geführt und wurden mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Dass Spitzenbeamte vom Kaliber eines EZB-Chefs diesen Orden umgehängt bekommen, ist diplomatische Formsache und hat wenig mit individuellen Leistungen zu tun.

    Nun soll auch Mario Draghi an der Reihe sein – und konservative Politiker wie CSU-Generalsekretär Markus Blume wettern prompt gegen die „schleichende Enteignung“ der deutschen Sparer, die Draghi angeblich mit seiner Niedrigzinspolitik zu verantworten hat.

    Doch ausgerechnet Draghi diese Auszeichnung zu verweigern wäre absurd. Er ist als bislang einziger EZB-Präsident weit über die bloße Pflichterfüllung hinausgegangen. In der schwersten Stunde der Währungsunion, als die europäische Politik wie gelähmt war, hat der Beamte Draghi getan, was wir eigentlich von Politikern erwarten: Er hat gehandelt.

    Wir erinnern uns – Juli 2012, die europäische Staatsschuldenkrise erreicht ihren Höhepunkt. Die Finanzmärkte spekulieren darauf, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. In seiner berühmt gewordenen Rede erklärt Draghi, dass die EZB die Währungsunion mit allen Mitteln verteidigen werde. Mit Negativzinsen und Anleihekäufen verhindert er fortan, dass die Euro-Zone in eine Spirale aus Deflation, Staatsbankrotten und Wirtschaftskrise abrutscht. Nicht im Alleingang, für all diese Maßnahmen erhält er die Zustimmung des EZB-Rats.

    Mit ihrer Geldpolitik verschafft die EZB den europäischen Staaten Zeit für politische Reformen. Dass die meisten Regierungen sich lieber auf den niedrigen Zinsen ausruhen, hat Draghi immer wieder angeprangert.

    Natürlich hat sein mutiges Handeln Nebenwirkungen. Die Renditen beispielsweise für Lebensversicherungen sind gesunken. Die Gefahr von Spekulationsblasen etwa am Immobilienmarkt ist gestiegen. Und man kann darüber diskutieren, ob die EZB den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik verpasst hat. Doch die Alternative eines Euro-Crashs wäre gerade den kleinen Bürgern, als dessen Anwalt sich die CSU nun aufspielt, deutlich teurer gekommen.

    Nur wer gar nichts macht, macht keine Fehler. Wer jetzt ausgerechnet Draghi das Verdienstkreuz absprechen will, erklärt den risikolosen Dienst nach Vorschrift zum Idealbild. Ein falsches, ein fatales Signal.

    Contra: Verpasste Chance

    EZB-Präsident Mario Draghi hätte das Bundesverdienstkreuz ablehnen sollen. Jetzt reißen die Wunden seiner ultralockeren Geldpolitik wieder auf, meint Thomas Sigmund.

    Der Weltökonom und Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt lehnte das Bundesverdienstkreuz ab. Der Hamburger begründete das damit, dass er nur seine Pflicht getan habe. Das war ein hanseatisches Nein. Diese Tradition rührt daher, dass es keine Knechte und keine Könige in der Hansestadt gibt.

    Diese Art von Pflichterfüllung hätte Mario Draghi auch wählen können. Dem früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank hätte damit ein eleganter Ausweg offengestanden, als die Anfrage aus Berlin kam, ob er denn den Orden annehmen würde. Ohne viel Aufhebens und viel Wirbel um seine Person und seine Politik. Eben ganz hanseatisch. Oder um es übertragen auf Helmut Schmidt zu sagen: Es war einfach die Pflicht von Mario Draghi, den Euro in schwierigen Zeiten zu stabilisieren. Das sieht das Mandat der Europäischen Zentralbank vor, nicht mehr und nicht weniger.

    Mario Draghi hat seine Verdienste. Ob es den Euro ohne sein „Whatever it takes“ heute noch so gäbe, weiß man nicht. Aber seine ultralockere Geldpolitik hat auch erhebliche Nebenwirkungen. Die Verlierer sind die Sparer und viele, die eine Lebensversicherung gezeichnet haben. Die europäische, insbesondere die deutsche Politik war zu Hochzeiten der Griechenland-Krise froh, dass Draghi ihr den Großteil der Lasten abnahm.

    Sein Aufkaufprogramm hat einen ähnlichen Effekt wie Euro-Bonds: Es legt ein Risiko von den einzelnen Staaten auf die ganze Euro-Zone um. Und das, obwohl die Deutschen genau diese Euro-Bonds deutlich ablehnten. Jetzt hat die deutsche Politik mit den Auswirkungen von Draghis Politik zu kämpfen, unter anderem den Negativzinsen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will den Sparern mit staatlicher Unterstützung helfen.

    Deswegen gibt es in Deutschland nicht wenige, die auf den früheren EZB-Chef nicht gut zu sprechen sind. Glaubt man den Umfragen, sehen fast zwei Drittel der Bürger die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an ihn kritisch. Nur elf Prozent finden, dass er die Auszeichnung zu Recht bekommt.

    Es ist vor allem eine Steilvorlage für all diejenigen, die Mario Draghi für die Wurzel allen geldpolitischen Übels halten. Das stimmt definitiv nicht. Trotzdem hätten er selbst oder seine Berater diese heftige Debatte in Deutschland voraussehen können. Die Auszeichnung wird alte Wunden aufreißen, bei seinen Fans und seinen Gegnern. Das hätte nicht sein müssen. Es wäre vielmehr ein Zeichen von Größe gewesen, auf den Orden frühzeitig zu verzichten. Diese Chance hat Mario Draghi leider vertan.

    Mehr: EZB-Chefin Christine Lagarde kündigt eine Überarbeitung der Notenbank-Strategie an.

    Startseite
    Mehr zu: Pro und Contra - Verdient Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz?
    2 Kommentare zu "Pro und Contra: Verdient Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Aber natürlich sollte Herr Frank-Walter Steinmeier Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz verleihen; dann wacht vielleicht der letzte auf, was die SPD Agenda 2030 ist. Herr Steinmeier & Genossen wollen bestimmt, wie letztlich ein Top Genosse, auf eine Banken Spitzenposition und dazu will das Netzwerk ja schon frühzeitig bestellt sein.
      Aber was ist Es eigentlich noch Wert? -> Bisher wurde der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland rund 257.000 Mal verliehen (Stand Ende 2017 – Ref. WIKI).

    • Nein, er hat das verdirnstkreuz nicht verdient, denn er hat durch seine Politik das Finanzsystem und den Bankensektor massiv verwirrt. Blasen bei Immobilienbereich und bei Aktien sind die Folge.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%