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Stahl aus Deutschland

Die deutschen Stahlhersteller rechnen mit fast vollständiger Verdrängung.

(Foto: dpa)

Protektionismus Was Trumps Strafzölle für Verbraucher und Firmen bedeuten

Donald Trump will Stahlimporte in die USA großflächig besteuern. Was heißt das für Firmen und Verbraucher? Ein Überblick.
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DüsseldorfMit der Ankündigung von Strafzöllen auf Aluminium- und Stahlimporte, versetzt der US-Präsident die Welthandelsgemeinschaft in Aufruhr. Nach der umstrittenen Steuerreform, die ausländische Unternehmen benachteiligt, zeigt Donald Trump ein weiteres Mal, was er unter „America First“ versteht.
Kanada, China und Europa reagieren empört. Dagegen jubeln in den USA die Anleger von Metallaktien. Doch was genau bedeutet Trumps Maßnahme für Firmen und Verbraucher in Europa und den USA? Ein Überblick.

Auf welche Produkte sollen die Zölle entfallen und gegen wen richten sich die Maßnahmen?

Trump will auf alle Stahlimporte Steuern in Höhe von 25 Prozent erheben. Auf Aluminium-Einfuhren sollen zehn Prozent erhoben werden.

Damit zielt er eigenen Aussagen zufolge vor allem wegen angeblich unfairen Wettbewerbs auf China. Paradoxerweise – denn die USA importieren kaum Stahl aus China.

So schaffte es China im dritten Quartal 2017 nicht einmal unter die Top 10 der Länder, aus denen die USA Stahl importierten, wie die Daten des US-Handelsministeriums zeigen. Der Anteil der Stahlimporte aus China betrug weniger als zwei Prozent. Wenn es nach den Daten geht, führt Trump seinen Handelskrieg gegen Kanada. Die Stahlimporte aus dem Nachbarland betrugen 16 Prozent.

Wann soll die Regelung von Trump in Kraft treten?

Bereits in der kommenden Woche will Trump die Verordnung über die Strafzölle unterzeichnen. Allerdings ist noch nicht ganz klar, ob die Zölle phasenweise eingeführt werden sollen und ob nicht ausgewählte Länder von den Beschränkungen verschont werden, wie einige seiner Berater es sich wünschen.

Auch ist noch nicht klar, wie lange die Zölle gelten sollen. Trump gab jedoch am Donnerstagabend zu verstehen, dass die Maßnahmen „von langer Dauer“ sein sollen. Er wolle den Vereinigten Staaten die Möglichkeit geben, die Metallindustrie wiedererstarken zu lassen, so der US-Präsident.

Warum werden die Strafzölle überhaupt erhoben?

Mit den Strafzöllen will Trump die heimischen Stahl- und Aluminiumhersteller vor der Konkurrenz aus dem Ausland schützen. Die Auslastung der US-Stahlindustrie liegt bei 73 Prozent, jene der Aluminiumhersteller bei gerade Mal 48 Prozent. Auch sind in den vergangenen Jahren Jobs in der Stahlproduktion weggefallen. Allein zehn US-Stahlwerke mussten seit 2000 schließen, die Beschäftigtenzahl in der Branche binnen der letzten 20 Jahre ging um 35 Prozent zurück.

25 Prozent auf vieles – diese Auswirkungen haben Trumps Strafzölle

Die Zölle sollen nun helfen, die Auslastung in der US-Metallindustrie auf 80 Prozent zu erhöhen – sowohl in der Stahl- als auch in der Aluminiumsparte: „Wir werden neue Jobs und pulsierende Unternehmen bekommen“, kommentierte der US-Präsident sein Vorhaben.

Wie hoch stehen die Chancen für den Erfolg von Trumps Politik?

