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Pro und Contra Wichtige Initialzündung oder rausgeworfenes Geld: Brauchen wir eine Kaufprämie für Autos?

Die Autoindustrie drängt auf staatliche Hilfen, um den Autoabsatz in Coronazeiten anzukurbeln. Doch wie sinnvoll ist das? Zwei Meinungen.
20.04.2020 - 16:59 Uhr 2 Kommentare
Helfen Prämien die Autonachfrage zu erhöhen oder steigt die Nachfrage nur, wenn potenzielle Kunden finanziell unterstützt werden?
Kaufprämie

Helfen Prämien die Autonachfrage zu erhöhen oder steigt die Nachfrage nur, wenn potenzielle Kunden finanziell unterstützt werden?

Pro: Wichtige Initialzündung

Von Stefan Menzel

Seit Mitte März ruht die Produktion in den deutschen Autowerken. Auch bei den Autohändlern ist seitdem nicht viel passiert, weil die Betriebe ebenfalls schließen mussten. Die Zulassungszahlen für den April dürften dramatisch schlecht ausfallen: Ein Nachfrageeinbruch zwischen 60 und 80 Prozent gilt als realistisch.

Vor diesem Hintergrund ist es ein gutes Zeichen, dass die Produktion langsam wieder anlaufen soll. Die Autobranche liefert ein Signal dafür, dass wir uns vorsichtig in Richtung Normalität vorwagen können.

Das heißt nicht, dass die künftig produzierten Autos einen Käufer finden werden. Denn wer im Moment Sorgen um seinen Arbeitsplatz oder seine Firma hat, der wird nicht gleich zum nächsten Autohändler rennen. Mit einer Prämie von einigen Tausend Euro wäre die Schwelle zum Fahrzeugkauf aber um einiges niedriger.

Die Autobranche ist extrem wichtig für das Land. Sie steht für etwa zehn Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Rund 800.000 Menschen arbeiten unmittelbar bei Autoherstellern und Zulieferern. Dazu kommen weitere Hundertausende von Beschäftigten, die indirekt von den Aufträgen aus der Autobranche leben.

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    Wenn der wichtigsten deutschen Industriebranche recht bald eine staatliche Förderprämie eingeräumt würde, könnte über steigende Zulassungszahlen eine Initialzündung beginnen. Wenn es in der Autoindustrie wieder losgeht, profitiert die ganze Wirtschaft.

    In der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass eine solche Prämie funktioniert. 700.000 Autos sind damit im Jahr 2009 in Deutschland zusätzlich verkauft worden, ein Anstieg von 23 Prozent zum Vorjahr. Damit gelang die erhoffte Wiederbelebung der Autoindustrie, die sich damals ebenfalls in einer bedrohlichen Situation befand.

    Wenn es in der Autoindustrie wieder losgeht, profitiert die ganze Wirtschaft.

    Entscheidend wird sein, dass die Politik eine neue Prämie bald beschließt. Die Aufträge fehlen jetzt, die Ankurbelung der Autonachfrage muss in den kommenden Monaten gelingen. Zwangsläufig werden im nächsten oder übernächsten Jahr einige Autokäufe ausbleiben, weil die Prämie für eine vorgezogene Nachfrage sorgt.

    Aber das wird der Autobranche nicht weh tun, weil sie die Krise dann überstanden hat und kleinere Nachfragedellen durchstehen kann. Auch das hat die Abwrackprämie während der Finanzkrise gezeigt.

    Die neue Prämie muss zweckgebunden sein. Einfach nur einen festen Betrag zu überweisen, würde nichts bringen, weil das Geld bei vielen auf dem Sparkonto landen würde. Eine Koppelung an das Auto wird ihren Zweck erfüllen – die Wirtschaft fährt wieder los.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Contra rausgeworfenes Geld

    Von Dieter Fockenbrock

    Die Produktion in den Automobilwerken ist noch gar nicht angelaufen, die Autohäuser haben gerade erst geöffnet, schon meldet die Branche den Wunsch nach einer Verkaufshilfe an. „Breit angelegt“ soll die Prämie sein, das heißt auch Fahrzeuge mit konventionellen Diesel- und Benzinmotoren umfassen. Denn: Die Autoindustrie stecke in einer schweren Krise und nur so lasse sich der Absatz wieder ankurbeln, heißt es zur Begründung.

