US-Vorwahl Der Sieg des Minimalisten

Für die Republikaner ist die Vorwahl von Iowa ein Moment der Verzweiflung. Denn klar ist nun, dass die Zerrissenheit der Konservativen in den USA keine Medienerfindung ist, sondern eine Tatsache. Ein Kommentar.
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Markus Ziener ist Handelsblatt-Korrespondent in Washington. Quelle: Judith Wagner

Markus Ziener ist Handelsblatt-Korrespondent in Washington.

(Foto: Judith Wagner)

Für den Minimalisten Mitt Romney ist der hauchdünne Sieg von Iowa ein riesiger Erfolg. Für die republikanische Partei dagegen ein Moment der Verzweiflung. Denn klar ist nun, dass die Zerrissenheit der Konservativen in den USA nicht nur eine Medienerfindung ist, sondern eine Tatsache. Drei völlig unterschiedliche Bewerber teilen sich die Gunst ihrer Partei. Warum? Weil unter den Kandidaten keiner dabei ist, der alleine Leidenschaft entfachen könnte – auch Romney nicht.

Sehr wahrscheinlich wird sich Romney, der Ex-Gouverneur von Massachusetts, die Nominierung nun Stück für Stück erarbeiten. Und er wird dies mit der gleichen Professionalität tun, mit der er auch den Vorwahlkampf durchgestanden hat. Er alleine kann eine Operation wie einen US-Wahlkampf von A bis Z organisatorisch bewältigen.

Einem Rick Santorum mögen da im Moment noch Herzen zufliegen, genauso wie einem Ron Paul. Doch Santorum ist nicht nur ein politisches Leichtgewicht. Er profitiert bisher davon, dass er ungetestet ist, ungeprüft. Das kann sich schnell ändern, schon diese Woche. Denn bis in New Hampshire am kommenden Dienstag gewählt wird, dürften sich Medien und politische Konkurrenz den 53-Jährigen aus Pennsylvania nun genauer anschauen – und sehr wahrscheinlich fündig werden.

Denn zumindest fiskalpolitisch ist die Historie der telegene Ex-Senators nicht blütenrein. Santorum hat mitgestimmt, als es um eine Ausweitung der staatlichen Krankenversicherung Medicare ging. Und er hat mitgemacht, wenn in Gesetzen finanzielle Zuwendungen für Lieblingsprojekte von Kongressabgeordnete versteckt waren. Dies alles dürfte in den nächsten Tagen genüsslich ausgebreitet werden – und der Glanz des Aufsteigers Santorum könnte schnell stumpf werden.

Der Libertäre Ron Paul dagegen sagt in aller Ehrlichkeit, was er denkt und tut – und das seit Jahren. Das ehrt ihn und das bringt ihm jene Unterstützung, die ihn nun so hoch gespült hat. Doch das Wählerpotenzial des 76-Jährigen könnte mit dem guten dritten Platz in Iowa bereits ausgeschöpft sein. Pauls politische und ökonomische Ansichten sind beides: Mal genial und mal bizarr. Er plädiert genauso vehement für einen radikalen Schuldenabbau wie es ihm egal ist, ob der Iran die Atombombe besitzt. Er argumentiert für eine Abschaffung des US-Notenbanksystems, wie er gegen ausländisches US-Engagement ist. Pauls Ideen sind klug und realitätsfremd zugleich. Das alleine erzeugt eine Obergrenze an Zustimmung.

Bleibt Mitt Romney, der Kandidat der Mitte. Romney wird nicht geliebt, weil man ihn für zu glatt hält, für zu wenig überraschend, für zu taktisch. Das hat ihn bislang nicht aus dem 25-Prozent-Ghetto gebracht. Aber Romney wird zugetraut, mit Obama auf Augenhöhe kämpfen zu können. Das ist es was ihn zum Favoriten macht: Vernunft und Verstand, nicht Leidenschaft. Um gegen den versierten Wahlkämpfer Obama siegen zu können, mag es indes zu wenig sein.

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8 Kommentare zu "US-Vorwahl: Der Sieg des Minimalisten"

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  • Deutschland hat nun einmal das Problem, dass wir weder ein gültiges GG haben, noch sind wir je aus dem Kriegszustand heraus gekommen. In der UN-Charta haben wir weniger Rechte, als ein Staat in Klein-Timbuktu.

