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Tablets Nur Mut, Microsoft!

Wagt Microsoft den Billig-Tablet-Angriff? Hardware-Partner sind verstört und drohen mit dem Rückzug. Microsoft scheint in der Zwickmühle. Doch diesmal lohnt es sich, die Partner zu verprellen.
17.08.2012 - 14:42 Uhr 4 Kommentare

Nach "Surface" gute Noten für Microsoft

Microsoft macht ernst: Das eigene Tablet "Surface" soll nur 200 Dollar kosten, berichtete ein Insider dem US-Blog Endgadget. Das ist sowohl folgerichtig als auch riskant. Denn die Wahl des Preises des Tablets wird maßgeblich über Microsofts Schicksal im mobilen Markt entscheiden. Wenn Microsoft es nicht schafft, sich mit Windows 8 auf Tablets zu etablieren, verschläft der Konzern den Computermarkt der Zukunft.

Riskant ist der 200-Dollar-Preis, weil er die PC-Hersteller Dell, Samsung, Lenovo und Asus aufgeschreckt hat. Sie sind nicht daran interessiert, Windows 8 zu pushen. Sie wollen lediglich Hardware verkaufen. Und das ist im derzeit hart umkämpften Tablet-Markt mit Gewinn kaum möglich. Die Digitimes berichtet daher, dass sich alle vier großen Hersteller aus dem Markt für Tablets mit Windows RT geschlossen zurückziehen wollen, sollte Microsoft das "Surface" tatsächlich zu diesem Kampfpreis anbieten. Damit hätte Microsoft seine Partner verloren  - und der als Ausnahme gedachte Hardware-Bau würde zur Dauereinrichtung.

Sollte Microsoft also Rücksicht nehmen auf seine Partner und den Preis höher ansetzen? Nein. Denn derzeit sieht es düster aus für Microsoft: Der Software-Riese verdient zwar auf dem PC mit den beiden Cashcows Windows und Office immer noch kräftig Geld – doch auf dem Zukunftsmarkt Mobile Computing hat er bislang keinen Fuß auf den Boden bekommen. Selbst die Allianz mit der einstigen Handy-Größe Nokia hat an einem Fakt nichts Wesentliches geändert: Auf Smartphones und Tablets läuft kein Windows, sondern Apples iOS und Googles Android.

Die Fakten zum Microsoft-Tablet
New Surface tablet computers with keyboards are displayed at its unveiling by Microsoft in Los Angeles
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Das Surface stellt eine Zäsur in der Geschichte von Microsoft dar. Statt nur die Software zu liefern, bietet Microsoft jetzt auch gleich das Gerät mit an. Das tat Microsoft bisher nur in Ausnahmefällen wie Eingabegeräten und der Spielekonsole Xbox. Doch was kann das Tablet? Die Fakten im Überblick.

(Foto: Reuters)
Microsoft
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Grundsätzlich kommt das 10,6 Zoll große "Surface" in zwei verschiedenen Versionen auf den Markt. Eine für Heimanwender mit ARM Prozessor und in der reinen Tablet-Version des neuen Betriebssystems Windows 8 - RT genannt. Das Modell für professionelle Nutzer ist mit 13,5 Millimeter etwas dicker (einfache Variante: 9,3 Millimeter), hat aber auch einen deutlich leistungsfähigeren i5-Prozessor von Intel und die Pro-Variante von Windows 8. Größtes Plus der Variante mit i5-Prozessor: Auch normale Windows-Software läuft auf dem Gerät.

(Foto: dapd)
Microsoft Announces Surface Tablet In Los Angeles
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Ein weiterer Hardware-Unterschied zwischen der RT genannten Einsteiger-Version und dem Pro-Modell sind die Anschlüsse. Das Surface RT muss mit einem USB 2.0-Anschluss und einem MicroSD-Slot auskommen, während das Surface Pro einen Anschluss mit USB 3 und einen microSDXC-Karten-Slot bietet. Einen Mini-Display-Port hat ebenfalls nur das Pro-Modell. Beide Varianten werden mit 32 oder 64 Gigabyte internem Flash-Speicher angeboten.

(Foto: AFP)
huGO-BildID: 26837031 Journalists preview Microsoft's new tablet SURFACE during the press conference in Milky Studios on June 18, 2012 in Holl
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Eine Besonderheit gegenüber anderen Tablets, die beide Versionen des Surface haben: Der ausklappbare Ständer. Die 0,7 Millimeter dicke Metallklappe ist mit drei Scharnieren am Body befestigt und soll so laut Microsoft auch auf längere Zeit ausreichend Stabilität bieten.

