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Prüfers Kolumne Der Kaktus-Hype sorgt für Probleme

Ohne Kakteen ist weder ein veganes Restaurant noch ein Co-Working-Space sinnvoll zu bewirtschaften. Aber die sind nicht so leicht zu besorgen.
12.06.2021 - 10:57 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe gelesen, dass junge, stilbewusste Menschen, gemeinhin Hipster genannt, das Ökosystem in Chile bedrohen. Hipster brauchen nämlich Kakteen. Ohne Kakteen und Sukkulenten ist weder ein veganes Restaurant noch ein Co-Working-Space sinnvoll zu bewirtschaften. In der Pandemie war vieles geschlossen. Nun soll alles wieder öffnen, also braucht die agile Wirtschaft dringend Kakteen.

Aber die sind nicht so leicht zu besorgen. Denn jetzt muss alles schnell gehen, aber Kakteen wachsen langsam. Manche brauchen ein halbes Menschenleben, um nur so groß wie ein Tennisball zu werden. So viel Zeit haben wir aber nicht, also müssen die Kakteen irgendwo herkommen.

Im Zweifelsfall eben daher, wo sie gewachsen sind, aus der Wüste. Dort werden sie heimlich ausgebuddelt und nach Europa und Asien verschickt, dorthin eben, wo man etwas Stacheliges braucht, um Steingärten und Fenstersimse zu schmücken.

Ich habe mich manchmal gefragt, was dem Kaktus diese Beliebtheit eingebracht hat. Wir stehen ja eigentlich am Ende einer Ära, in der allerlei Zimmerpflanzen und auch Büropflanzen als unglaublich spießiges Zeug galten. Dort, wo das gemeine Fensterblatt seine Zweige ausbreitete, konnte man alle Hoffnungen fahren lassen. Und als am allerspießigsten galt natürlich der Kaktus. Ich glaube, es galt sogar als außerordentliche Unverschämtheit, jemandem einen Kaktus mitzubringen.

Vielleicht war es das Aufstreben der Grünen, das bewirkte, dass man plötzlich wieder Grün zu schätzen wusste in den Innenräumen. Aber vermutlich war jahrhundertealtes Grünpflanzenpflegewissen längst verloren, und die aufgestellten Ficus Benjamini verloren ihre Blätter.

Razzia bei Kakteendealer

Weil Pflanzen, die Blätter verlieren, nicht so schön sind, ist man vermutlich darauf gekommen, dass Pflanzen ohne Blätter am besten geeignet seien. Und von Kakteen, die ihre Stacheln verlieren, hat man noch nichts gehört.

Ich habe in der „Süddeutschen Zeitung“ gelesen, dass in Italien nun bei einer Razzia das Lager eines Kakteendealers ausgehoben wurde, der mehr als 1000 Pflanzen im Wert von etwa einer Million Euro gehortet hatte. Darunter etliche vom Aussterben bedrohte Kakteen aus Chile. Für die Pflanzen fand sich kein angemessenes Asyl, die botanischen Gärten waren damit überlastet.

Also schickte man mehr als 800 Kakteen zurück nach Chile, wo sie wieder ausgewildert werden sollen. Man kann nur hoffen, dass diese begehrten Spekulationsobjekte nicht sogleich wieder von Wildpflanzendieben ausgegraben und nach Europa geschickt werden. Wo ein Markt ist, da ist ja auch ein Weg.

Man kann sich immerhin damit trösten, dass Kakteen nicht nur sehr genügsam sind, sondern auch sehr langlebig. Sie werden einfach all die Hipster überleben – und dann haben sie wieder ihre Ruhe.

Mehr: Yoga ist gut für das Gemüt – sogar vor dem Bildschirm, schreibt Tillmann Prüfer.

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