    Das alles führt dazu, dass dt. Aktionen IMMER extrem verdeckt ablaufen müssen. aus verständlichen Gründen muss das Volk hierbei außen vor bleiben.

    Trotzdem hat es Deutschland geschafft, sich langsam an die EU-spitze voran zu arbeiten. Arbeiten im wahrsten Sinn des Wortes.

    Vordergründig haben die USA auch weiterhin eine goldene Zukunft, aber wenn ich einfach mal nicht nur in Zeiträumen von Jahren denke, sondern in Generationen, stellt man schon fest, dass die USA imemr mehr zurück gedrängt werden.

    Ein Krieg nach dem anderen zeigt auf, dass sie wissen, sie verlieren. Seit den 80zigern ist die angelsächsische Schiene am Niedergang. Zuerst brach der Ostblock weg udn nun langsam die Angelsachsen.

  • Deutschland hat nun einmal das Problem, dass wir weder ein gültiges GG haben, noch sind wir je aus dem Kriegszustand heraus gekommen. In der UN-Charta haben wir weniger Rechte, als ein Staat in Klein-Timbuktu.

    Das alles führt dazu, dass dt. Aktionen IMMER extrem verdeckt ablaufen müssen. aus verständlichen Gründen muss das Volk hierbei außen vor bleiben.

    Trotzdem hat es Deutschland geschafft, sich langsam an die EU-spitze voran zu arbeiten. Arbeiten im wahrsten Sinn des Wortes.

    Vordergründig haben die USA auch weiterhin eine goldene Zukunft, aber wenn ich einfach mal nicht nur in Zeiträumen von Jahren denke, sondern in Generationen, stellt man schon fest, dass die USA imemr mehr zurück gedrängt werden.

    Ein Krieg nach dem anderen zeigt auf, dass sie wissen, sie verlieren. Seit den 80zigern ist die angelsächsische Schiene am Niedergang. Zuerst brach der Ostblock weg udn nun langsam die Angelsachsen.

  • Leider ist es so.

    Zwischen den USA und Deutschland gibt es erhebliche kulturelle Unterschiede. Deutschland ist ein Parteienstaat, in den USA lohnt sich noch Eigeninitiative.

    Wenn sich in Deutschland Bürgerinitiativen bilden dann zu irgendwelchen Umwelt- oder Randthemen. Wenn erfolgreich und nützlich werden sie von Blockparteien übernommen.

    Im Gegensatz dazu bilden sich in den USA gezielt "political action committees" PACs zur Unterstützung von Kandidaten.

    Die Staatsgläubigkeit ist in Deutschland viel höher als in den USA.

    Ron Paul will radikal mehrere Ministerien abschaffen. In Deutschland wäre das undenkbar, denn dann gäbe es ein Millionenheer von arbeitslosen Beamten und Bürokraten.

    Dabei hat sich eine Wirtschaftspolitik des "positive non-interventionism" wie sie z.B. auch Ron Paul fordert in der Praxis, in Hong Kong bewährt.

    Mit der Politik wie sie vom Parteienstaat in Deutschland betrieben wird gebe ich weder der EU noch D ein Chance. Die FDP als Partei dafür eintreten müsste hat komplett versagt.

    Die USA haben noch eine Zukunft, D geht in der EUdSSR unter.

  • Wer den Wahlkampf genau verfolgt hat wird erkennen müssen, dass Ron Paul die größte Überraschung überhaupt ist. Wer als liberaler Crash-Prophet den Amerikanern unangehmste Wahrheiten verkündet und dennoch so viel Unterstützung bekommt, der hat definitv Anerkennung verdient.

    Aus deutscher Sicht ist erstaunlich wie erfolgreich das Prinzip des Liberalismus in den USA trotz aller Implikationen doch ankommt, während hier bei uns eine FDP kurz davor steht in der Unbedeutsamkeit zu versinken.

    Ich hoffe dass dies kein generell kulturelles Phänomen ist, sondern nur mit der Glaubwürdigkeit der derzeitigen Akteure zusammenhängt.