(Foto: AFP)
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Neben zwei Leistungs-Versionen gibt es auch zwei Varianten des Covers. Diese werden ähnlich wie das SmartCover bei Apples iPad magnetisch an dem Tablet befestigt. Doch die Microsoft-Cover sollen nicht nur das Display schützen, sie haben auch beide eine Tastatur integriert. Hier kommt auch der Unterschied: Das drei Millimeter dicke TouchCover (auf dem Bild in pink) hat keine fühlbaren Tasten, sondern reagiert nur auf Druck. Das TypePad (im Bild schwarz) ist mit fünf Millimetern zwar etwas dicker, hat aber im Gegensatz zum TouchCover richtige Tasten, die bis zu 1,5 Millimeter nachgeben.

(Foto: dapd)
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Das Gehäuse beider Modelle ist aus einer Magnesium-Legierung, die Microsoft "VaporMg" nennt. Mit einem Gewicht von 676 Gramm liegt die RT-Version auf dem Niveau des iPad 3, das Pro-Modell wiegt mit 903 Gramm deutlich mehr. Allerdings soll sich das Surface Pro auch von seinen Leistungsdaten her gegen die Ultrabooks als gegen das iPad positionieren.

(Foto: dapd)
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Zudem lässt sich das Surface Pro auch mit einem Stift bedienen.

(Foto: dapd)

Genau das soll der Kampfpreis ändern. Die Subventionen für das Microsoft-Tablet wären eine Investition in die Zukunft: Kann sich Windows 8 heute durch das günstige Surface etablieren, wird Microsoft auch Entwickler für die Plattform begeistern. Langfristig wäre so das Feld auch für Microsofts Hardware-Partner von Dell bis Asus bereitet.

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    Auch Google überlässt den Tablet-Markt nicht mehr seinen erfolglosen Hardware-Partnern, sondern stärkt Android mit dem Tablet Nexus 7 für den Kampfpreis von 200 Dollar. Selbst Apple, sonst der Margen-König unter den Hardware-Herstellern, verzichtete beim iPad von Beginn an auf eine Traum-Marge wie bei iPhone und anderen Geräten des Apple-Konzerns.

    Alle haben verstanden: Hier geht es um die Zukunft. So wie in den Anfangszeiten des PCs, als sich Windows als das dominante Betriebssystem durchsetzte, wird gerade der mobile Markt aufgeteilt. Mittel im Kampf der Systeme sind dabei die Apps – denn sie machen die Hardware attraktiv. Schnell kommt es dabei zum sich selbst verstärkenden Effekt: Geräte mit vielen Nutzern sind für Anwendungsentwickler besonders interessant – was wiederum die Zahl der Apps erhöht.

    Die Betriebssystem-Hersteller sind daher gut beraten, attraktive Hardware zu bauen, um ihr System zu etablieren. Immerhin hat auch erst Microsoft geschafft, was von Dell über HP bis Asus vorher niemandem gelungen ist: Das Surface ist schick, es kommt mit einer innovativen Hardware-Tastatur und ist daher mehr als ein weiterer bloßer iPad-Klon. Vielleicht ist Microsoft deshalb am Ende ohnehin der bessere Hardware-Bauer – und Dell, Samsung, Lenovo und Asus machen sich durch ihren Rückzug selbst überflüssig.

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    4 Kommentare zu "Tablets: Nur Mut, Microsoft!"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Warum sollte MS das Surface nicht so günstig anbieten?!? Selbst nutze ich ein iphone und ein ipad. Bin grundsätzlich von den Geräten begeistert - wären da nicht die großen Einschränkungen. Ohne Jailbreak haben die beiden Gadgets keinen großen Nutzen für mich. Folglich unterliege ich bei jedem OS-Updaten einer kompletten Neuinstallation aller meiner Erweiterungen (Jailbreak). Das ist nicht nur sehr zeitaufwendig sondern auch äußerst nervig.
      Vor einiger Zeit hatte ich die Möglichkeit ein Lumina mit Windows zu testen. Ich war begeistert. Nicht nur die Oberfläche des Betriebssystems ist sehr durchdacht. Vor allem aber hat mich die Geschwindigkeit überrascht.
      Sollte MS das Surface wirklich zu diesem Kampfpreis anbieten, überlege ich erst gar nicht lange, sondern greife augenblicklich zu. Selbst wenn das OS ein Flop wäre, würde es die Kosten im Rahmen halten. Und ich denken, dass MS mit dieser Strategie eine Menge Käufer anspricht. Es wird ein Erfolg nicht nur aufgrund des niedrigen Preises werden.

