Vorgaben aus Brüssel Keine Angst vor der Frauenquote

Mit ein bisschen gutem Willen sollte sich die Frauenquote in Aufsichtsräten erreichen lassen. Ob die Vorgabe aus Brüssel überhaupt kommt, ist jedoch fraglich. Und doch wird die Debatte einiges bewegen.
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Die EU-Kommission hat den Vorschlag für ein Gesetz verabschiedet, mit dem bis 2020 alle Aufsichtsräte großer Firmen zu 40 Prozent mit Frauen besetzt werden. Quelle: dapd

Die EU-Kommission hat den Vorschlag für ein Gesetz verabschiedet, mit dem bis 2020 alle Aufsichtsräte großer Firmen zu 40 Prozent mit Frauen besetzt werden.

(Foto: dapd)

Brüssel„Auch das noch!“ werden viele sagen. Eine von Brüssel verordnete Frauenquote für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen – muss das sein? Es muss, lautet die Antwort von Justizkommissarin Viviane Reding. Mit Selbstverpflichtung komme man nicht weiter. Das habe die Vergangenheit gezeigt. Tatsächlich ist die Quote kein Meilenstein, wie manch einer nun jubiliert.

Denn die geschlechtsspezifische Besetzung eines Führungs- oder Aufsichtspostens sagt ja beileibe noch nichts über die Qualität der betroffenen Führungskraft aus. Weil Frauen in Führungspositionen grundsätzlich noch unterrepräsentiert sind, ist es durchaus fraglich, ob eine Quote Sinn macht, die sich auf Spitzenposten bezieht. Die Gefahr, zweitklassiges Personal zwangsweise an die Spitze zu hieven, ist real. Warum es also eine Quote für Aufsichtsräte geben soll, nicht aber für Vorstände oder für Führungskräfte allgemein? Eine befriedigende Antwort darauf bleibt die Kommission schuldig.

Thomas Ludwig
Der Autor

Thomas Ludwig ist Handelsblatt-Korrespondent in Brüssel.

Der Sinn und Zweck einer Quote liegt nicht so sehr in den eigentlichen Zahlen- und Zeitvorgaben. Sie beflügelt vielmehr eine notwendige gesellschaftliche Debatte darüber, was für die Zukunft wünschenswert ist. Das mehr Frauen in den Unternehmen Verantwortung tragen sollen, ist eine Selbstverständlichkeit. Dem verschließen sich auch die allermeisten Unternehmen nicht. Im Gegenteil – viele haben Frauenförderung als imagefördernd erkannt. Zudem gibt es angesichts mangelnder Fachkräfte ein Eigeninteresse vieler Betriebe, in der Zukunft stärker auf Frauen zu setzen. Es ist also gut und richtig, wenn sie sich selbst verbindliche Ziele zur verbindlichen Förderung von Frauen setzen. Ein gewisser politischer Druck wirkt bisweilen Wunder.

Vor gut zehn Jahren haben die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft eine Vereinbarung mit der Bundesregierung zur Förderung der Chancengleichheit in der Privatwirtschaft geschlossen. Dabei ging es auch darum, den Anteil von Frauen an der erwerbstätigen Bevölkerung und in Führungspositionen zu erhöhen. Tatsächlich hat sich seitdem etwas getan. Auf den ersten und zweiten Führungsebenen ist der Frauenanteil deutlich gestiegen und liegt nunmehr bei rund einem Fünftel. Dieser Trend in den oberen Führungsebenen wird sich in Aufsichtsräten und Vorständen fortsetzen.

Die turnusgemäßen Aufsichtsratswahlen auf der Anteilseignerseite stehen bei den meisten großen mitbestimmten Unternehmen 2013 an. Dann können Aktionäre weibliche Vertreter in die Anteilseignerseite der Aufsichtsräte wählen. Angesichts der laufenden Debatte – und vielleicht auch angesichts des Drucks aus Brüssel ¬ wird sich etwas bewegen. Das liegt auf der Hand. Deshalb sollte der Quotenvorstoß aus Brüssel der Wirtschaft keine allzu große Angst machen.