    Richtig daran ist, dass Deutschlands größter Wirtschaftszweig mit seinen 800.000 Beschäftigten schwer mit der Coronakrise zu kämpfen hat. Falsch ist es allerdings zu glauben, dass staatliche Prämien – welcher Art auch immer – daran etwas nachhaltig ändern würden. Gegen Verkaufs- oder Verschrottungsprämien sprechen zwei Gründe.

    Erstens: In Deutschland werden zwei Drittel aller Neufahrzeuge von Industrie, Handel und Gewerbe angemeldet. Eine Prämie nur für Privatkunden würde schon mal an einem großen Teil des Marktes vorbeigehen. Gewerbliche Käufer würden sich allerdings nicht für den Kauf eines neues Fahrzeugs entscheiden, nur weil der Staat ein paar Tausend Euro drauflegt. Schon gar nicht in diesen Tagen.

    Private Autokäufer werden aufgeschobene Käufe von Neufahrzeugen auch ohne Staatsprämie nachholen.

    Unternehmen werden neue Autos nur kaufen, wenn die Geschäftslage es hergibt. Die Finanzlage ist bei großen wie kleinen Firmen durch den teilweisen Totalausfall beim Umsatz derzeit so angespannt, dass der Neukauf eines Firmenwagens auf der Prioritätenliste sicher nicht an erster Stelle steht.

    Zweitens: Private Autokäufer werden aufgeschobene Käufe von Neufahrzeugen auch ohne Staatsprämie nachholen. Jedenfalls, soweit die Kasse das zulässt. Wem durch Kurzarbeit oder gar Verlust des Arbeitsplatzes das Geld ausgegangen ist, dem ist auch mit einer Abwrackprämie nicht zu helfen. Wen die Coronakrise schwer getroffen hat, der denkt wohl kaum an den Kauf eines neuen Pkws. Eher steht zu befürchten, dass in Erwartung einer Prämie Käufe sogar aufgeschoben werden. Der Mitnahmeeffekt wäre programmiert.

    Statt Prämien zu zahlen, wäre es sinnvoller, staatliche Hilfe zum Beispiel den Hunderttausenden von Selbstständigen und Unternehmen aus Gastronomie, Handwerk oder Dienstleistung zugutekommen zu lassen. Deren Geschäfte müssen wieder in Gang kommen, zumal es dort keinen Nachholbedarf gibt.

    Kommen die Geschäfte in Schwung, wird das auch den Verkauf von Firmenwagen ankurbeln und die Mitarbeiter ebenfalls motivieren, den Frust der Coronazeiten durch den Neukauf eines Autos ein wenig zu kompensieren.

    Mehr: Die Autoindustrie drängt auf eine staatliche Kaufprämie von mehreren Tausend Euro

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    Mehr zu: Pro und Contra - Wichtige Initialzündung oder rausgeworfenes Geld: Brauchen wir eine Kaufprämie für Autos?
    2 Kommentare zu "Pro und Contra: Wichtige Initialzündung oder rausgeworfenes Geld: Brauchen wir eine Kaufprämie für Autos?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Bitte, bitte alle Fördermittel für E-Autos in eine narrensichere und kostengünstige Ladeinfrastruktur investieren. Die kw/h darf maximal 10 % über dem aktuell günstigsten Haustarif kosten. Die Kaufprämie ist doch ein Witz. Angeblich teilen sich Staat und Hersteller die Prämie. Aber wer legt den Verkaufspreis fest? E-Mobile müssten doch von Haus aus günstiger sein, da auf viele mechanische Teile (Motor mit Kolben, Getriebe) verzichtet werden kann. E-Autos sind in der Produktion günstig aber die Herstellung einer guten Infrastruktur kostet.

    • Kaufprämien für Autos würden sicher kurzfristig positive Stimuli in der Wirtschaft setzen. In Anbetracht der Tatsache, dass die deutsche Automobilindustrie keine Autos anbietet, die zukünftig technisch Bestand haben, wäre die Gefahr einer Fehlinvestition des Staates sehr hoch. Volkswirtschaftlich sinnvoll wäre eine Investition in Elektroautos, denn diese sind auch noch im Jahr 2027 up to date. Kaufprämien für Technik von gestern hat die gleiche Wirkung wie die Subvention von sterbenden Branchen, Produkten und Energieträgern. Es verzögert nur den längst fälligen Wandel der Technik oder der Märkte. Es wäre langfristig eine Fehlinvestition, die den Schuldenberg des Staates unnötig vergrößern, den die nachfolgende Generation abtragen muss.

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