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Wege aus der Krise Island – ein Vorbild für die EU?

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Island akzeptiert seine Schuld
Die isländische Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurðardóttir gibt heute vor allem Ratschläge. Quelle: Reuters

Die isländische Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurðardóttir gibt heute vor allem Ratschläge.

(Foto: Reuters)

Für einkommensschwache Kreditnehmer übernahm die Regierung eine Zeit lang die Tilgung. Es gab, anders als in Spanien oder Irland, keine Massenenteignungen. Mittelständische Unternehmen, die zu hoch verschuldet waren, aber operativ Gewinn erwirtschafteten, kamen in ein Schuldenschnitt-Programm. Die Überlegung: Besser die Banken schreiben auf einen Schlag alle unrealistischen Forderungen ab, als dies auf den Sankt-Nimmerleinstag zu verschieben und damit Konsumenten und Realwirtschaft zu ersticken. Der Staat wiederum sollte nicht zu sehr belastet werden. Andernfalls hätte er später sparen müssen - und so die Konjunktur abgewürgt.

„Anstatt die Rechnung für die Party an Onkel Bill zu senden, der sie an Tante Janie weitergibt, die Opa Oliver fragt, der dann Oma Olga um Geld bittet, hat Island den Schaden festgestellt und akzeptiert, dass ihn der Verursacher tragen muss“, sagt der Politikprofessor Thorolfur Matthiasson. Dieses Prinzip wirkt. Seine Auslandsschulden hat Island getilgt. In den vergangenen drei Quartalen wuchs die Wirtschaft um 2,4 bis 4,5 Prozent pro Quartal, für das Jahr 2013 werden 3,9 Prozent prognostiziert, die Arbeitslosigkeit ist von mehr als zehn auf weniger als sieben Prozent gesunken - und das alles, obwohl die Leitzinsen mit 5,5 Prozent im internationalen Vergleich schon wieder recht hoch sind.

Der Kurs der isländischen Krone ist stabil, allenfalls die Inflation von 2,5 Prozent bereitet Sorgen. Abzuwarten bleibt noch, ob die Kapitalkontrollen nicht zu einer erneuten Immobilienblase führen: wenn zu viel Geld daran gehindert wird, im Ausland investiert zu werden, können sich schließlich schnell neue Blasen bilden. Bisher scheint das aber unter Kontrolle zu sein. Natürlich hat die Insel die Chance genutzt, nicht Teil von Euro-Land zu sein und die Krone um mehr als 20 Prozent abgewertet.

Der Blick auf die Konsumausgaben zeigt aber auch, dass das Wachstum von innen kommt. Gut drei Prozent mehr als im vergangenen Jahr geben die Isländer dieses Jahr wohl aus. Die Entwicklung läuft so gut, dass sogar jener Teil der alten Banken, die der Staat als Privatkundenbanken gerettet hat, am Jahresende wieder an die Börse geht. Nur die „Bad Banks“, die Untoten des Systems, liegen noch am Boden. Aber das ist den meisten Isländern egal. Anders als in Spanien, Irland oder Slowenien müssen hier ja nicht die kleinen Leute dafür zahlen.

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18 Kommentare zu "Wege aus der Krise: Island – ein Vorbild für die EU?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Island hat das richtige getan um eine Lösung herbeizuführen, dies liegt zum einen daran, dass die Menschen dort "klarer im Kopf" sind als bei uns.
    Es wurde ein Sonderstaatsanwalt eingesetzt und die Banker mussten sich dort für ihre Taten (Monopoly) verantworten.

    Die Bevölkerung weigerte sich die Schulden der Banken zu zahlen. (Die Europäer, Holländer, Deutsche, Engländer protestierten.....)

    Das der Finanzsektor (Monpoly) nun auf ein volkswirtschaftlich gesundes Maß "geschrumpft" und Kapitalverkehrskontrollen eingeführt wurden hilft mit Sicherheit dem Land.
    Bei uns scheint eine Beschschränkung der volkswirtschaft schädlichen Bankgeschäfte politisch nicht erwünscht, daher herrschen für die Finanzmarktakteure noch nahezu paradisische Zustände und wir sind noch weit entfernt von einer Marktbereinigung á la Island.

  • Der Grieche liegt richtig. WIR müssen raus aus dem Euro!
    Das ist das Vernünftigste. Die Südschiene kann dann endlich abwerten und unser Geld wird irgendwann wieder etwas wert sein. Bei den Verbindlichkeiten, welche Merkel und Schäuble uns auf's Auge gedrückt haben, wird es allerdings auch mit der DM schwer werden.
    Unser BVerfG hatte leider nicht den Mut, die ganzen "Rettungen", welche doch nicht funktionieren, als verfassungswidrig (was sie eigentlich sind) einzustufen.

    Hier mal meine gesammelten Zahlen:

    Target2 rd. 700 Mrd Euro
    Bürgschaften für den EFSF bei 253 Mrd
    ESM 190 Mrd
    Anteil Staatsanleihekäufe EZB 57 Mrd
    geplanter Europ. Einlagensicherungsfond 55 Mrd
    1. Rettungspaket Griechenland 17 Mrd
    unser IWF Beitrag zu den Rettungspaketen 15 Mrd
    Bürgschaften im Rettungsfond ESM 12 Mrd

    Vielleicht habe ich das eine oder andere auch noch vergessen. Wenn man bedenkt, wie groß die Aufregung wegen der 3 Mrd bei der Bayern LB war......
    Und nun?????

