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US-Medien Kommentar: Flächenbrand

Um die harschen Verhörmethoden im amerikanischen Gefangenenlager auf Guantanamo Bay ranken sich seit langem Gerüchte. Eines dieser Gerüchte hat Anfang Mai den Weg in das US-Magazin „Newsweek“ gefunden. US-Soldaten hätten den Koran einfach in die Toilette geworfen, behauptet ein anonymer Regierungsbeamter. „Newsweek“ druckt, die Nachricht geht rund um den Globus und löst gewalttätige Proteste in der moslemischen Welt aus. Mehr als ein Dutzend Menschen verlieren ihr Leben. Gestern räumte das Magazin ein, man sei sich der Sache nicht mehr ganz so sicher.

Was ist die Lehre dieser traurigen Nachrichtengeschichte? Sicher nicht, dass auf Guantanamo alles mit rechten Dingen zugeht. Die Verhältnisse dort offen zu legen bleibt eine Verpflichtung der US-Regierung. Doch zeigt das mediale Desaster vor allem, wie riskant im Zeitalter globaler Information der Umgang mit Nachrichten ist. Ein paar Zeilen, gedruckt in Washington oder New York, können am anderen Ende der Welt einen Flächenbrand auslösen.

Besonders fragwürdig ist das Verhalten der Verantwortlichen, wenn die Berichte auf anonymen Quellen beruhen. Die Medien müssen ihre Informanten schützen, sollen sie auch in Zukunft skandalöse Zustände aufdecken.

Zugleich erfordert der Umgang mit anonymen Quellen jedoch ein Höchstmaß an journalistischer Vorsicht. Verstecken doch Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen ihre wahren Interessen oft hinter dem Informanten-schutz. Die großen US-Zeitungen drängen darauf, dass das Weiße Haus seine zahlreichen Hintergrund-Briefings reduziert: In Amerika hat der häufige Gebrauch von anonymen Quellen das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien schon erschüttert.

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