US-Vorwahlen Eine Frage des Charakters

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Endlos wurde in den vergangenen Wochen das sogenannte „Momentum“, der Rückenwind, beschworen, der Barack Obama in den Vorwahlen zugute komme. Doch die Wahrheit ist: Erst jetzt spürt der 46-Jährige dies so richtig. Denn bis zum Super-Dienstag war das Bild bei den demokratischen Bewerbern durchaus gemischt, mit Siegen für Hillary Clinton wie für Obama. Seither allerdings haben sich bei den Anhängern der Demokraten in den USA die Prioritäten verschoben.

Jene, die Obama das Spitzenamt bislang nicht zugetraut haben, schauen ihn sich noch einmal genauer an – und revidieren ihre Meinung. Hat dies damit zu tun, dass Obama in den letzten Tagen vielleicht etwas weniger von Hoffnung und Wechsel und dafür mehr von seinen konkreten politischen Positionen gesprochen hat?

Möglicherweise. Es könnte aber auch gut sein, dass die Art und Weise, wie Hillary Clinton ihren Wahlkampf führt, die Wähler zu Obama treibt. Die Senatorin aus New York hielt sich nicht nur selbst für die quasi unausweichliche Kandidatin der Demokratischen Partei. Ihre gesamte Wahlkampagne war auf diese Prämisse ausgerichtet. Die Strategie, zu quasi 100 Prozent davon auszugehen, nach den ersten fünf Wochen praktisch die Wahlen in der Tasche zu haben, sagt viel über den Charakter der Kandidatin aus. Und offenbart einen Wesenszug, der sie zunehmend Sympathien kostet.

Sollte Clinton nun auch in Ohio und Texas verlieren, dann verschafft das Obama zwar auch weiterhin nicht genügend Delegierte zum Gesamtsieg. Doch der Druck der Partei auf Clinton, den Weg für Obama frei zu machen, dürfte enorm werden. Damit ist erstmals seit Beginn der Vorwahlen ein Ende des demokratischen Wettbewerbs in Sicht. Wenn nicht noch eine neue Überraschung geschieht.

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