    Mir wird schwindlig - das kann nur zum Staatsbankrott unseres eigenen Landes führen.

    Haben wir doch selbst bereits eine offizielle Staatsverschuldung von rd. 2,1 Bio Euro. Merkel und Schäuble haben uns in den letzten 4!!! Jahren dank EU und Euro nochmal rd 1,3 Bio oben draufgepackt.

    Vielen Dank, liebe Politiker. Hättet ihr uns gefragt, hätte es diese Währungsunion NIE gegeben. Aber es wird nur über den Kopf der Bevölkerung hinweg regiert. Wenn's dann schief geht, war wieder niemand Schuld.
    Die Politiker müssten wie Unternehmer haften müssen.
    Dann würden sie solche Versuche erst gar nie unternehmen.

  • Das Problem hat doch mit dem Euro zu tun. Ohne Euro hätten sich die PIIGS nicht so maßlos verschulden können. Ohne Euro hatten sie bereits viel höhere Zinsen, z. T. 12%, zu zahlen. Ohne Euro hätten unsere Banken und Versicherungen nicht so viel Staatsanleihen maroder Länder angekauft, bzw. sogar gar nicht ankaufen dürfen! LV's durften nur Staatsanleihen von Ländern mit Triple A-Rating kaufen. Ohne Euro hatten das die meisten Länder gar nicht.

    Hinzu kommt das gesamtpolitische Versagen beim Target 2.
    In den USA müssen die einzelnen Bundesstaaten ihre Rechnungen nach 4 Wochen beglichen haben. Ansonsten müssen sie richtig Werthaltiges abliefern oder überschreiben (Aktienpakte, Gold, Immobilien). Hier in der EU hat an so etwas KEINER gedacht!

    Das Problem hängt grundlegend mit dieser verdammten Einheitswährung zusammen.

    Suboptimale Währungsräume dürfen keine gemeinsame Währung besitzen. Das musste schief gehen!

    Aber alle Ökonomen, welche davor warnten, wurde nieder gemacht. Nun ja, die Politiker werden die Suppe nicht auslöffeln. Für deren Fehler haftet wie immer der Steuerzahler.

  • @Willibald

    Sie haben einen wichtigen Aspekt der mit dem Euro zu tun hat vergessen:

    <Natürlich hat die Insel die Chance genutzt, nicht Teil von Euro-Land zu sein und die Krone um mehr als 20 Prozent abgewertet.>

  • Island hat dieses Kunstgeld Euro nicht und ganz offensichtlich Politker die erst einmal was fürs eigene Land tun und vor allem offensichtlich Politiker mit Verstand.
    Und genau solche haben wir nicht
    Wir haben leider nur Dilettanten udn Volksvernichter

  • @hermann.12

    "Das einzige, was was man von Island lernen kann, ist, dass große Strukturen und Zentralisierungen im Ernstfall wesentlich schlechter steuerbar sind und zur Verantwortung gezogen werden können, als dezentrale tendenziell kleinere Strukturen."

    Genau. Deshalb sagt Draghi ja auch:

    "Draghi forderte, die Integration der Euro-Zone weiter voranzutreiben. Um das Vertrauen wieder herzustellen, würden nicht nur Regeln benötigt, sagte der EZB-Chef. "Sie müssen auch sicherstellen, dass diese Regeln eingehalten werden. Daran hat es in der Vergangenheit gemangelt, daran müssen die Regierungen arbeiten.""

    (Quelle: http://forum.spiegel.de/f22/euro-krise-troika-schlaegt-schuldenerlass-fuer-griechenland-vor-74141-3.html#post11229815)

    Also das genaue Gegenteil.

  • Der Artikel ist meiner Meinung nach etwas naiv. Island ist ein Zwergstaat, was Bevölkerung und gegensätzliche Interessen betrifft. Gläubiger waren vor allem nicht Isländer ,weshalb Island selbst proportional deutlich weniger betroffen war von dieser Politik als das Ausland.
    Da fällt es relativ leicht bzw. ist relativ leicht durchsetzbar, so vorzugehen.
    Gerade für die EU ist es äußerst zweifelhaft, ob so ein Weg überhaupt gangbar gewesen wäre oder durchsetzbar.

    Das einzige, was was man von Island lernen kann, ist, dass große Strukturen und Zentralisierungen im Ernstfall wesentlich schlechter steuerbar sind und zur Verantwortung gezogen werden können, als dezentrale tendenziell kleinere Strukturen.

    H.

  • Wohl die Hälfte vergessen, was? Island hat korrupte Banker vor Gericht gebracht und weggesperrt. Zudem stimmt das isländische Volk über eine neue Verfassung ab.

  • Wie? Paul Krugman preist das Land als Vorbild in Sachen Krisenpolitik an? Krugmans Vorschlaege (naemlich Gelddrucken und Konjunkturprogramme) sind doch geradezu das exakte Gegenteil vom islaendischen Konzept, welches stark auf Glaeubigerhaftung aufbaut.

  • Manch einer erfreut sich schönen denProspekten.

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