Mit ein bisschen gutem Willen sollten sich die Vorgaben durchaus erreichen lassen. Und ob die Quote denn überhaupt kommt, ist zudem fraglich. Zwar dürften die Pläne im EU-Parlament eine Mehrheit finden. Unter den 27 Mitgliedstaaten ist die Idee aber noch sehr umstritten. Bislang steht eine Sperrminorität. Und bislang kommt aus keiner einflussreichen Hauptstadt ein massives Engagement, diese Phalanx aufzubrechen. Europa hat beileibe andere Probleme zur Zeit.

Frauen Karrieren zu ermöglichen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Mit mehr Kitaplätzen und Ganztagsschulen allein, wie sie allerorten gefordert werden, ist es aber nicht getan. Auch die Qualität muss stimmen. Und die kostet Geld. Eine Herdprämie, wie sie die Regierungskoalition beschlossen hat, geht in die falsche Richtung. Besser investiert wären die Milliarden zum Beispiel in einer besseren Bezahlung von Erzieherinnen oder einer besseren Personalausstattung in der schulischen Ganztagsbetreuung. Sicher könnte auch so manches Unternehmen mehr familienfreundliche Initiative zeigen.

Nehmen wir den Vorstoß aus Brüssel also mit einer gewissen Gelassenheit – und als Impuls, in den Bemühungen, mehr Frauenkarrieren zu ermöglichen, nicht nachzulassen. Auf allen Ebenen. Das muss sein.

 
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  • O-Ton Handelsblatt
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    Keine Angst vor der Frauenquote
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    Keine Angst vor geschlechtlicher Diskriminierung?

    Der Verfasser dieser Schlagzeile paßt wenigstens schön in die wunderbare Neuwelt, in der Diskriminierung und Unterdrückung gut ist.

    Orwell hätte es nicht besser erfinden können: Freiheit durch Unterdrückung.

    Hier ist entschlossener Widerstand aller Menschen angesagt.

    FÜR DIE ERRICHTUNG EINER FREIHEITLICH DEMOKRATISCHEN ORDNUNG IN DEUTSCHLAND!

    +++

    Die Perfidie dieses Plans kommt schon darin zum Ausdruck, daß die Emanzen die Hühnerquote in Aufsichtsräten fordern, aber nicht bei der Müllabfuhr.

    Ausbeutung uns Abzocke pur.

  • Die Frauenquote in Aufsichtsräten ist idiotisch! Wen wähle
    ich als Aktionärin (bei vorgeschlagenen Alternativen) in den Aufsichtsrat, einen Mann der mir als Wirtschaftsführer bekannt ist, oder eine unbekannte Frau XY? Mit Sicherheit das bekannte Gesicht. Insofern kann die Frauenquote nicht funktionieren, oder will man den Aktionären die freie Wahl verbieten, nach dem Motto, die Quote muss erfüllt werden?
    Was ich erwarte ist nicht nur theoretische Kompetenz, sondern auch Erfahrungen in der Praxis, und die fehlen, den sogenannten "gut ausgebildeten Frauen" eindeutig! Wer mit 30 sein Studium abschließt, mit 40 in den Aufsichtsrat einzieht, zwischendurch noch 3 Jahre in Elternzeit war, dessen Kompetenz darf bezweifelt werden. Dieser Gesetzentwurf ist das Papier nicht wert, auf dem er steht!

  • "Dann können Aktionäre weibliche Vertreter in die Anteilseignerseite der Aufsichtsräte wählen"... können???? das ist hier mehr ein MUSS... wo ist da die Demokratie, wenn ich vorgesetzt bekomme, wen ich wählen muss??? Deutschland macht ihre Wirtschaft selbst kaputt...

  • Mal Tacheles gesprochen: Diese ganze Quotenarie ist, wie "RagnarD" schon ganz richtig und detailliert dargelegt hat der typische Politikernonsens.
    Hier trifft feministische Profilneurose der Frau Redding mit der gedanklichen Tiefe einer Wüstenpfütze zusammen und gebiert den üblichen Politfurz der dann, mächtig anfächelt,
    in die Medien geblasen wird.
    Schlimm nur das der ganze Aufwand der hier getrieben wird nichts anderes als Steuergelder verschwendet. Man sollte Brüssel zur geschlossenen Abteilung erklären und als Psychodoku auf Arte übertragen - dann hätte das wenigstens Unterhaltungswert.