Nicht besonders hoch, wenn man die US-Erfahrungen mit Stahlzöllen aus der Vergangenheit berücksichtigt. So hatte es bereits Trumps republikanischer Vorgänger, George W. Bush, im Jahr 2002 mit Strafzöllen auf Stahlimporte versucht. Die Bush-Regierung besteuerte ausländische Stahlimporte mit acht bis 30 Prozent. Damals kam die US-Regierung mit ihrem Protektionismus allerdings nicht durch.

Die EU kündigte ebenfalls Strafzölle an und einige Länder beschwerten sich über das Vorgehen der USA bei der Welthandelsorganisation (WTO). Diese erklärte, die Zölle würden internationale Handelsabkommen verletzen und das würde Sanktionen nach sich ziehen. So musste Bush die Beschränkungen bereits 2003 wieder auf Eis legen. Dass die Welthandelsgemeinschaft dieses Mal ein Auge zudrückt, scheint mehr als unwahrscheinlich.

Die Einführung der Strafzölle auf Stahl ist auch im Jahr 2018 ein juristisch heikler Schritt: „Diese Maßnahme verstößt eindeutig gegen Regeln der WTO“, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff.

Was bedeuten die Strafzölle für die US-Firmen?

Auf den ersten Blick sind die Strafzölle Trumps für die US-Metallindustrie ein Geschenk. Denn wenn Stahlimporte aus dem Ausland teurer werden, können heimische Hersteller mit eigenem Stahl die Nachfrage bedienen. Das zeigte sich auch deutlich an den Börsen, wo die Aktien von Metallherstellern zulegten.

Zu den Gewinnern am US-Börsenparkett zählten am Donnerstag die Aktien von United States Steel Corporation (ein Plus von fast sechs Prozent). Century Aluminium und AK Steel legten 7,5 beziehungsweise knapp zehn Prozent zu. Steel Dynamics gewann knapp vier Prozent.

Allerdings produzieren die einheimischen Hersteller auch zu höheren Kosten, was wiederum die Kosten für all jene Firmen erhöht, die Stahl und Aluminium für die Herstellung ihrer Produkte benötigen. Tatsächlich erntet Trump mit seinen Strafzöllen gerade viel Kritik, auch aus den eigenen Reihen.

„Wir haben zum ersten Mal Schutz“ – Trump kündigt Strafzölle an

So sagte ein Sprecher des Republikaners Paul Ryan, der Präsident solle seine Entscheidung noch einmal überdenken. Andere Republikaner nannten die Maßnahme „eine Last, die sich die USA nicht leisten können“. Zuspruch gab es erstaunlicherweise von den Demokraten: Die Maßnahme sei lange überfällig gewesen, sagte etwa Sharrod Brown, ein Politiker der Demokratischen Partei aus Ohio.

Was bedeuten die Strafzölle für die deutschen Firmen?

Die deutsche Stahlindustrie rechnet damit, dass die von Trump angekündigten Zölle die deutschen Hersteller fast vollständig vom Markt verdrängen werden. Mit einem Importwert von 1,7 Milliarden Dollar ist Deutschland der wichtigste europäische Anbieter auf dem US-Markt. Insgesamt liefert die EU rund 3,6 Millionen Tonnen Stahl in die USA – allerdings bei einem Gesamtausstoß von rund 130 Millionen Tonnen. Damit ist Europa einer der großen Exporteure nach China, Kanada, Brasilien und Südkorea.

Einzelne Stahlhersteller wollten sich am Morgen noch nicht äußern. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl fürchtet jedoch gravierende Konsequenzen. „Ein erneuter Ausbruch der bis heute noch nicht vollständig überwundenen Importkrise auf dem EU-Stahlmarkt wäre die unweigerliche Folge“, sagte Kerkhoff.

Wie reagieren die US-Handelspartner auf die Ankündigung?

Die Weltgemeinschaft hat mit Empörung auf Trumps Ankündigung reagiert. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden“, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland bezeichnete die Zölle als „absolut inakzeptabel“.

In Deutschland bezeichnete der CSU-Politiker Manfred Weber die Strafzölle als Provokation und eine „sehr gefährliche Entwicklung“. Für den SPD-Europaabgeordneten Bernd Lange sind die Strafzölle „Protektionismus in Reinform“.