    • Die Win8 Lizenzen solle sehr teuer sein, so dass eigentlich keine billig Tablets geben soll. Wenn Microsoft jetzt ein hoch Subventioniertes billig Tablet rausbringt ist das natürlich übel für seine Partner. Unterm Strich bezahlen diese ja mit den PC Verkäufen die MS Tablets. Google und Apple werden den Preiskampf mitgehen. Auch wenn es den dreien eine Menge Geld kosten wird. Der als erstes Aussteigen muss, ist der Verlierer.

    • < Teil 1
      Ein Vergleich mit dem iPad passt (für RT) schon besser. Aber angeblich verdient Apple bei den iPads an der Hardware (zumindest in den USA) schon fast nichts (der Gewinn kommt aus dem AppMarket, iTunes und den Lizenz-Zahlungen der Zubehörhersteller für die proprietären Schnittstellen). Und die Herstellungskosten dürften vergleichbar sein, ggf. beim Surface sogar höher.
      MS hat es auch nicht nötig, Windows 8 auf diesem Weg in den Markt zu drücken (wo sie übrigens auch schon einen günstigen Preis für Upgrades anbieten). Sie verdienen auch an Lizenzen für Windows 7, neue PCs werden (an Konsumenten) sowieso nur noch mit Windows 8 verkauft werden.
      Und ganz ehrlich, wenn die Surface-Tablets (und vergleichbare Angebote anderer Hersteller) wirklich das können, was versprochen wird (inkl. Batterielebensdauer), dann wird sich Apple warm anziehen müssen. Dann wird das iPad endgültig zum Spielzeug / Mittel zum reinen Medienkonsum (was für viele Anwender auch reichen wird). Marktanteile von >80% wird es nicht mehr erreichen, Anwender mit höheren Ansprüche werde zu Windows-Tablets greifen.

    • Ich will ein Surface-Tablet haben. Nicht die RT-Variante, sondern die Pro-Variante.
      Aber davon unabhängig, bin ich NICHT der Ansicht, dass Microsoft das Surface RT für einen Kampfpreis von $199 anbieten sollte.
      Zumindest nicht, wenn die Surface-Tablets wirklich so ausgeliefert werden, wie vorgestellt. Dann sind das Geräte, die von der Qualität her problemlos mit einem iPad mithalten können. Ein Kampfpreis von ca. $50 unter dem Preis eines iPad wäre sicherlich ein guter Preis, um in den Markt einzusteigen.
      Aber ein Preis von $199, wie von einigen US-Blogs kolportiert, läge deutlich unter den Herstellungskosten.
      Es gäbe sicherlich genug Käufer für so ein Tablet (ich würde vielleicht auch eins mitnehmen ...), aber was würde denn MS damit erreichen?
      Sie würden bei jedem verkauften Gerät Geld verlieren (könnten sie sich ein Weilchen leisten) und das Signal das MS damit senden würde ist doch: "Wir glauben nicht an die Qualität und Konkurrenzfähigkeit unserer Produkte". D.h. sie würden tatsächlich nur die Windows-OEM-Partner vergräzen, ihren eigenen Markt kaputtmachen und sich selbst von vorneherein als Marktverlierer und ihre Tablets als Ramsch darstellen.

      Ein Vergleich mit Google Nexus 7, Amazon Kindle, etc. ist auch nicht wirklich zielführend. Das sind im Vergleich zum Surface deutlich billiger herzustellende Geräte (kein Digitizer, halb so großer Bildschirm, weniger Arbeitsspeicher ...) und für die Anbieter sind sie nur Mittel zum Zweck - dem Verkauf von Content. Für Amazon ist der Kindle ein Verkaufskanal für eBooks. Google will vor allem mit dem Android Market und mit Werbung Geld verdienen. Beides ist nicht das Geschäftsmodell von MS und sollte es auch nicht sein. Klar nehmen sie auch bei ihrem AppMarket einen Cut von den Verkaufspreisen der Apps.
      >Teil 2

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