  • Lieber RagnarD,
    dieses ausschließlich weibliche Gekreische um Frauenquote ist nicht mehr auszuhalten. Wie sieht das denn in Kitas, in Kindergärten in den Volksschulen usw usw aus. Da fehlt es doch überall an Männern; das ist doch schon so schlimm, dass Gymnasialschüler ( innen ) vollkommen erschlagen sind, wenn da auf einmal ein männliches Wesen vor dem Katheder steht. Da fehlt die Männerquote.

  • Das machen wir dann wie bei der Behindertenquote. Bei Nichterfüllung wird eine kleine Strafzahlung fällig und gut isses!

  • if
    a priori ... beraubt
    then
    kein Ehrgeiz mehr.
    DAS ist eigentlich DIE weibliche Kurzfassung, die immer wieder angeboten wird.
    Fraglich und umstritten ist, ob da irgend jemand überhaupt "a priori beraubt" wurde und falls ja,
    warum er sich in all den Jahrhunderten nicht mit besseren Konzepten, Klugheit und Zähigkeit wenigstens ansatzweise mal durchgesetzt hat?
    BTW: Männer, denen auf Grund einer "a priori-Beraubung" der Ehrgeiz flöten geht, haben ähnliche Aufstiegschancen wir Frauen.

  • Ich möchte nicht leugnen, dass es so etwas wie eine gläserne Decke gibt. Aber ist diese tatsächlich der entscheidende Grund für die mangelnde Präsenz von Frauen in Führungsetagen und Aufsichtsräten? Ist die Verfügbarkeit von weiblichem Personal in bestimmten Bereichen nicht viel entscheidender? Selbst heute beobachten wir immer noch einen Hang der weiblichen Studierenden zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern, während die so genannten MINT-Fächer weiterhin eher eine Männerdomäne bleiben. In den Zeiten, in denen die heutige Führungsetage studiert hat, sah dieses Phänomen noch gravierender aus(man wird schließlich i.d.R. nicht mit Ende 20 Mitglied des Vorstands oder erhält einen Sitz im Aufsichtsrat). Man kann also nicht erwarten, dass wir in den Führungsetagen eines Industrielands eine annähernd 50:50 Aufteilung zwischen Männern & Frauen vorfinden, wenn der Pool an Frauen, die in den entsprechenden Bereichen qualifiziert sind, von vorne herein signifikant kleiner ist! Die Initiative get-women-on-board legitimiert den Kampf für die 40%-Quote v.a. über den Frauenanteil in den Studienfächern BWL und Jura. Abgesehen davon, dass ich persönlich froh darüber bin, dass dt. Firmen nicht ausschließlich von BWLern & Jusristen geführt werden, lohnt sich ein Besuch in einer Marketing- oder Personalwirtschaftsvorlesung. Danach könnte man leicht zu dem Schluss kommen, dass es nur noch weibliche BWL Student_innen gibt! Besucht man hingegen eine Vorlesung im Bereich quantitative Methoden oder Ökonometrie sieht das Ganze schon wieder ganz anders aus! Betrachtet man zudem die Resorts der weiblichen Vorstandsmitglieder innerhalb der DAX Unternehmen genauer, so stellt man fest, dass diese (wenig überraschend) fast ausschließlich in den folgenden zwei Bereichen tätig sind: Personal und Compliance! In so fern halte ich eine "Frauen-Quote" nicht nur für falsch, sondern u.U. sogar für schädlich! Um das gewünschte Ziel zu erreichen müssen wir viel früher ansetzen!

  • Wenn ein Teil der Gesellschaft á priori der Aufstiegsmöglichkeit beraubt wird, hat dieser Teil auch keinen Ehrgeiz mehr.

    Wir können es uns aber nicht länger leisten, kluge Köpfe mit dem Hinweis auf das Geschlecht auszusortieren.

    Würde sich etwas ändern, wenn wir auf die Vernunft der Unternehmen setzen? Nein, denn da sitzt neben fähigen Männern auch jede Menge maskulines Mittelmaß oder Versager und diese Durchschnittstypen würden um ihre Pfründe fürchten und sie verteidigen.

    Also muss die Quote her. Der Qualität der Vorstände und Aufsichtsräte kann es nur nützen.

  • Die Frauenquote ist die größte Diskriminierung gegen Frauen

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