  • Rick Santorum wird von den linksliberalen Medien in den USA gehyped weil er mit seiner radikalen sozial konservativen Einstellung niemals in den USA als Präsident gewählt werden kann und somit der ideale Herausforderer für Präsident Obama ist.

    Mitt Romney hatte vor vier Jahren in Iowa verloren. Wer in Deutschland erinnert sich heute noch an den Sieger Mike Huckabee? Jetzt hat Romney alles gesetzt um in dem Bundesstaat einen Erfolg zu verzeichnen, wenn er dort wieder verloren hätte, bei dem Aufwand den er trieb, hätte er gleich wieder aus dem Rennen aussteigen können.

    Ron Paul hatte die kompletten "main stream media" gegen sich die ihn entweder ignoriert oder gegen ihn angeschrieben haben. So gesehen ist das für den 76 Jährigen ein beachtenswerter Erfolg. Die Chancen sind nicht mehr NULL das Ron Paul Präsident wird. Das wäre dann aber die 2te amerikanische Revolution. Für Ron Paul ist aber die message wichtiger die er verbreitet.

    Richtig interessant wird es in einer Woche nach den Vorwahlen in New Hampshire. Ich hoffe, daß dann auch Jon Huntsman in den Wahlkampf eintritt.

    Gerade jetzt aktuell ist Vergleich zu Deutschland interessant wie in den USA in einem vielstufigen Selektionsprozeß der Präsidentschaftskandidat und dann der Präsident ermittelt wird. Eine Type wie sie in Deutschland im Amt ist wäre in den USA chancenlos.

    Positiv ist auch die umfassende, offene und transparente Berichterstattung und Dokumentation des "Republican Caucus" in C-SPAN und C-SPAN 2. In Deutschland ist das durch Zwangsgebühren finanzierte Parteienfernsehen zu sowas nicht fähig.

  • "Er alleine kann eine Operation wie einen US-Wahlkampf von A bis Z organisatorisch bewältigen und dabei inhaltlich konsistent bleiben."

    Ist das Ihr Ernst? Romney hat doch unzählige Male seine Positionen und Prinzipien geändert, weshalb er nicht umsonst als "Flip-Flopper" gilt. Selbst Santorum hält sein Fähnchen weniger in den Wind als Mitt Romney - über Ron Paul, der seit 30 Jahren konsequent die selbe Linie vertritt brauchen wir gar nicht erst anfangen.

    Vielleicht noch dieses: Ron Paul gilt als einziger Kandidat neben Romney, der den kompletten Wahlkampf durchhalten kann - organisatorisch wie inhaltlich, siehe Virginia Vorauswahl.

  • "Er alleine kann eine Operation wie einen US-Wahlkampf von A bis Z organisatorisch bewältigen und dabei inhaltlich konsistent bleiben."

    Ist das Ihr Ernst? Romney hat doch unzählige Male seine Positionen und Prinzipien geändert, weshalb er nicht umsonst als "Flip-Flopper" gilt. Selbst Santorum hält sein Fähnchen weniger in den Wind als Mitt Romney - über Ron Paul, der seit 30 Jahren konsequent die selbe Linie vertritt brauchen wir gar nicht erst anfangen.

    Vielleicht noch dieses: Ron Paul gilt als einziger Kandidat neben Romney, der den kompletten Wahlkampf durchhalten kann - organisatorisch wie inhaltlich, siehe Virginia Vorauswahl.

  • "Er alleine kann eine Operation wie einen US-Wahlkampf von A bis Z organisatorisch bewältigen und dabei inhaltlich konsistent bleiben."

    Ist das Ihr Ernst? Romney hat doch unzählige Male seine Positionen und Prinzipien geändert, weshalb er nicht umsonst als "Flip-Flopper" gilt. Selbst Santorum hält sein Fähnchen weniger in den Wind als Mitt Romney - über Ron Paul, der seit 30 Jahren konsequent die selbe Linie vertritt brauchen wir gar nicht erst anfangen.

    Vielleicht noch dieses: Ron Paul gilt als einziger Kandidat neben Romney, der den kompletten Wahlkampf durchhalten kann - organisatorisch wie inhaltlich, siehe Virginia Vorauswahl.

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