Stammzellen Grenzen erweitern

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Forschungsministerin Annette Schavan zählt zu den Christdemokraten, nach deren ethischer Überzeugung die Forschungsfreiheit endet, wenn der Schutz des menschlichen Lebens in Gefahr gerät. Genau dies aber ist bei der Embryonenforschung der Fall, weil für sie menschliche Embryonen verbraucht werden. Insofern handelt Schavan nur konsequent, wenn sie mit ihrem gestern gestarteten Fünf-Millionen-Programm erneut den Schwerpunkt auf die öffentliche Förderung der Forschung mit adulten Stammzellen legt. Denn dafür muss kein einziger menschlicher Embryo zugrunde gehen.

Sinnvoll ist diese einseitige Förderpraxis auch deshalb, weil sie mit dazu beigetragen hat, dass Deutschland auf dem Feld der Stammzellforschung international weiter im Spitzenfeld rangiert. Sollte diese Forschung dazu führen, dass eines Tages mit adulten Zellen genauso wirksame Therapien entwickelt werden können wie mit aus Embryonen gewonnenen, so wäre der Ausweg aus dem ethischen Dilemma „Embryonenverbrauch contra neue Heilungschancen“ endgültig gefunden.

Doch öffentliche Forschungsförderung ist das eine. Auf einem anderen Blatt steht, ob es richtig ist, deutsche Forscher immer weiter von der internationalen Embryonenforschung abzukoppeln. Genau dies aber bewirkt die Stichtagsregelung, nach der sie bislang nur mit embryonalen Stammzelllinien forschen dürfen, die vor 2002 erzeugt wurden.

Mit der Einführung des Stichtags hat der Gesetzgeber seinerzeit die Embryonenforschung in engen Grenzen zugelassen und damit grundsätzlich einem ethischen Rigorismus, der den Schutz des Embryos über alles stellt, eine Absage erteilt. Nun sollte er auch den Mut haben, diese Grenzen durch eine neue Stichtagsregelung behutsam zu erweitern im Interesse des Forschungsstandorts Deutschland.

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