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Prüfers Kolumne Warum es schwierig ist, Menschen zu einer gesunden Ernährungsweise „umzubegeistern“

Kantinen, die gesundes Essen servieren, damit die Mitarbeiter seltener krank werden: Das sorgt für schlechte Laune bei der Belegschaft, prophezeit Tillmann Prüfer.
28.12.2019 - 11:36 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

In der Süddeutschen Zeitung habe ich ein Interview mit dem Starkoch Holger Stromberg gelesen. Er hat zehn Jahre lang die Nationalmannschaft bekocht und baut nun eine Firma auf, die Unternehmen beraten möchte. Nämlich darin, wie sie ihre Mitarbeiter ernähren sollen.

Es geht darum, Ernährungskonzepte zu erstellen, Wissen zu vermitteln – und die Belegschaft von einer gesunden Ernährung zu begeistern. Mit den Mitarbeitern sei es nämlich so, sagt der Koch: Wenn sie jeden Tag „Bifi und Hanuta“ äßen, dazu Mezzomix tränken, bekämen sie in ihren 50ern extremes Übergewicht und würden krank.

Der Koch meint, von 35.000 Mitarbeitern seien im Durchschnitt immer zehn Prozent krank und das koste die Unternehmen Geld, zu viel Geld. Jenes sollten sie lieber in gesunde Ernährung investieren. Dann würden die Mitarbeiter weniger ausfallen, weil sie weniger krank würden. Denn Holger Stromberg weiß: Wer „in der Kantine den Entenbraten mit Knödeln und Rotkohl isst“, der „wird danach nicht mehr so leistungsfähig sein, als wenn man ihm einen Fisch oder einen reinen Gemüseteller zubereitet hätte“.

Von Stromberg habe ich auch ein neues Wort gelernt. Es heiß „umbegeistern“. Man soll nämlich die Leute zu einer gesunden Ernährungsweise nicht umerziehen, sondern sie stattdessen umbegeistern, Vegetarisches zu essen. Und dafür müsse man in die Küche investieren.

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    Ich habe da meine Zweifel, ob das so funktioniert. Viele Menschen werden gar nicht so gerne umbegeistert, weil sie meinen, selbst zu wissen, was ihnen schmeckt – und oft ist das nicht Blumenkohl.

    Wahrscheinlich schätzen alle eine gute Kantine – aber sie mögen wahrscheinlich nicht, wenn der Arbeitgeber ihnen eine bestimmte Ernährungsweise nahelegt, damit sie seltener krank werden. Sie haben dem Arbeitgeber ja nur ihre Arbeitszeit verkauft und nicht gleich auch ihre ganzen Organe, auf deren Pflege sie nun achtgeben müssen, indem sie weniger Fleisch essen. Essen ist ja nicht nur eine Arbeitskrafterhaltungsmaßnahme, sondern auch Genuss.

    Wenn das Unternehmen glaubt, besser zu wissen, für was die Angestellten sich begeistern als die Angestellten selbst, kann das zu Problemen führen. Ich erinnere nur daran, was den Grünen zustieß, als sie einmal mit dem Vorschlag spielten, Kantinen könnten einmal in der Woche einen Veggie-Day einführen.

    Dabei stört die Menschen gar nicht so, dass sie zwischendurch mal Gemüse essen sollen, sondern, dass Essen etwas sehr Intimes ist. Und Menschen wollen, dass ihre Intimsphäre respektiert wird. Und Genuss ist manchem wichtiger als Gesundheit. Denn es ist ja so: Eine der traurigen Wahrheiten ist, dass das Leben endlich ist. Und das merkt man unter anderem auch daran, dass man gebrechlicher wird, je älter man wird.

    Die Lebenszeit schwindet nicht nur, man muss dazu noch einen gehörigen Teil davon am Arbeitsplatz verbringen. Das ist schwer zu verkraften. Etwas, was dabei trösten kann, ist leckeres Essen, etwa Entenbraten. Wenn der Arbeitgeber stattdessen Gemüse reicht, tröstet das nicht, im Gegenteil. Davon müsste auch ein Ex-Nationalmannschaftskoch ein Lied singen können. Denn Nationalmannschaftsspieler, das weiß doch jeder, essen ja am liebsten Nutellabrot.

    Mehr: Kein tierisches Lebensmittel ist so umweltfreundlich wie Insekten. So versuchen in Asien Restaurants und Start-ups die Ernährung der Welt zu ändern.

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