Auch aus China kam Kritik: „Würden alle Länder dem Beispiel der Vereinigten Staaten folgen, hätte dies zweifellos schwerwiegende Auswirkungen auf den internationalen Handel“, sagte eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums am Freitag. China fordere die USA dazu auf, Zurückhaltung bei der Nutzung von Instrumenten des Handelsschutzes zu üben und sich an internationale Handelsregeln zu halten.

Welche Gegenmaßnahmen drohen den USA?

Unmittelbar nach der Ankündigung ist Kanada am deutlichsten geworden. So hat Außenministerin Chrystia Freeland angekündigt, mit Maßnahmen zu reagieren, „um unsere Handelsinteressen und unsere Arbeiter zu schützen “. Freeland zufolge haben die USA beim Stahlhandel mit Kanada einen Handelsüberschuss von rund zwei Milliarden kanadischen Dollar (1,3 Milliarden Euro). „Kanada kauft mehr amerikanischen Stahl als jedes andere Land der Welt, was mehr als die Hälfte der US-Exporte ausmacht.“

Europa hat ebenfalls Gegenmaßnahmen angekündigt. So sagte Jean-Claude Juncker, die EU-Komission werde eine Liste von Gegenmaßnahmen vorschlagen, die im Einklang mit den Vorgaben der WTO stünden. Handelskommissarin Cecilia Malmström verwies auf die Möglichkeit, US-Importgüter wie Harley-Davidson-Maschinen, Jack-Daniels-Whiskey und Orangensaft höher zu besteuern. Produkte, die für die Wahlkreise von Unterstützern des Präsidenten wirtschaftlich wichtig sind.

Der Motorrad-Hersteller Harley-Davidson hat seinen Unternehmenssitz beispielsweise in Wisconsin, aus dem der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, stammt. Auch Bourbon-Whisky steht auf der Brüsseler Liste. Der wird in Tennessee und in Kentucky produziert, der Heimat des Trump-Unterstützers Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat ist. Die Liste, auf die Brüssel zurückgreift, stammt schon aus der Zeit des letzten großen Handelsstreits mit den Vereinigten Staaten unter Präsident George W. Bush, ist aber seither angepasst worden.

Was würden die EU-Steuern für die Verbraucher in Europa bedeuten?

Grundsätzlich machen Steuern auf Importe die betreffenden Güter teurer – sonst wären sie als protektionistische Maßnahme witzlos. Ob die Hersteller die erhobenen Zölle allerdings eins zu eins weitergeben, hängt auch von der Art des zu besteuernden Gutes ab – und wie sehr Verbraucher bereit sind, darauf zu verzichten.

Je unverzichtbarer das Gut, umso stärker die Bereitschaft der Hersteller, die Steuer an den Endverbraucher weiterzugeben. Da Whiskey oder Motorräder allerdings eher in die Kategorie der Luxusgüter fallen, also verzichtbar sind, dürften die US-Hersteller die höheren EU-Steuern in einem geringeren Maße an die Verbraucher weitergeben.

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7 Kommentare zu "Protektionismus: Was Trumps Strafzölle für Verbraucher und Firmen bedeuten"

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  • Machen wir uns nix vor: T. verteuert die Preise in den US - Konsequenzen bislang nicht absehbar außer in den Zeltstädten vor den Metropolen in US - und unterbindet freien Handel, ungefähr also das, was mit TTIP angestanden hätte ggf...

  • Wie hoch sind denn unsere Lieferungen an Stahl und Alu in die Vereinigten Staaten?
    In unserer Handelsbilanz hat das sicher keinen grossen Stellenwert. Und wir importieren
    eine Menge Waren aus den USA, auf die wir ebenfalls Strafzoelle (im Rahmen der EU)
    erheben koennen. Trump tut einen weiteren Schritt in bezug auf die Isolierung der USA.

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